04.06.2010 · BP platziert Absaugglocke über dem Bohrleck, STM erwartet sehr starkes drittes Quartal, Nielsen peilt Milliarden-Börsengang an, Millipore-Aktionäre stimmen für Übernahme, Ungarn befürchtet „Griechenland-Lage“, Naoto Kan Japans neuer Regierungschef, Südkoreas Wirtschaft legt 8,1 Prozent zu, Luft- und Raumfahrtindustrie muss mit weniger Aufträgen rechnen, Nordkorea: Krieg könnte jederzeit ausbrechen, amerikanische Notenbanker denken über Zinserhöhung nach, Arbeitgeber warnen vor Sonderlösung für Opel
Unternehmen
BP platziert Absaugglocke über Bohrleck im Golf
Im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko ist dem britischen Energiekonzern BP ein wichtiger Teilerfolg gelungen. Nachdem das Unternehmen ein beschädigtes Steigrohr an dem offenen Bohrloch kappen konnte, gelang es in der Nacht auf Freitag, eine Absaugglocke über dem Leck in rund 1500 Meter Tiefe zu platzieren. Die amerikanische Küstenwache sprach von einem weiteren Fortschritt. Es werde aber noch einige Zeit dauern, bis man beurteilen könne, ob die Methode funktioniere und in welchem Umfang damit der Ölausfluss eingedämmt werden könne. Es könne sich dabei aber nur um eine notdürftige Reparatur handeln. Die Arbeiten, das Leck vollständig abzudichten, müssten weiter mit aller Kraft vorangetrieben werden. BP hatte zuvor erklärt, ein vollständig abgedichteter Öl-Absaugtrichter könnte bis Ende des Monats installiert werden. Das Unternehmen setzt mittelfristig vor allem auf Entlastungsbohrungen, die das Austreten des Öls stoppen sollen. Die Bohrplattform „Deepwater Horizon“ war am 20. April im Golf von Mexiko nach einer Explosion gesunken. Seitdem strömen aus einem Bohrloch jeden Tag bis zu drei Millionen Liter Öl ins Meer. Der amerikanische Präsident Barack Obama warf BP vor, nicht rasch genug auf die schwerste Ölkatastrophe in der amerikanische Geschichte reagiert zu haben. Er sei sehr wütend über die Situation am Golf, sagte Obama in einem CNN-Interview. Da habe jemand nicht an die Konsequenzen seines Handelns gedacht. Obama will am Freitag erneut in das Katastrophengebiet reisen. (Reuters)
Chiphersteller STM erwartet sehr starkes drittes Quartal
Der Infineon-Rivale STMicroelectronics erwartet im kommenden Quartal außergewöhnlich gute Geschäfte. „Die Nachfrage für das dritte Quartal ist sehr, sehr hoch“, sagte Firmenchef Carlo Bozotti am Donnerstag auf einer Investorenkonferenz. Für das Schlussquartal 2010 sei dann wieder mit normalen Auftragseingängen zu rechnen. Im laufenden Vierteljahr werde zudem das Ziel erreicht, den Umsatz um sechs bis zwölf Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2010 zu steigern. Derzeit gebe es keine Hinweise darauf, dass die Händler Lagerbestände aufbauen würden, sagte der Chef des weltweit fünftgrößte Chipherstellers, der auch mit Intel und Texas Instruments konkurriert. Offen blieb, ob die aktuell ungewöhnlich guten Geschäfte mit einem verstärkten „Doppel-Order“-Verhalten der Kunden zusammenhängen. „Wir wissen das derzeit nicht“, sagte STM-Manager Alain Dutheil. Bei „Doppel-Orders“ erhalten zwei Hersteller je einen Auftrag. Es wird aber nur dem die Ware abgenommen, der als erster liefert. Die zweite Order wird dann storniert. STM erklärte zudem, der Konzern wolle bis zum vierten Quartal über 20 Prozent mehr Produktionskapazitäten als im vierten Quartal 2009 verfügen. Im April hatte STM mitgeteilt, im ersten Quartal in die Gewinnzone zurückgekehrt zu sein. (Reuters)
Marktforscher Nielsen peilt Milliarden-Börsengang an
Der amerikanisch-niederländische Marktforscher Nielsen will mit einer Rückkehr an die Börse seine milliardenschweren Schulden abbauen. Bei seinem IPO wolle Nielsen bis zu 1,75 Milliarden Dollar einnehmen, teilte das auf TV- und Medienanalysen spezialisierte Unternehmen am Donnerstag mit. Der Informationskonzern, der Unternehmen wie Coca-Cola, Nestle, Unilever oder NBC zu seinen Kunden zählt, will das Datum für seinen Sprung auf das Parkett und die Zahl der auszugebenden Aktien erst zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgeben. Nielsen war 2006 für zehn Milliarden Dollar von den sechs Beteiligungsgesellschaften Blackstone, Carlyle, Hellman & Friedman, Kohlberg Kravis Roberts (KKR), AlpInvest Partners und Thomas H. Lee Partners gekauft und von der Börse genommen worden. Seit seiner Privatisierung hat das Unternehmen in jedem Jahr Verluste verbucht. Mit den Einnahmen aus dem Börsengang will Nielson vor allem seinen hohen Schuldenberg reduzieren. Per Ende März stand das Unternehmen mit knapp 8,6 Milliarden Dollar bei seinen Gläubigern in der Kreide. Als Konsortialführer sollen J.P. Morgan Securities und Morgan Stanley fungieren. (Reuters)
Millipore-Aktionäre stimmen für Übernahme durch Merck KGaA
Die Merck KGaA hat bei der geplanten Übernahme des amerikanische Laborspezialisten Millipore eine weitere Hürde genommen. Die Aktionäre der Millipore Corp stimmten auf einer außerordentlichen Hauptversammlung für die Übernahme durch den Dax-Konzern, wie das Unternehmen aus Billerica im amerikanische Bundesstaat Massachusetts am Donnerstag mitteilte. Die Transaktion soll im dritten Quartal abgeschlossen werden. Merck hatte den Kauf Anfang März angekündigt. Die Übernahme des amerikanische Konzerns durch den Pharma- und Chemiekonzern aus Darmstadt hat laut damaligen Angaben einschließlich der Verbindlichkeiten des amerikanische Konzerns ein Volumen von 5,3 Milliarden Euro. (Dow Jones Newswires)
Siemens baut mit RWE und Münchner Stadtwerken Offshore-Windpark - Kreise
Der Siemens-Konzern schließt sich zum Bau eines neuen Windparks auf offener See mit RWE Innogy und den Stadtwerken München zusammen. Dabei streicht Siemens einen Windkraftauftrag über 1,2 Milliarden Euro ein, wie Dow Jones Newswires am Donnerstag aus Industriekreisen erfuhr. In einem Gemeinschaftsunternehmen werden die drei Partner vor der Küste von Nordwales einen Offshore-Windpark bauen. RWE Innogy werde 60 Prozent an diesem Gemeinschaftsunternehmen halten, die Stadtwerke München 30 Prozent und Siemens 10 Prozent, wie ein Sprecher des Münchener Dax-Konzerns auf Anfrage von Dow Jones bestätigte. Insgesamt werden in den Offshore-Windpark Gwynt y Môr mehr als 2 Milliarden Euro investiert, je nach Anteil am Gemeinschaftsunternehmen auf die drei Partner verteilt. Auf Siemens entfalle dabei ein Auftragsvolumen von 1,2 Milliarden Euro, hieß es. Die Siemens AG werde für den Offshore-Windpark 160 Windenergieanlagen mit einer Leistung von je 3,6 Megawatt liefern und aufstellen sowie den Netzanschluss der Windturbinen übernehmen. Für fünf Jahre werde Siemens zudem die Wartung des Windparks übernehmen. Im kommenden Jahr werde mit dem Bau begonnen, hieß es. 2014 solle der Windpark fertig sein und dann rund 400.000 britische Haushalte versorgen. (Dow Jones Newswires)
Wirtschaftsnachrichten
Ungarn befürchtet „Griechenland-Lage“
Das EU-Mitgliedsland Ungarn hat nur eine „geringe Chance, eine Situation wie in Griechenland zu vermeiden“. Das erklärte am Donnerstag Lajos Kosa, ein hochrangiger Vertreter der seit dem 29. Mai regierenden Fidesz- Partei, gegenüber dem Nachrichtenportal Napi.hu. Hauptaufgabe des Kabinetts sei es nun, einen Zahlungsausfall bei den Staatsanleihen zu vermeiden. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso sprach am Donnerstag von einer „sehr delikaten Lage“ Ungarns und forderte das Land auf, die Konsolidierung des Haushalts voranzutreiben. Bereits 2008 hatte Ungarn ein 20 Milliarden Euro schweres Rettungspaket unter der Federführung des Internationalen Währungsfonds (IWF) erhalten. Am Mittwoch dieser Woche erklärte die Zentralbank, das Land werde möglicherweise sein angestrebtes Haushaltsdefizit von 3,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im laufenden Jahr nicht erreichen und stattdessen auf die Marke von 4,5 Prozent zusteuern. Angesichts der schlechten Nachrichten aus Budapest fiel der Forint am Donnerstag so stark zurück wie keine der anderen rund 170 von Bloomberg beobachteten Währungen. Am späten Donnerstagabend waren für einen Euro rund 282,01 Forint zu bezahlen, ein Minus von 2,4 Prozent für die ungarische Währung. Seit dem 14-Monats-Intraday-Hoch am 18. März hat der Forint damit bereits mehr als sieben Prozent an Wert eingebüßt. „Was jetzt notwendig ist, ist ein schnelles Handeln der Regierung zusammen mit der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds - um die Situation zu beruhigen und das Vertrauen der Märkte zu gewinnen“, sagte Simon Quijano- Evans, Experte für Schwellenländer bei Credit Agricole Cheuvreux in Wien, in einer Email. (Bloomberg)
Naoto Kan Japans neuer Regierungschef
Der bisherige japanische Finanzminister Naoto Kan ist am Freitag zum neuen Ministerpräsidenten des Landes gewählt worden. Der 63-jährige Reformer tritt die Nachfolge des am Mittwoch zurückgetretenen Yukio Hatoyama an. Die regierende Demokratische Partei (DPJ) wählte Kan zunächst zum Parteichef und dann mit ihrer Mehrheit im Unterhaus auch zum neuen Premier. Große Kurswechsel in der Außen- und Wirtschaftspolitik erwarten Beobachter jedoch nicht. (dpa)
Südkoreas Wirtschaft legt 8,1 Prozent zu
Koreas Wirtschaft ist im ersten Quartal 2010 noch stärker gewachsen als bisher angenommen. Wie die Bank of Korea am Freitag in zweiter Veröffentlichung mitteilte, stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal saisonbereinigt um 2,1 Prozent. Im ersten Ausweis war ein Plus von 1,8 Prozent genannt worden. Das Niveau des ersten Quartals 2009 wurde um 8,1 Prozent (vorläufig: 7,8 Prozent) überschritten. Die Aufwärtsrevision beruhte vor allem auf einer unerwartet starken Entwicklung des verarbeitenden Sektors und des privaten Konsums. (Dow Jones Newswires)
Luft- und Raumfahrtindustrie muss mit weniger Aufträgen rechnen
Die Luft- und Raumfahrtindustrie wird sich infolge der hohen Haushaltsdefizite der Staaten auf eine zurückhaltendere Vergabe von öffentlichen Aufträgen einrichten müssen. „Ich bin überzeugt, dass es in Europa zu Budgetkürzungen kommen wird“, sagte Evert Dudok, Vorsitzender der Geschäftsführung der EADS Astrium GmbH. (FAZ, S. 19)
Nordkoreanischer UN-Gesandter- Krieg könnte jederzeit ausbrechen
Im Konflikt über den Untergang eines südkoreanischen Kriegsschiffes hat ein hochrangiger Vertreter Nordkoreas vor Krieg gewarnt. „Die gegenwärtige Lage auf der koreanischen Halbinsel ist so schwerwiegend, dass ein Krieg jederzeit ausbrechen könnte“, sagte Ri Jang Gon, stellvertretender Botschafter des Landes bei den Vereinten Nationen in Genf, am Donnerstag auf einer UN-Abrüstungskonferenz. Die nordkoreanische Armee stehe unter höchster Alarmbereitschaft und sei bereit, „auf jeden Vergeltungsschlag rasch zu reagieren.“ Abweichend von seinem vorbereiteten Redetext sagte Ri, nur der Abschluss eines Friedensvertrages würde zu einer „erfolgreichen Denuklearisierung“ der koreanischen Halbinsel. Die Spannungen zwischen beiden Ländern hatten sich zuletzt stark verschärft. Südkorea wirft dem Norden vor, eines seiner Kriegsschiffe im März versenkt zu haben. Dabei waren 46 Seeleute ums Leben gekommen. Ri bekräftigte die Haltung der Führung in Pjöngjang, dass Nordkorea nichts mit den Zwischenfall unweit der umstrittenen Seegrenze der beiden Staaten zu tun habe. Der Diplomat warf Südkorea vor, den Untergang inszeniert zu haben, um eine Kampagne gegen den Norden zu fahren. Der Vertreter der Regierung in Seoul, Im Han Taek, widersprach dem heftig. Beide Staaten befinden sich formal seit dem Korea-Krieg von 1950 bis 1953 immer noch im Kriegszustand, weil zwar ein Waffenstillstand, aber kein Friedensvertrag geschlossen wurde. Ein Friedensvertrag könnte dem kommunistischen Norden den Weg zu internationalen Finanzhilfen für die gebeutelte Wirtschaft ebnen. (Reuters)
Führende amerikanische Notenbanker denken über Zinserhöhung nach
Angesichts der zunehmenden Konjunkturerholung könnte in den Vereinigten Staaten nach Einschätzung führender Notenbanker schon bald eine Zinserhöhung anstehen. Der Präsident der Federal Reserve von Kansas City, Thomas Hoenig, sagte am Donnerstag, die amerikanische Notenbank sollte die faktische Nullzinspolitik bis Ende des Sommers beenden und den Leitzins auf ein Prozent anheben. Die Wirtschaft dürfte in der Lage sein, mit dieser moderaten Erhöhung umzugehen. Der Chef der Fed von Atlanta, Dennis Lockhart, warnte vor Inflationsgefahren. Die Notenbank sollte schon bald damit beginnen, über ein Anziehen der Geldpolitik nachzudenken. Der Fed-Chef von Dallas, Richard Fisher, sagte, zwar erfordere die Wirtschaftslage derzeit keine Zinserhöhung. „Wir müssen aber bereit sein, und wir müssen bereit sein, ziemlich rasch zu handeln“, fügte er hinzu. (Reuters)
Arbeitgeber warnen vor Sonderlösung für Opel
Kurz vor der erwarteten Entscheidung über Staatshilfen für Opel hat Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt die Bundesregierung vor einer Sonderlösung gewarnt. Für Opel müssten bei der Entscheidung über die beantragte Kreditbürgschaft von mehr als einer Milliarde Euro die gleichen Kriterien angewendet werden, die auch für mittelständische Unternehmen gelten, sagte Hundt der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Freitagausgabe). Aus dem Deutschlandfonds dürften nur Unternehmen unterstützt werden, wenn damit krisenbedingte Probleme gelöst würden. „Ich habe Zweifel, dass dies bei Opel der Fall ist“, sagte Hundt. Zudem spreche die positive Entwicklung beim Opel-Mutterkonzern General Motors dafür, dass das Unternehmen aus eigener Kraft seine Zukunft sichern könne. Der amerikanische Konzern hat einem Bericht der „Bild“-Zeitung zufolge genug Geld, um die angeschlagene Tochter Opel aus eigener Kraft zu sanieren. GM verfüge derzeit über „freie Liquidität von 16 bis 17 Milliarden Dollar“, zitiert die Zeitung aus einem für den Bürgschaftsausschuss erstellten vertraulichen Gutachten der Prüfungsgesellschaft PwC von Mai 2010. Das entspricht rund 13 bis 14 Milliarden Euro. GM wolle das Geld aber offenbar nicht für die Opel-Sanierung einsetzen. In dem Gutachten heiße es, die Mittel seien „für die Finanzierung eines möglichen negativen Cash-flows im operativen Geschäft sowie erforderlicher Investitionen heranzuziehen“. GM hat für die Opel-Sanierung in Deutschland eine Staatsbürgschaft von 1,1 Milliarden Euro beantragt. Der Lenkungsausschuss des Deutschlandsfonds will sich noch im Tagesverlauf mit dem Bürgschaftsantrag befassen. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hatte angekündigt, das Thema werde Ende dieser Woche, spätestens Anfang nächster Woche geklärt sein. (Reuters)
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.264,38 | −0,26% |
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| MDAX | 10.147,80 | −0,59% |
| SDAX | 4.823,45 | +0,10% |
| REX | 437,51 | +0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.118,94 | +0,13% |
| F.A.Z. EURO | 68,54 | −0,23% |
| Dow Jones | 12.424,00 | +0,03% |
| Nasdaq 100 | 2.525,61 | −0,46% |
| S&P500 | 1.313,32 | −1,43% |
| Nikkei225 | 8.542,73 | −1,05% |
| EUR/USD | 1,2373 | +0,03% |
| Rohöl Brent Crude | 102,04 $ | −1,17% |
| Gold | 1.540,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 145,81 € | +0,23% |