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Veröffentlicht: 07.09.2016, 16:47 Uhr

Finanzplanung Mitte fünfzig Der Weg zum kostengünstigen Depot

Angesichts schrumpfender Kapitalerträge werden die Kosten wichtiger. Was sollte man bei der Finanzplanung mit Mitte fünfzig beachten?

von Hanno Mussler
© dpa Wie finde ich das kostengünstige Depot für mich?

Als passionierter Schachspieler denkt Fazzi Indecks auch bei der Geldanlage Zug um Zug. Und er versucht, sich seine eigenen Gedanken zu machen. In der Niedrigzinsphase, so seine Weltsicht, ist nicht nur mit Anleihen und dem Sparbuch wenig zu verdienen. Eher früher als später werden auch die jährlichen Renditen mit Aktien schrumpfen. Statt 8 Prozent im langfristigen Durchschnitt, womit man vielleicht früher rechnen konnte, erwartet Fazzi Indecks bis zu seinem Ruhestand in zehn Jahren nur noch mit Renditen von bestenfalls 5 Prozent im Jahr.

Angesichts der vermutlich schrumpfenden Erträge erscheint es unserem 55 Jahre alten Mann um so wichtiger, seine Depotkosten und seine Steuern auf Kapitalerträge zu drücken. Hier gibt es noch Potential, denkt sich Fazzi Indecks. Zwar hat sich unser Mustermensch als gebranntes Kind des Telekom-Börsenganges aus dem Jahr 1996 seither der kostengünstigen, breit gestreuten Aktienanlage über Indexfonds verschrieben. Die hohen Kursverluste der Telekom-Aktie haben Fazzi Indecks der Illusion beraubt, etwas besser zu wissen als andere Anleger oder auf „heiße Tipps“ von Freunden zu hoffen. Vielmehr leuchtet ihm die Idee ein, mit Fonds auf mehrere Aktien zu setzen, um die Risiken zu verteilen.

25 Prozent plus Solidaritätszuschlag

Bei Indexfonds (ETFs) sitzt kein teurer Fondsmanager am Steuer, der mit seinen Anlageentscheidungen besser oder schlechter abschneidet als der Marktdurchschnitt; vielmehr sind ETFs „der Markt“, genauer ein Index wie der Dax, den man zu jährlichen Kosten von 0,1 der angelegten Summe besitzen kann. Auch andere Indexfonds kosten selten mehr als 0,4 Prozent. Zum Vergleich: Fonds der Deutschen Bank (DWS), der Deka (Sparkassen) oder der Union Investment (VR-Banken), wie sie oft in Deutschland verkauft werden, kosten oft mehr oder weniger versteckte Gebühren zwischen 1,2 und 1,8 Prozent, manche sogar noch mehr. Das heißt: Auf die Anlagesumme von 150.000 Euro zahlt Fazzi Indecks dank ETFs nur 450 Euro statt 2250 Euro im Jahr für aktiv gemanagte Fonds. Das ist also schon mal ganz gut.

42229959 © F.A.Z. Vergrößern Steckbrief Fazzi Indecks, 50 Jahre alt

Aber die Depotkosten lassen sich noch drücken, das ist Fazzi Indecks seit längerem klar. Aus steuerlichen Gründen hat er sein Depot geteilt: die ETFs, die er vor dem Jahr 2009 gekauft hat, stecken in einem Depot „Altbestand“, die ETFs, die er 2009 und später gekauft hat, in einem Depot „Neubestand“. Diese Splittung hat den Vorteil, dass Fazzi Indecks Steuerzahlungen vor- oder aufschieben kann: Verkauft er einen ETF aus dem Altbestand, ist der Gewinn steuerfrei, und der Verlust wird nicht angerechnet. Will Fazzi Indecks dagegen Verluste mit nach 2009 erworbenen Wertpapiere realisieren, verkauft er Wertpapiere aus dem neuen Depot. Gewinne daraus muss er mit 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer versteuern.

Aus alter Verbundenheit hält Fazzi sein Depot Altbestand bei seiner Sparkasse. Bei der jüngsten Depotabrechnung des Jahres 2015 wurde im der Kostenunterschied offenbar: Fast 150 Euro hatte ihm seine Sparkasse für die Verwahrung der Alt-ETFs im Wert von rund 100.000 Euro abgenommen, genau 0,14875 Prozent vom Depotwert. Sein Depot „Neubestand“ hat er dagegen vor zwei Jahren zu einer Direktbank übertragen. Somit kann er den direkten Vergleich ziehen. Die Verwahrkosten dort sind für die ersten drei Jahre genau null. Auch die Transaktionskosten, die bei jedem Wertpapierkauf in der Sparkasse mit 1 Prozent des Kurswertes anfallen, sind bei der Direktbank ungleich niedriger. Deshalb will Fazzi nun auch sein Altdepot zu einer kostengünstigen Direktbank verlagern.

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