Home
http://www.faz.net/-gv6-7694e
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Allianz-Finanzvorstand Zimmerer „Sparer werden enteignet“

Allianz-Finanzvorstand Maximilian Zimmerer verrät seine Strategie gegen die Inflation - und was Sparer daraus lernen können: nichts wie raus aus Bundesanleihen!

© Andy Ridder / VISUM Vergrößern Allianz-Finanzvorstand Maximilian Zimmerer (54) vor dem Logo des Konzerns.

Herr Zimmerer, viele Menschen fürchten um ihr Erspartes, zu Recht?

Diese Furcht verstehe ich nicht ganz. Nur weil wir sehr niedrige Zinsen haben, muss man nicht Angst haben, dass das Geld weg ist.

Es wird jeden Tag weniger wert, wenn die Inflation höher ist als der Zins.

Ja, das stimmt. Unser Anspruch ist, höhere Zinsen als die Inflation zu erzielen.

Leichter gesagt als getan.

Aber möglich. Wir hatten uns nur in Deutschland nach dem Krieg lange an reale Zinsen zwischen zwei und vier Prozent gewöhnt. Davon müssen wir Abschied nehmen, das ist auf geraume Zeit vorbei.

Für wie lange rechnen Sie mit den Micker-Zinsen?

Zwei bis drei Jahre werden die Zinsen noch tief bleiben, aber nicht endlos. Wir werden kein zweites Japan. Niedrige Zinsen sind auf Dauer kein Allheilmittel, Geld drucken löst keine Probleme.

Ist die Euro-Krise ausgestanden?

Nein, sie ist beruhigt, kann aber jederzeit wiederaufflackern. Da muss Druck auf dem Kessel bleiben. Die Zentralbank kann nur die Geldschleusen öffnen, Wachstum kann sie nicht erzwingen.

Die Geldschwemme nährt die Inflation, das hilft den Staaten, mit den Schulden fertigzuwerden?

Ja, man nimmt bewusst in Kauf, dass Inflation entsteht, da die Regierungen die Schulden dann leichter zurückzahlen können. Dafür büßen die Sparer, sie zahlen für die Schulden der Staaten - das ist Teil der finanziellen Repression.

Die schlägt auch auf die Lebensversicherungen durch?

Das Zinsumfeld knabbert an der Rendite der Versicherten, das ist so, ja. Bleiben die Zinsen dauerhaft unten, wird sich das in der Überschussbeteiligung zeigen - nicht sofort, aber mit einer Verzögerung. Die Inflation enteignet die Sparer und schädigt die Altersvorsorge.

Bundesanleihen mit praktisch null Prozent Zinsen sind ein sicherer Weg, Vermögen zu vernichten: also nichts wie raus?

Ja, unbedingt. Das ist eine echte Blase. Die Frage ist nur: Was ist die Alternative?

Sagen Sie’s uns! Schließlich verwalten Sie 500 Milliarden Euro, wohin flieht die Allianz vor der Inflation?

90 Prozent der Anlagen sind festverzinslich, breit diversifiziert: Unternehmensanleihen, Staatsanleihen, teils aus Schwellenländern mit guter Solvenz. Dazu noch Sonderinvestments, wo eine Zusatzrendite zu holen ist.

Mit Staatsanleihen aus der Eurozone ist nichts mehr zu gewinnen?

Nicht viel, höhere Renditen gibt es noch in den GIIPS-Staaten, aber auch da laufen die Renditen nach unten.

Wie viel des verwalteten Vermögens halten Sie in diesen EU-Risikoländern?

Vielleicht ein Prozent, wenn Sie Italien nicht mit einrechnen. In Italien selbst etwa sechs Prozent, weil wir dort eine große Tochtergesellschaft haben. Und die Kollegen dort vertrauen dem italienischen Staat - zu Recht.

Wenn ein Privatanleger sich in Schwellenländer wagt, wohin würden Sie ihn schicken?

Da würde ich breit streuen: Lateinamerika, Asien, auch Osteuropa.

Sie empfehlen die Anleihen von Unternehmen, nur rentieren die auch kaum noch: Jeder halbwegs solide Konzern kriegt das Geld hinterhergeworfen.

Die große Story der Unternehmensanleihen ist gelaufen, das stimmt. Die Zinsaufschläge der Firmen sind im historischen Vergleich niedrig, liegen aber immer noch über den Kosten, die für Ausfallrisiken veranschlagt werden müssen.

Also: kaufen?

Ja, eher übergewichten. Die Verschuldungssituation der Unternehmen hat sich deutlich verbessert, die haben ihre Hausaufgaben gemacht.

Trauen Sie auch den Anleihen von Mittelständlern, teils bekannte Marken, aber ohne Rating?

Diese Papiere sind für uns schon deshalb nicht interessant, weil das Volumen zu gering ist: Wir kaufen nicht unter 10 Millionen Euro.

Was ist der größte Betrag, den Sie einem einzelnen Unternehmen geliehen haben?

Kann ich nicht sagen. Es gibt sicher mehr als ein Industrieunternehmen, von dem wir Anleihen in dreistelliger Millionenhöhe besitzen.

Viele Sparer suchen ihr Heil im Gold. Ist das vernünftig?

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Aktienmarkt Den Deutschen könnte der Dax gehören

Deutsche Privatanleger spielen am Aktienmarkt kaum eine Rolle, weil sie in der Vergangenheit wenig Geld in Aktien gesteckt haben. Dabei hätte jemand, der in den vergangenen 23 Jahren 50 Euro im Monat in Dax-Unternehmen investiert hätte, seinen Einsatz fast verdreifachen können. Mehr Von Daniel Mohr

22.05.2015, 08:06 Uhr | Finanzen
Finanzen Die deutsche Sparer-Seele

Wäre da nicht schon der Adler, dann hätte mit Sicherheit das Sparschwein einen Platz im deutschen Wappen gefunden. Sparen liegt den Deutschen im Blut. Und daran wird auch unverdrossen festgehalten: Woher kommt dieser Drang der Deutschen, für schlechte Zeiten etwas zurückzulegen? Mehr

22.01.2015, 13:29 Uhr | Finanzen
Prokon-Übernahme Es sieht gut aus für EnBW

EnBW will in erneuere Energien investieren. Die wichtigsten Gläubiger des insolventen Windparkbetreibers Prokon haben den Konzern jetzt als Investor ausgewählt. Entschieden ist damit aber noch nichts. Mehr

12.05.2015, 20:59 Uhr | Wirtschaft
Energiewende Wieviel kostet sie wirklich?

Um den Strom aus den neuen Offshore-Windparks von Nord nach Süd zu transportieren, sind gewaltige Investitionen nötig – bis zu 4500 Kilometer Stromnetze müssen gebaut werden, geschätzte Kosten: rund 28 Milliarden Euro. Mehr

05.03.2015, 10:03 Uhr | Wirtschaft
Börsenchef im Interview Manche glauben, sie könnten über Wasser gehen

Börsenchef Reto Francioni zieht Bilanz: Ein Gespräch über leichtsinnige Anleger, aufmüpfige Aktionäre und die Rückkehr nach Zürich. Mehr

14.05.2015, 11:03 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 05.02.2013, 14:34 Uhr

Geld & Leben

"Meine Finanzen" hat die richtigen Tipps für jede Lebenslage. Zu welcher Gruppe gehören Sie?

Zentral-Bank

Von Gerald Braunberger

Zentralbanken im öffentlichen Auftrag dürfen einzelne Marktteilnehmer nicht bevorzugen. Sie sollten Sensibilität für die Finanzmärkte zeigen. Mehr 8 20