01.04.2009 · Es kursieren Pläne zur Aufspaltung von GM und Chrysler. Märklin könnte an die Böse kommen. Merck sieht noch keine Erholung im Chemiegeschäft und Vivacon erwartet einen Verlust von bis zu 170 Millionen Euro. Der Einzelhandelsumsatz ist im Februar überraschend gesunken.
Unternehmen
Pläne zur Aufspaltung von GM und Chrysler
Den amerikanischen Autobauern General Motors (GM) und Chrysler droht Kreisen zufolge die Aufspaltung. Sollte GM Gläubigern und Gewerkschaften keine drastischen Einschnitte abringen können, gebe es Pläne den Konzern unter Gläubigerschutz in zwei Teile aufzuspalten, sagte eine mit der Situation vertraute Person am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Ziel sei, aus den gesunden GM-Teilen ein neues, profitables Unternehmen zu formen.
Parallel sollten wenig zukunftsfähige Marken wie Saturn und Hummer gebündelt werden. Sie würden dann längere Zeit unter Gläubigerschutz arbeiten, würden verkauft oder abgewickelt, erklärte die Person weiter. Der neue GM-Chef Fritz Henderson sagte am Dienstag, eine Insolvenz sei in den letzten Tagen wahrscheinlicher geworden. Der Konzern wolle jedoch alles tun, um sich ohne die Beantragung von Gläubigerschutz zu sanieren.
Regierungskreisen zufolge wird eine Aufspaltung auch beim zweiten schwer angeschlagenen Hersteller Chrysler in Erwägung gezogen. Es sei eine Option, Chrysler in zwei Teile aufzuspalten und den weniger attraktiven Bereich unter Gläubigerschutz zu stellen, hieß es am Dienstag. Chrysler verhandelt derzeit mit Fiat-Chef Sergio Marchionne über die schwierigen Details einer möglichen Zusammenarbeit beider Hersteller. Sollte die von der Regierung vorangetriebene Kooperation nicht innerhalb von 30 Tagen zustande kommen, droht Chrysler die Insolvenz. (Reuters)
Merck sieht noch keine Erholung im Chemiegeschäft
Der Mischkonzern Merck KGaA sieht noch keine Anzeichen für eine Erholung seines Chemiegeschäfts. „Jetzt müssen wir die Entwicklung der nächsten Tage und Wochen abwarten, bevor wir Entscheidungen über die Produktionssteuerung bis hin zur Kurzarbeit treffen“, sagte Karl-Ludwig Kley, der Vorsitzende der Geschäftsleitung, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.
Kley hatte vor einigen Wochen Kurzarbeit von September an angekündigt, falls sich die dramatisch eingebrochene Auftragslage in diesen Unternehmensteilen nicht bessert. Einen leichten Hoffnungsschimmer sieht er in jüngsten Meldungen von Herstellern der
Unterhaltungselektronik, die ihre Produktion wieder erhöht haben. Eine nachhaltige Belebung könne Merck da aber noch nicht erkennen. Und die Nachrichten aus der Autoindustrie seien nicht ermutigend, sagte Kley.
Kley warnte davor, neue Bestellungen als Wiederaufschwung misszuverstehen, falls sie nur der Auffüllung der leeren Lager der Kunden dienten - dies sei noch keine kontinuierliche Verbesserung der Auftragslage.
Die von manchen Beobachtern geübte Kritik, Merck müsse das Chemiegeschäft ähnlich wie die Pharmasparte neu ordnen, um künftig gegen Krisen besser gerüstet zu sein, weist Kley zurück. Die aus der Flüssigkristallproduktion und einer Reihe von
Spezialchemikalien bestehende Sparte folge klaren Grundsätzen: So würden die Produkte überwiegend in Zusammenarbeit mit den Kunden entwickelt. Weiterhin sei Merck kein Massenhersteller, der Kostenvorteile durch die Ausweitung der Produktion und durch Verbundfertigungen erreiche; vielmehr sei Merck ein Spezialist, der auch kleinste Mengen rentabel liefern könne. (Dow Jones)
Märklin auf dem Weg zur Publikumsgesellschaft
Der Insolvenzverwalter des Göppinger Modellbahnherstellers Märklin erwägt die Umwandlung des Unternehmens in eine Publikumsgesellschaft. Das sei eine einmalige Marketingchance und so könnte das Potenzial der bis zu 70.000 Fans genutzt werden, sagte Insolvenzverwalter Michael Pluta in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Er habe viele Zuschriften von Privatleuten erhalten, die bereit seien, 100 oder 500 Euro in Märklin zu investieren.
Allerdings benötige die Publikumsgesellschaft auch einen industriellen Leiter. „Wir brauchen für die Zeit nach uns jemanden, der das managt“, erläuterte der Ulmer Rechtsanwalt. Deshalb schließe er auch eine Kombination von einer Publikumsgesellschaft mit einem Investor nicht aus. „Die Firma muss auf jeden Fall schwarze Zahlen schreiben. Sonst hat Märklin bald 70.000 Feinde.“ Und noch dazu keine Kunden mehr. Bisher hätten sich fünf geeignete Investoren gemeldet. Bis August könnte der Verkauf unter Dach und Fach sein. (dpa-AFX)
3M streicht im ersten Quartal weitere 1200 Stellen
Der Mischkonzern 3M Co (MMM) hat im ersten Quartal 2009 weitere Stellen gestrichen. Aufgrund der Wirtschaftskrise baute das in St. Paul im amerikanischen Bundesstaat Minnesota ansässige Unternehmen nach Angaben von Dienstagabend 1200 Arbeitsplätze ab. Dies entspricht rund 1,5 Prozent der insgesamt 79.000 Beschäftigten.
Eine 3M-Sprecherin sagte, vor dem Hintergrund des schwierigen Marktumfelds würden alle Geschäftsbereiche ständig analysiert. Wenn nötig würden Anpassungen umgesetzt. Bereits im Schlussquartal 2008 hatte der Mischkonzern 2400 Stellen gestrichen. (Dow Jones)
Procter & Gamble verkauft Johnson Products an Finanzinvestoren
Der amerikanischen Konsumgüterkonzern Procter & Gamble hat seine Haarpflegesparte Johnson Products verkauft. Die von Finanzinvestoren eigens für die Transaktion gegründete RCJP Acquisition Inc übernehme den Hersteller von afroamerikanischen Haarpflegeprodukten, wie Procter & Gamble am Dienstag in Los Angeles mitteilte. Finanzielle Details der Übernahme wurden nicht veröffentlicht. Johnson Products habe zuletzt Umsätze von mehr als 23 Millionen amerikanischen Dollar (17,4 Millionen Euro) erwirtschaftet. (dpa-AFX)
Zentrale Abwicklung von Kreditausfallversicherungen nimmt Formen an
Die Pläne für EU-weite zentrale Gegenparteien zur Abwicklung und Verrechnung von Kreditausfallversicherungen nehmen konkrete Form an. Technisch gesehen könne der neue Service der Deutschen Börse für die bisher zwischen Banken gehandelten so genannten Credit Default Swaps (CDS) starten, sagte Eurex-Manager Marcus Zickwolff am Dienstag während des World Exchange Congress in Monaco.
Zwischengeschaltete Instanzen zwischen Käufern und Verkäufern wie Zentrale Gegenparteien (Central Counterparties, CCP) dienen bei der Abwicklung und Verrechnung als schützendes Netz, da Sicherheiten vorab hinterlegt werden müssen und Risiken von neutralen Instanzen beurteilt werden. Mit Hilfe von CCPs ließe sich laut Zickwolff das Vertrauen in das Finanzsystem wieder stärken.
Problematisch bei den Abstimmungen der europäischen Finanzindustrie untereinander war dem Vernehmen nach vor allem die Position Londons, da die Geschäfte über CCPs in der Euro-Währung abgewickelt werden sollen.
Nach wie vor aber ist die Interoperabilität der verschiedenen Clearinghäuser untereinander in Europa ein großes Problem, wie Simon Grensted, Managing Director des Londoner Clearinghauses LCH.Clearnet, sagte. „Je komplizierter die Produkte, desto größer die Probleme“, sagte er. Neben der Deutschen Börsen will auch LCH.Clearnet mit einem Service für Kreditderivate an den Start gehen. (dpa-AFX)
Vivacon erwartet Konzernverlust von bis zu 170 Millionen Euro
Die Immobiliengesellschaft Vivacon rechnet für das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem Verlust von bis zu 170 Millionen Euro. Der Fehlbetrag dürfte sich 2008 in einer Bandbreite von 160 Millionen bis 170 Millionen Euro bewegen, teilte die Kölner Firma am Dienstag nach Börsenschluss mit. Ursächlich hierfür seien im Wesentlichen Abwertungen auf die Wohnimmobilienportfolios und die Marktbewertung von Zinssicherungsinstrumenten.
Zudem habe Vivacon Portfoliotransaktionen aufgrund zurückgezogener Finanzierungen auf Seite der Transaktionspartner und Erbbaugrundstücksakquisitionen wegen nicht eingetretener grundbuchrechtlicher Voraussetzungen rückabgewickelt. Diese Sondereffekte sowie weitere Einmaleffekte belasteten das Konzernergebnis mit etwa 140 Millionen Euro. Daher werde auf die Zahlung einer Dividende für 2008 verzichtet.
Im Development Bereich verkaufte Vivacon den Angaben zufolge im vergangenen Jahr 465 Eigentumswohnungen und erzielte damit ein Beurkundungsvolumen von 106 Millionen Euro. Dies entspricht einer Steigerung von 22,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die im Kleinwerteindex SDax gelistete Vivacon kündigte an, dass sich die Veröffentlichung der endgültigen Geschäftszahlen verschieben wird. Damit warten auf den neuen Vorstandschef Eckhard Rodemer große Aufgaben.
Vivacon kassierte seine Gewinnprognose von 60 Millionen Euro und wagte keine neue mehr. Wegen der düsteren Geschäftsaussichten auf dem Wohnungsmarkt hatte sich Vivacon ein drastisches Sparprogramm verordnet. Stellenstreichungen sind geplant, Niederlassungen sollen geschlossen werden. (Reuters)
Wirtschaft
Katastrophale Stimmung in Japans Industrie
Die Stimmung in der japanischen Großindustrie hat sich katastrophal verschlechtert. Wie die Bank von Japan am Mittwoch mitteilte, stürzte der Stimmungsindex in der weltweit beachteten Tankan-Umfrage im Quartal Januar bis März von minus 24 Punkte auf minus 58 und damit so drastisch wie noch nie seit Beginn solcher Umfragen 1974. Ein negativer Index bedeutet, dass die Pessimisten in der Mehrheit sind.
Angesichts der stark geschrumpften Exporte wollen die großen Unternehmen des Landes sowohl der fertigenden Industrie als auch der nicht-produzierenden Branchen in dem am Mittwoch begonnenen neuen Geschäftsjahr 6,6 Prozent weniger investieren als im abgelaufenen Jahr. Für die zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt ist es die schwerste Krise der Nachkriegszeit. Der Stimmungsindex für die Großindustrie sackte auf minus 31 nach minus 9 im Vorquartal.
Japan will nun einem Zeitungsbericht zufolge beim Weltfinanzgipfel 22 Milliarden Dollar zur Handelsfinanzierung der Schwellenländer anbieten, berichtet die Zeitung „The Nikkei“ (Mittwochausgabe) (dpa-AFX, Dow Jones)
Einzelhandelsumsatz sinkt im Februar überraschend
In Deutschland ist der Einzelhandelsumsatz im Februar im Vergleich zum Vormonat überraschend gefallen. Die Umsätze seien im Vergleich zum Januar saison- und kalenderbereinigt real um 0,2 Prozent gesunken, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mit. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem Anstieg um 0,2 Prozent gerechnet. Im Januar waren die Einzelhandelsumsätze real noch um 0,9 Prozent zum Vormonat gefallen. Nominal stiegen die Umsätze im Februar zum Vormonat um 0,2 Prozent.
Im Jahresvergleich gingen die Umsätze im Februar real um 5,3 Prozent zurück. Der Februar 2009 hatte allerdings einen Verkaufstag weniger als der Februar 2008. Im Januar waren die Einzelhandelsumsätze real um 1,4 Prozent zum Vorjahr gefallen. (dpa-AFX)
Steinbrück erteilt „Bad Bank“ Absage
Die deutschen Banken müssen nach den Worten von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück das Problem der sogenannten „Schrottanleihen“ in ihren Bilanzen selbst bewältigen. „Für die toxischen Wertpapiere müssen die Banken selbst eine Lösung finden“, sagte Steinbrück in einem Interview des „Handelsblatts“ vom Mittwoch. „Das kann der Staat nicht leisten.“ Überlegungen für das Modell einer deutschen „Bad Bank“ unter Staatsregie für derzeit nicht handelbare Wertpapiere, die immer neue Löcher in die Banken-Bilanzen reißen, erteilte der Minister damit erneut eine Absage.
Er könne sich aber vorstellen, dass der Bund den Banken bei der Absicherung der Papiere hilft. „Dafür sollten die Gesetze zum Bankenrettungsfonds geändert werden“, empfahl er. „Die Bad-Bank-Modelle der Vereinigten Staaten und Großbritanniens überzeugen mich noch nicht“, sagte er.
„Diejenigen, die mich vor allem aus der Union kritisieren, dass ich endlich ein deutsches Modell für Bad Banks vorlegen muss, haben immer noch nicht verstanden, dass es leicht zu weiteren Haushaltsbelastungen von 200 Milliarden Euro kommen kann, wenn eine weitgehende Bilanzbereinigung kommen soll“, sagte er in dem Interview. (Reuters)
Weniger Mittel im amerikanischen Finanzpaket als bisher angenommen
In dem Rettungspaket der amerikanischen Regierung für die Finanzbranche (Tarp) sind weniger Mittel übrig als bisher angenommen. Dem amerikanischen Finanzministerium blieben nur noch 109,6 Milliarden Dollar aus dem ursprünglich 700 Milliarden Dollar schweren Programm, teilte das Rechenschafts-Büro der Regierung (GAO) am Dienstag mit. Vergangene Woche war Finanzminister Timothy Geithner noch von Mitteln in Höhe von 134,5 Milliarden Dollar ausgegangen.
Mit dem Geld sollen unter anderem Banken nach der Durchführung der „Stress Tests“ unterstützt werden. Auch die kriselnden Autobauer General Motors und Chrysler gelten als mögliche Abnehmer. Insgesamt überwacht die GAO nach eigenen Angaben Staatshilfen in Höhe von 2,98 Billionen Dollar, die über elf verschiedene Programme verteilt sind.
Das Finanzministerium müsse den Einsatz der Gelder in Zukunft besser vermitteln, forderte GAO. In der amerikanischen Bevölkerung gibt es große Vorbehalten gegenüber weiteren Staatshilfen für Unternehmen, seit der staatlich gerettete Versicherer AIG Millionen-Boni an viele seiner Manager ausgezahlt hatte. (Reuters)
Kleinere Banken geben Finanzhilfen zurück
Knapp ein halbes Jahr nach dem Start des amerikanischen Hilfsprogramms für die Finanzbranche haben vier kleinere Banken als erste Institute mit der Rückzahlung der Kapitalspritzen begonnen. Auch mehrere große Häuser wie die Bank of America, JPMorgan und Goldman Sachs dringen auf eine möglichst rasche Rückgabe der Gelder.
Die Banken wollen den Staatseinfluss reduzieren und sich die künftig steigenden Zinsen für das Kapital sparen. Anzeichen einer breiteren Erholung der Branche sehen Experten in dem Schritt noch nicht. Die vier Regionalbanken, die am Dienstag mit der Erstattung begannen, zahlten eigenen Angaben nach zusammen insgesamt 338 Millionen Dollar (254 Millionen Euro) zurück. (dpa-AFX)
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |