Negative reale Renditen für Zinsanlagen sind in Deutschland eine seltene Erscheinung, aber es kann durchaus sein, dass die Anleger länger mit dieser Situation leben müssen. Die Anleger sind einer Welt negativer realer Renditen nicht hilflos ausgeliefert. In Ländern wie den Vereinigten Staaten von Amerika oder Großbritannien war dieses Phänomen in der Nachkriegszeit über mehrere Jahrzehnte zu beobachten, ohne dass die breite Masse der Bevölkerung verarmt wäre. Gleichwohl bilden negative Renditen eine große Herausforderung nicht nur für Privatanleger, sondern auch für große Investoren wie Versicherungen, Versorgungswerke oder Stiftungen. Wer gegen die allmähliche Auszehrung seines Vermögens nicht vorgeht, kann vor allem im Alter eine böse Überraschung erleben.
Was ist zu tun? In einer Situation negativer Realzinsen gibt es für langfristig disponierende Anleger vier goldene Prinzipien, deren Berücksichtigung die Risiken reduziert, Vermögensschäden zu erleiden. Das erste und wichtigste Prinzip lautet: Das Vermögen sollte, natürlich im Rahmen der jeweiligen individuellen Möglichkeiten, auf verschiedene Anlageklassen verteilt werden. Die alleinige Ausrichtung auf zinstragende Anlagen ist in der aktuellen Situation geradezu schädlich. Wie breit ein Anleger sein Vermögen streut, hängt von seiner finanziellen Potenz und von seiner Risikobereitschaft ab.
Wie Zinsen und Inflationsrate sich entwickeln, ist ungewiss
Mit der Streuung seines Vermögens reagiert der Anleger nicht alleine auf die gegenwärtig negativen realen Renditen für Zinsanlagen, sondern auch auf die hohe Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung. Es ist derzeit überhaupt nicht abzusehen, wie sich die Zinsen und die Inflationsrate in den kommenden Jahren entwickeln werden. Viele Kapitalmarktteilnehmer erwarten, dass die Zinsen wieder steigen werden, andere halten die gegenwärtig sehr niedrigen Zinsen für die neue Normalität. Die Tatsache, dass negative Realrenditen den verschuldeten Staaten nützen, spricht für eine längere Lebensdauer dieses Zustands.
Die einfachste Form der Streuung eignet sich für betuchte wie für weniger betuchte Anleger und wird traditionell vom Frankfurter Privatbankhaus Metzler vertreten: Hier verteilt der Anleger sein Geld auf Zinspapiere und auf Aktien. Das ist ein Portfolio für alle Zeiten: Wenn die Inflation die Rentabilität der Zinsanlagen reduziert, sollen die Aktien für einen Renditeausgleich sorgen. Im umgekehrten Falle der Deflation werden vermutlich Aktien nicht sehr gut abschneiden, aber dafür sorgen die Zinsanlagen für die Rendite. Als eine Möglichkeit der Aktienanlage werden in dieser Beilage dividendenstarke Papiere vorgestellt.
Anlegen wie die Yale-Universität
Gegen die Idee einer Aufteilung auf Zinspapiere und Aktien mögen zwei Gründe sprechen. Zum einen ist die Aktie in Deutschland keine populäre Anlageform. Der zweite Grund ist, dass sehr starke Kursschwankungen der Aktien in den vergangenen 15 Jahren diese Anlageform auch vielen größeren Anlegern verleidet haben. Eine Alternative oder Ergänzung zur Aktie besteht in Sachanlagen, deren Wert keinen börsentäglichen Schwankungen unterliegt.
Am konsequentesten hat dieses Modell der Stiftungsfonds der amerikanischen Yale-Universität entwickelt: Seine Manager legen fast gar kein Geld in Zinspapieren an, wohl aber in Aktien und daneben in Immobilien, Beteiligungskapital (Private Equity), Hedgefonds und Rohstoffen. In den vergangenen Jahren haben daneben Anlagen in Wäldern an Beliebtheit gewonnen. In dieser Beilage erläutert Fritz Becker, der Leiter des Bad Homburger Family Office HQ Trust, dieses Konzept und seine Reize. Vollständig kann dies nur von sehr vermögenden Anlegern umgesetzt werden, aber auch vielen Privatanlegern steht zumindest die Beteiligung an Immobilien, Fonds und Edelmetallen offen.
Lieber sicher als mehr
Eine sehr spezielle Form der Sachanlage bilden die Sammlermärkte. Wer sich dort engagiert, sollte über sehr gute Kenntnisse verfügen. Immerhin bieten sie den Vorteil, neben der oft wenig kalkulierbaren Aussicht auf eine Rendite auch den Spaß am Besitz der Objekte zu gewährleisten. In dieser Beilage wird beispielhaft der Markt für teure Weine behandelt.
Das zweite goldene Prinzip der Anlage in diesen Zeiten lautet: Kapitalsicherung geht vor Kapitalmehrung. Wem es zurzeit gelingt, sein Kapital nach Steuern und Inflation zu erhalten, hat bereits ein ordentliches Ergebnis erzielt. Wer in schwierigen Zeiten sein Kapital mehren will, muss die dazu gehörenden Risiken eingehen. Hohe Risiken entstehen vor allem, wenn Anleger Produkte kaufen, die sie nicht verstehen, und wenn sie in sehr enge Märkte investieren, in denen schnell Spekulationsblasen entstehen können. Ein Beispiel bilden Immobilien: Es gibt nicht „den“ Immobilienmarkt, sondern sehr viele Märkte für sehr unterschiedliche Lagen und Immobilienarten.
Spekulationsblase auf dem Wohnungsmarkt
So hat die Deutsche Bundesbank kürzlich vor der Gefahr von Preisblasen in Märkten für Wohnimmobilien in sehr beliebten Lagen mancher deutscher Großstädte wie München oder Berlin gewarnt. Nach einer alten Faustregel sollte ein Anleger nicht mehr als das Zwanzigfache der Jahresmiete zahlen; in manchen Städten wird derzeit schon das Dreißig- bis Vierzigfache der Jahresmiete bewilligt. Dagegen sind in Städten wie Essen oder Heidelberg die Preise noch nicht sehr stark gestiegen, obgleich es auch dort interessante, aber vielleicht weniger repräsentative Investitionsobjekte gibt. Auch die Edelmetallmärkte sind enge Märkte; sie bieten nicht nur Chancen.
Wenn Banken keinen Eigenhandel mehr betreiben, können sie nur noch am Geld ihrer Kunden verdienen. Aktiv gemanagte Investmentfonds sind in der Regel teurer, aber nicht alle sind besser als einfache passive Indexfonds. Hier ist eine sorgfältige Abwägung sinnvoll. Zertifikate sind nicht grundsätzlich nachteilig, aber sie sind oft nicht billig und mancher Kunde interessiert sich nicht für die Risiken. Ausländische Aktien können eine interessante Alternative zu inländischen Aktien bieten, aber die Gebühren für den Handel sind ebenso zu beachten wie der Aufwand, der mit der Ausschüttung von Quartalsdividenden verbunden ist. Gerade wenn Renditen niedrig sind, sollten Anleger prüfen, ob nicht ein einfaches und billiges Finanzprodukt eher lohnt als ein kompliziertes und teures. Das ist das dritte goldene Prinzip der Kapitalanlage.
Gegen kaum ein Prinzip der Kapitalanlage wird in Deutschland so häufig verstoßen wie gegen das vierte: Steuersparmodelle sind nicht per Definition vorteilhaft. Eine Kapitalanlage muss zunächst einmal aus sich selbst heraus attraktiv und ihre wirtschaftliche Logik nachvollziehbar sein. Wenn sie zusätzlich eine legale Steuersparkomponente besitzt: umso besser. Aber es ist schon viel Geld versenkt worden mit Steuersparmodellen, die nur ein brüchiges wirtschaftliches Fundament besaßen.
Eine vernünftige Kapitalanlage ist kein Hexenwerk. Die meisten Fehler entstehen entweder aus Unkenntnis oder aus dem Versuch, sehr hohe Renditen erzielen zu wollen. Wer sich zu beherrschen weiß und ein paar Grundregeln verinnerlicht, kann ohne Scheu die oft abschreckend komplizierte, aber auch faszinierende Welt der Kapitalmärkte betreten.
Negative Realrenditen bei Anleihen
Joerg Gerhard (Jogi65)
- 07.12.2012, 13:36 Uhr
5. Möglichkeit: Einfach auf den Vater hören - So ist Giacomo
Draghi Zinshändler bei Morgan Stanley
Klaus Wege (covenants)
- 07.12.2012, 10:32 Uhr
Sicher,
Johannes Eckstein (dc-3)
- 06.12.2012, 15:36 Uhr