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Abgeltungssteuer Altverluste nur bis 2013 mit Aktiengewinnen verrechenbar

 ·  Wer sich von Aktien trennt, die nach 2008 gekauft wurden, muss auf den Gewinn Abgeltungsteuer zahlen. Er entgeht der Steuer nur, wenn er Verluste mit anderen Aktien hat.

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© dapd Vergrößern Finanzbeamte auf Archivsuche: Verluste aus der Zeit vor 2009 werden nur noch bis 2013 voll angerechnet

Noch steht der Deutsche Aktienindex Dax knapp 40 Prozent oder 2000 Punkte höher als im Dezember 2008, als mit der Abgeltungsteuer zum Jahreswechsel eine neue Ära begann. Seither sind alle Gewinne und Verluste mit Aktien steuerlich relevant. Vor dem Jahresanfang 2009 erworbene Aktien können aber auch jetzt noch verkauft werden, ohne dass Abgeltungsteuer auf den Gewinn anfällt. Dies ist wichtig zu wissen für Besitzer von Aktien wie Infineon, deren Kurs sich mehr als verzehnfacht hat, oder von VW, BMW und MAN, die sich mindestens verdreifacht haben.

Nach dem Kursrutsch des Dax seit März um 8 Prozent fragen sich aber auch viele Anleger, ob sie den „richtigen“ Zeitpunkt zum Verkaufen schon verpasst haben. Ohnehin haben seit Dezember 2008 vor allem die 30 Werte im Dax haussiert. Der 100 Aktien umfassende F.A.Z.-Aktienindex hat nur etwas mehr als 10 Prozent zugelegt. Solar-Unternehmen wie Q-Cells und Solarworld haben seit Dezember 2008 mehr als 80 Prozent, der Dax-Wert Commerzbank rund 70 Prozent verloren.

Ein „Verlusttopf“ - anzugeben in der Steuererklärung

Wer diese Aktien nach 2009 erworben hat und sie jetzt mit Verlust verkauft, kann sie mit Gewinnen aus anderen Aktien in diesem oder in späteren Jahren verrechnen. Dafür gibt es einen „Verlusttopf“, der seine Gültigkeit behält, sofern er in der Steuererklärung angegeben wird. Nicht möglich ist, damit laufende Kapitalerträge wie Zinsen und Dividenden zu verrechnen. Auf sie fällt Abgeltungssteuer an, Sparerfreibetrag von 801 Euro für Alleinstehende und 1602 Euro für gemeinsam veranlagte Eheleute überschritten ist.

Noch aber überwiegen bei vor 2009 erworbenen Aktien die Gewinne. Auch unter den Aktiengesellschaften im F.A.Z-Index, die nicht im Dax sind, gibt es mit Boss, Lanxess oder Gerry Weber mehrere bekannte Namen, deren Kurse sich seit Dezember 2008 zumindest verdreifacht haben. Wer nach dem Jahreswechsel 2009 diese Aktien gekauft hat, nun mit Gewinn verkauft und auf keinen Topf mit Verlusten zum Gegenrechnen zugreifen kann, muss auf den Gewinn Abgeltungssteuern zahlen. Zwar darf er die Anschaffungskosten wie etwa Bankgebühren abziehen, aber vom so ermittelten Gewinn zieht die Bank für das Finanzamt automatisch 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und möglicherweise Kirchensteuer ein.

Wirkung geht innerhalb von zwei Jahren deutlich zurück

Daher trifft es sich gut, wenn man als Anleger ein Verlustpolster hat. Das können, müssen aber nicht Verluste aus demselben Jahr sein. Einen Topf mit Verlusten aus alten Aktien anzulegen, war vielmehr in den Jahren vor 2009 oft empfohlen worden (F.A.Z. vom 26. Januar 2008). Dieser Topf kann noch eingesetzt werden, um eigentlich abgeltungsteuerlich relevante Gewinne mit Aktien dagegen zu rechnen. Anleger sollten aber wissen, dass dieses besondere Verlustpolster aus Aktienverkäufen vor 2009 kein Ruhekisssen ist. Gebildet aus dem halben Verlust mit Aktien, die vor Ablauf der damals geltenden Spekulationsfrist von zwölf Monaten nach dem Kauf wieder verkauft wurden, verliert der Verlusttopf in weniger als zwei Jahren ein gutes Stück seiner Wirkung.

Denn nach 2013 können alte Spekulationsverluste nicht mehr mit Aktiengewinnen verrechnet werden, sondern nur noch mit neuen Gewinnen, die aus innerhalb von zehn Jahren ge- und verkauften Immobilien stammen. Außerdem ist eine Verlustverrechnung noch möglich mit Erträgen aus dem Verkauf anderer beweglicher Wirtschaftsgüter wie Gold, für die wie für Immobilien die alten Spekulationsfristen weiterhin gelten.

Verrechnung von Veräußerungsgewinnen

Bis Ende 2013 ist es dagegen jetzt noch möglich, erzielte Veräußerungsgewinne mit Aktien mit diesem besonderen Verlustpolster zu verrechnen. Auch Veräußerungsgewinne aus Optionsgeschäften (mit Ausnahme von Stillhalterprämien) sowie Gewinne aus dem Verkauf von Fondsanteilen und von Finanzinnovationen können gegen alte Spekulationsverluste mit Aktien verrechnet werden. Das kann zum Beispiel nach Abzug der Anschaffungskosten die Rückzahlung einer Nullkuponanleihe, eines Garantiezertifikates oder einer Aktienanleihe sein. Allerdings funktioniert das Ganze nur, wenn der Anleger die Verluste in alten Steuererklärungen angegeben hat, diese vom Finanzamt im Steuerbescheid anerkannt und in den Folgejahren fortgeführt wurden.

Auch kann sich der Anleger nicht darauf verlassen, dass seine Bank den Verlusttopf zu seinen Gunsten einsetzt. Gerade bei depotübergreifenden Gewinnen und Verlusten oder wenn ein Anleger bei mehreren Banken Depots unterhält, fehlen den Banken Informationen, um eine Verlustverrechnung vornehmen zu können. Der Anleger muss in seiner Steuerklärung die Verlustverrechnung dann selbst vornehmen, will er von der Bank abgeführte Abgeltungsteuer zurückerhalten.

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