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Medienschau Japan weiter im Griff der Deflation

27.08.2010 ·  Infineon steht angeblich kurz vor dem Verkauf der Handychipsparte an Intel, die Commerzbank vor einer Kapitalerhöhung. HP übertrumpft Dell abermals im Bieterkampf um 3PAR. United Internet liegt im Plan.

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Unternehmensnachrichten

Infineon kurz vor Verkauf der Handychipsparte an Intel

Der Halbleiterspezialist Infineon steht offenbar kurz vor dem Verkauf seiner Handysparte an den Chiphersteller Intel berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag unter Berufung auf Verhandlungskreise. Eine Übereinkunft könne noch in dieser Woche zustande kommen. Der deutsche Chiphersteller verlange 1,5 Milliarden Euro für seine Sparte Wireless Solutions, die unter anderem die Prozessoren für Apples „iPhone“ produziert. Ein Infineon-Sprecher wollte die Spekulationen am Donnerstagabend nicht kommentieren. Dem Vernehmen nach sind die Gespräche aber in einem konkreten Stadium. Die mittlerweile profitable Handysparte machte 2009 immerhin ein Drittel des Jahresumsatzes von Infineon aus (gesamt: 3,03 Milliarden Euro). (dpa-AFX)

Commerzbank will rasch Kapitalerhöhung

Die teilverstaatlichte Commerzbank könnte einem Bericht zufolge bald neue Aktien ausgeben. Der Vorstandschef Martin Blessing setze alles daran, möglichst im Herbst eine erste Kapitalerhöhung durchzuführen, schrieb das „Handelsblatt“ (Freitag) unter Berufung auf Insider.

Blessing plane dabei ein Volumen von fünf Milliarden Euro. Es könne aber auch mehr sein, wenn der Markt es hergebe, hieß es. Voraussetzung dafür sei, dass die Stimmung an der Börse gut ist und der Aktienmarkt insgesamt Stabilität zeigt. Gemessen am aktuellen Kurs ist die Bank an der Börse derzeit knapp 7,6 Milliarden Euro wert.

Ein Commerzbank-Sprecher verwies am Freitagmorgen auf Aussagen des Finanzvorstands Eric Strutz bei der Vorlage der Halbjahreszahlen Anfang August. Demnach gibt es keine konkreten Pläne für Kapitalmaßnahmen. Zudem hatte das Institut in Sachen Rückzahlung der Staatshilfen immer mitgeteilt, dass spätestens 2012 mit der Rückzahlung der Staatshilfen begonnen werden solle. Die Commerzbank war wegen der Übernahme der Dresdner Bank und der Finanzkrise fast zusammengebrochen und musste vom Staat mit einer Kapitalspritze von insgesamt 18,2 Milliarden Euro gerettet werden. Der Staat hält seitdem etwas mehr als 25 Prozent der knapp 1,2 Milliarden Commerzbank-Aktien. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte zuletzt einen baldigen Ausstieg des Bundes angekündigt. (Reuters)

Hewlett-Packard übertrumpft Dell erneut im Bieterkampf um 3PAR

Der Bieterkampf um den amerikanischen Datenspeicherspezialisten 3PAR nimmt Fahrt auf. Der Computerkonzern Hewlett-Packard (HP) hat seine Offerte am Donnerstag deutlich auf 27 Dollar je Aktie von 24 Dollar erhöht, und übertrumpft damit das ebenfalls am Donnerstag unterbreitete, verbesserte Übernahmeangebot des Wettbewerbers Dell von 24,30 Dollar je Anteilsschein.

Mitte August hatte 3PAR bereits der Übernahme durch Dell für 18 Dollar je Aktie oder 1,15 Milliarden Dollar zugestimmt. Doch legte Hewlett-Packard ein besseres Gebot vor, woraufhin der Datenspeicherspezialist sich zu Verhandlungen mit Hewlett-Packard bereit erklärte. Die ursprüngliche Vereinbarung zwischen 3PAR und Dell räumt dem Computerkonzern aus Round Rock das Recht ein, jedes Gegengebot innerhalb von 3 Tagen zu erwidern. Sollte 3PAR von der Vereinbarung zurücktreten, muss das Unternehmen an Dell 72 Millionen Dollar Strafe zahlen. Noch ist allerdings unklar, ob Dell die verbesserte Offerte von Hewlett-Packard erneut überbietet. (Dow Jones)

United Internet steigert Umsatz - Betriebsgewinn sinkt

Der Telekommunikationskonzern United Internet hat seinen Umsatz im ersten Halbjahr gesteigert. Die Erlöse kletterten verglichen mit dem Vorjahreszeitrum um 14,1 Prozent auf 930,8 Millionen Euro, teilte das hauptsächlich für seine Marke „1&1“ bekannte Unternehmen aus Montabauer am Donnerstag mit. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank dagegen um 3,7 Prozent auf 142,2 Millionen Euro. Grund waren Abschreibungen im Zusammenhang mit der Übernahme von Freenet-Kundenverträgen. Das Ergebnis je Aktie ging auf 34 Cent von 36 Cent zurück.

Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte 4,8 Prozent auf 182 Millionen Euro zu. Für das Gesamtjahr peilt das im TecDax notierte Unternehmen wie bisher eine Umsatzsteigerung um 15 Prozent und ein Ebitda auf dem um Erträge aus Aktienverkäufen bereinigten Vorjahresniveau von 356 Millionen Euro an. (Reuters)

RIM mit neuem Versöhnungsangebot im Blackberry-Streit in Indien

Der Blackberry-Hersteller Research in Motion hat einen neuen Versuch unternommen, die indische Regierung von einem Verbot seiner Dienste abzubringen. RIM werde sich für ein Industrieforum stark machen, das sich mit dem legalen Zugang zu seinen verschlüsselten Email- und Nachrichtendienst befassen solle, teilte der wegen Sicherheitsbedenken in mehreren Ländern unter Druck geratene Konzern am Donnerstag mit. RIM habe der Regierung versichert, dass es die Sicherheitsbedürfnisse respektiere und unterstütze. Indien will Regierungskreisen zufolge am Montag über eine Blockade entscheiden. (Reuters)

Novell mit schwächerem Geschäft

Die Spekulationen über den Verkauf des Konzerns haben die Geschäfte des Softwareherstellers Novell belastet. Unsicherheit unter den Kunden über die Zukunft des zweitgrößten Linux-Unternehmens bescherten Novell im dritten Geschäftsquartal schwächere Umsätze und Gewinne. Unterm Strich blieben dem Konzern in den drei Monaten bis Ende Juli 15,7 Millionen Dollar und damit eine Million Dollar weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, wie der Konzern am Donnerstag nach amerikanischem Börsenschluss mitteilte.

Der Umsatz ging um acht Prozent auf 199 Millionen Dollar zurück. An den Märkten war bei beiden Kennzahlen mehr erwartet worden, besonders beim Gewinn. Novell hat im Frühjahr erklärt, es wolle strategische Alternativen für seine Zukunft überprüfen, einschließlich eines Verkaufs. Als Interessenten werden unter anderem die amerikanischen Konzerne HP und IBM, aber auch der deutsche Software-Hersteller SAP genannt. Ein Angebot über zwei Milliarden Dollar von Elliott Industries schlug Novell im März aus. Novell ist nach Red Hat die Nummer Zwei auf dem Markt für das offene Betriebssystem Linux. (Reuters)

Auslieferung des Boeing-Dreamliner verzögert sich bis 2011

Der amerikanische Flugzeugbauer Boeing wird seinen Hoffnungsträger Dreamliner 787 nicht vor Mitte des ersten Quartals nächsten Jahres ausliefern. Die Korrektur des Zeitplans habe aber keine Auswirkungen auf die Finanzziele des Unternehmens, teilte Boeing am Freitag mit. Der amerikanische Konzern hatte bereits darauf hingewiesen, dass sich die Auslieferung bis ins Jahr 2011 verzögern könnte. Ursache der erneuten Verzögerung seien Probleme bei der Verfügbarkeit der Triebwerke für die letzten Testphasen im Herbst. Anfang August hatte Boeing noch angepeilt, den ersten Dreamliner im vierten Quartal an die japanische All Nippon Airways zu übergeben. Dem ursprünglichen Zeitplan hinkt der Konzern rund zwei Jahre hinterher. (Reuters)

Lagardere profitiert vom besseren Werbemarkt

Der französische Medienkonzern Lagardere profitiert vom Anziehen des Werbemarktes und erhöht sein Gewinnziel für das Gesamtjahr. Der Betriebsgewinn werde im Medien-Kerngeschäft statt der zuvor prognostizierten zehn Prozent nur noch fünf Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen, teilte der Bertelsmann-Konkurrent am Donnerstag in Paris mit. Der Verleger von „Elle“ und „Paris Match“, der auch die Vampirbuchreihe Twilight herausgibt, konnte den Betriebsgewinn im Mediengeschäft im ersten Halbjahr leicht um 0,6 Prozent auf 183 Millionen Euro steigern. Der Umsatz fiel dagegen um 2,7 Prozent auf 3,72 Milliarden Euro. (Reuters)

American Airlines soll Rekordstrafe wegen Schlampereien zahlen

Die amerikanische Luftsicherheitsbehörde FAA geht hart mit American Airlines ins Gericht. Sie wirft der zweitgrößten Fluggesellschaften des Landes vor, trotz mehrfacher Ermahnung vorgeschriebene Sicherheitsinspektionen versäumt zu haben. Deshalb soll American Airlines jetzt die Rekordstrafe von 24,2 Millionen Dollar zahlen (19,1 Millionen Euro).

Die Millionenbuße ist der vorläufige Höhepunkt einer zwei Jahre dauernden Auseinandersetzung. 2008 waren mehr als 300.000 Passagiere gestrandet, weil die Behörde die Mittelstrecken-Jets vom Typ McDonnell Douglas MD-80 am Boden festgehalten und überprüft hatte.

Die FAA wirft der Fluggesellschaft vor, Kabel in den Radkästen der Maschinen nicht überprüft zu haben. Dabei hätten Mitarbeiter der Behörde bei Kontrollen mehrfach auf den Fehler hingewiesen. Hätte es hier Defekte gegeben, so malte die FAA aus, hätte die Hydraulik zum Ausfahren der Räder versagen oder Feuer ausbrechen können. (dpa-AFX)

Wirtschaftsnachrichten

Deflation in Japan hält im Juli an

Japan ist weiter in einer hartnäckigen Deflation gefangen. Die Lebenshaltungskosten für die japanischen Verbraucher sanken im Juli den 17. Monat in Folge. Die Verbraucherpreise gingen in der Kernberechnung um 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zurück, wie das Statistikbüro der Regierung am Freitag berichtete. Dies entsprach den Prognosen von Volkswirten. Die Bank of Japan (BoJ) achtet für die Bestimmung ihrer Geldpolitik besonders auf die Kernrate. Der Gesamtindex der Verbraucherpreise in Japan sank im Juli auf Jahressicht um 0,9 Prozent.

Beobachter befürchten, dass die Deflation wegen des starken Yen länger anhalten wird, da die Aufwertung eine große Bürde für die exportorientierte Wirtschaft des Landes darstellt und somit die Konjunkturerholung abzuwürgen droht. Die BoJ könnte daher zu einer weiteren Lockerung ihrer bereits extrem expansiven Geldpolitik gezwungen sein. Der Leitzins notiert bei 0,10 Prozent.

Die Arbeitslosenquote sank im Juli unterdessen saisonbereinigt auf 5,2 Prozent, nachdem sie im Vormonat bei 5,3 Prozent gelegen hatte. Ökonomen hatten mit einer Quote von 5,3 Prozent gerechnet. „Die Lage am Arbeitsmarkt sieht derzeit nicht gut aus, da die Unternehmen wegen der starken Yen-Aufwertung bei Personaleinstellungen sehr zögerlich sind“, sagte Susumu Kato, Japan-Chefökonom bei Credit Agricole. Durch die schleppende Entwicklung am Arbeitsmarkt könnte die Deflation tiefer und länger werden.

Finanzminister Yoshihiko Noda hat am Freitag die Bereitschaft seiner Regierung zu Interventionen am Devisenmarkt bekräftigt, um exzessive Wechselkursbewegungen zu verhindern. „Die Dollar-Yen-Situation war in den letzten zwei Tagen relativ ruhig. Ich werde aber die Entwicklung genau beobachten und, falls nötig, angemessene Schritte auf dem Devisenmarkt ergreifen“, sagte der Finanzminister bei einer Pressekonferenz.

Unterdessen warnte der Wirtschaftsminister Satoshi Arai, dass sich die Risiken für die Wirtschaft wegen der Yen-Stärke erhöht hätten: „Die jüngste Stärke des Yen und die Schwäche der Auslandsmärkte haben das Abwärtsrisiko für die japanische Wirtschaft erhöht.“ Die Regierung habe begonnen, Maßnahmen für staatliche Initiativen zu entwickeln, um der Wirtschaft neue Impulse zu geben, sagte Arai. Diese Maßnahmen werde Ministerpräsident Naoto Kan sehr bald vorstellen, wahrscheinlich noch am Freitag

Eine Studie des Ministeriums für Handel und Industrie (METI) förderte indes das Ergebnis zutage, dass 40 Prozent der japanischen Industrieunternehmen ihre Produktion und ihre Entwicklungszentren verstärkt ins Ausland verlagern würden, sollte der Yen in dem gegenwärtigen Wechselkursbereich von 85 Yen je Dollar bleiben. (Dow Jones)

IWF sieht weiter moderat Erholung der amerikanischen Wirtschaft

Den trüben Konjunktursignalen zum Trotz erwartet der Internationale Währungsfonds keinen Rückfall der Vereinigten Staaten in eine zweite Rezession. „Der wahrscheinlichste Verlauf ist die Fortsetzung einer moderaten Erholung, dabei liegt die Betonung auf moderat“, sagte der stellvertretende IWF-Chef John Lipsky Reuters Insider am Rande des Jahrestreffens der amerikanischen Notenbank in Jackson Hole. Auch die jüngsten enttäuschenden Daten vom Immobilienmarkt und zum Absatz langlebiger Güter kehrten dieses Bild nicht um. „Wir erwarten sicherlich keinen plötzlichen Aufbau von Arbeitsplätzen“, sagte Lipsky. „Aber wenn die Erholung wie zu erwarten ist voranschreitet, dann wird sie ein Job-Wachstum auslösen.“ (Reuters)

Quellen: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Dow Jones.

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