23.11.2009 · Gute Nachrichten fast überall: Lyondell-Basell erhält ein Übernahmeangebot, Solon hat wohl Chancen auf eine Bürgschaft, Thailands und Mexikos Wirtschaft wachsen. Die Zukunft von Sky-Chef Williams ist ungewiss und Japan Airlines will um einen Notkredit bitten.
Unternehmen
Cadbury sorgt für wilde Spekulationen
Im Poker um den britischen Süßwarenhersteller Cadbury überschlagen sich die Ereignisse und Spekulationen. Der amerikanische Schokoladenkonzern Hershey wolle 17 Milliarden Dollar für Cadbury bieten und damit mehr als die konkurrierende Kraft Foods, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen am Wochenende der Zeitung „Wall Street Journal“. Zudem wolle Hershey ihre Offerte mit einem größeren Baranteil ausstatten als Kraft.
Der Hershey Trust stehe hinter dem Plan. In der Vergangenheit hatte dieser Übernahmepläne durchkreuzt, da er befürchtete, an Einfluss zu verlieren. Die Stiftung stoße beim Hershey-Management jedoch noch auf Widerstand, sagte eine Person, die mit den Überlegungen des Hershey Trust vertraut ist.
Vorstandschef West hat auch mit dem italienischen Süßwarenhersteller Ferrero über ein mögliches gemeinsames Gebot für Cadbury gesprochen. Doch bei den Verhandlungen seien keine Fortschritte erzielt worden
Am Sonntag meldete dann die die Nachrichtenagentur Bloomberg, auch der schweizerische Lebensmittelkonzern Nestle habe Interesse signalisiert. Der „Sunday Telegraph“ schrieb, Cadbury würde ein Zusammengehen mit Hershey einer Fusion mit Kraft vorziehen. (Dow Jones)
Microsoft und News Corp prüfen Internet-Bündnis
Der Softwarekonzern Microsoft und die Mediengruppe News Corp verhandeln Kreisen zufolge über ein Internet-Bündnis. Dabei gehe es unter anderem darum, dass News Corp dafür bezahlt werde, dass es seine Nachrichtenseiten im Internet von den Google-Seiten entferne, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag. Die von News Corp initiierten Gespräche befänden sich noch in einem frühen Stadium.
Der „Financial Times“ zufolge hat Microsoft auch mit anderen Internet-Verlegern über ein Entfernen ihrer Seiten von Google verhandelt. Der Softwarekonzern hat mit seiner neuen Suchmaschine Bing in diesem Jahr zur Aufholjagd auf den Marktführer
Google angesetzt. (Reuters)
Lyondell-Basell erhält Übernahmeangebot von indischem Reliance-Konzern
Der indische Energiekonzerns Reliance will den insolventen amerikanisch-niederländischen Chemieriesen Lyondell-Basell retten. Die Inder hätten ein unverbindliches Bar-Angebot zur Übernahme der Mehrheit abgegeben, teilte Lyondell-Basell am Samstag in Houston mit. Damit habe das Unternehmen nun eine Alternative zu den ursprünglichen Sanierungsplänen, um das Insolvenzverfahren (Chapter 11) wieder zu verlassen. Details der Offerte wurden nicht bekanntgegeben.
Reliance hatte zuletzt angekündigt, sich weltweit nach Wachstumsmöglichkeiten umzuschauen. Die indischen Zeitung „Economic Times“ hatte zuvor berichtet, das Unternehmen bereite eine sechs Milliarden Dollar schwere Übernahme im Ausland vor.
Lyondell-Basell hatte Anfang Januar Gläubigerschutz beantragt. Das Unternehmen litt unter einem enormen Schuldenberg von rund 25 Milliarden Dollar.
Entstanden waren die Verbindlichkeiten Experten zufolge durch die größtenteils kreditfinanzierte Fusion der niederländischen Basell-Gruppe und des amerikanischen Wettbewerbers Lyondell mit Sitz in Houston (Texas). Zusätzlich zum Schuldenberg machte dem Unternehmen die wirtschaftliche Talfahrt besonders auch in der Autobranche zu schaffen. Das Unternehmen zählt zu den weltgrößten Petrochemie-Konzernen und stellt unter anderem Kunststoffe her. (dpa-AFX)
Solon mit Chancen auf Bürgschaft
Der mit Verlusten kämpfende Solarmodulhersteller Solon hat nach Informationen der „Wirtschaftswoche“ Chancen auf staatliche Hilfe. Für eine beantragte Bürgschaft von 180 Millionen Euro aus dem Deutschlandfonds gebe es „starke Sympathie“, berichtete die Zeitschrift ohne Angabe von Quellen. Derzeit liefen Prüfungen beim Bundeswirtschaftsministerium und den Wirtschaftsministerien in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Das Berliner Unternehmen hat auch in Greifswald einen Standort. Solon war am Wochenende zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Das Bundeswirtschaftsministerium äußerte sich auf Anfrage nicht.
Solon leidet wie andere deutsche Hersteller von Solarmodulen unter einem Preiskampf und wachsender Konkurrenz vor allem aus Asien. Im dritten Quartal wies das Unternehmen bei 99 Millionen Euro Umsatz vor Zinsen und Steuern (Ebit) ein Minus von 34,5 Millionen Euro aus. Im kommenden Jahr hofft der Vorstand auf eine Trendwende. Es werde „ein starkes Anziehen der weltweiten Nachfrage nach Solartechnik bei einem langsameren Preisrückgang als im laufenden Jahr erwartet“, hatte das Unternehmen bei der Vorlage der Neun-Monats-Zahlen am vergangenen Donnerstag mitgeteilt. (dpa-AFX)
Drogeriemarkt-Manager Müller steigt bei Douglas ein
Der Ulmer Drogeriemarkt-Manager Erwin Müller steigt nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Focus“ beim Handelskonzern Douglas ein. Müller hält dem Bericht zufolge seit wenigen Tagen drei Prozent an der Douglas Holding. Weitere gut 14 Prozent soll in den vergangenen Monaten die Schweizer Privatbank Sarasin & Cie. im Auftrag Müllers erworben haben. Auch diese Aktien wolle der Unternehmer kaufen. Eine Bestätigung für den Bericht gab es am Wochenende zunächst nicht.
Müllers Ziel sei eine Gesamtbeteiligung von 18 Prozent an Douglas. „Douglas ist mein zweites Standbein“, sagte der Milliardär dem Magazin. Er sehe große Potenziale bei beiden Unternehmen. So könnten gemeinsamer Einkauf und Logistik Kosten sparen.
Die Drogeriemarktkette Müller will den Angaben zufolge im laufenden Geschäftsjahr ein Umsatzwachstum von sechs bis acht Prozent auf 2,8 Milliarden Euro erreichen. Jährlich wolle das Unternehmen 50 neue Filialen eröffnen. Von der Wirtschaftskrise spüre er nichts, erklärte Müller: „Wir haben keine Krise.“ Müller betreibt laut „Focus“ nach Schlecker, Rossmann und dm die viertgrößte Drogeriemarktkette in Deutschland. (dpa-AFX)
Zukunft von Sky-Chef Williams ungewiss
Die Zukunft von Vorstandschef Mark Williams beim mit Verlusten kämpfenden Münchner Abo-Sender Sky Deutschland steht einem Pressebericht zufolge zur Diskussion. Williams habe die Absicht geäußert, das Unternehmen womöglich noch in diesem Jahr zu verlassen, berichtet der „Spiegel“ unter Berufung auf Insider. Die Spitzenpersonalie sei in kleinstem Kreis besprochen worden, ein Ergebnis gebe es noch nicht. Auch der Aufsichtsrat wurde dem Bericht zufolge nicht einbezogen. Ein Sprecher erklärte laut „Spiegel“, Williams werde das Unternehmen nicht verlassen.
Der Australier war erst im Herbst 2008 vom Mutterkonzern News Corp entsandt worden, um den von der Pleite bedrohten Pay-TV-Sender zu restrukturieren. Er habe den Sanierungsjob vor allem seinem Chef James Murdoch zuliebe angetreten und sich in Deutschland nicht wirklich wohl gefühlt, schreibt der „Spiegel“. Seine Erfolge blieben bislang bescheiden. Zwar ist die Finanzierung fürs Erste gesichert, das eigentliche Geschäft verläuft aber enttäuschend. Die Zahl der Neu-Abonnenten im dritten Quartal, dem ersten seit Umbenennung von Premiere in Sky, blieb mit knapp 70.000 unter den Erwartungen, der operative Verlust stieg auf mehr als 80 Millionen Euro.
Im Unternehmen werde daher der Ruf nach einem Manager lauter, der mehr mit dem täglichen Abo-Geschäft vertraut ist, heißt es im „Spiegel“. Williams hatte noch vor einigen Monaten bekräftigt, er werde auf „absehbare Zeit“ bei Sky Deutschland bleiben, sein Vertrag war erst im September verlängert worden. Im Unternehmen heißt es dem Bericht zufolge unterdessen, der Vertrag laufe ohnehin nur ein Jahr. (dpa-AFX)
Japan Airlines will um Notkredit bitten
Die um ihre Existenz ringende japanische Fluggesellschaft Japan Airlines will einem Pressebericht zufolge nach dem Feiertag an diesem Montag um einen Notkredit bei der Regierung bitten. Das Unternehmen wolle eine Brückenfinanzierung über 100 Milliarden Yen (750 Millionen Euro) beantragen, berichtete die Wirtschaftszeitung „Nikkei“ am Samstag. Zudem wolle die Gesellschaft die Jahresendprämien bei ihren rund 100 Tochtergesellschaften streichen. Die Zeitung „Mainichi Shimbun“ berichtete, dass JAL auch die Pensionszahlungen um 40 Prozent kürzen wolle.
Derweil deutete der Chef der amerikanischen Fluggesellschaft Delta Air Lines, Richard Anderson, im „Wall Street Journal“ (Samstag) an, sein Hilfsangebot für den Konkurrent von einer Milliarde Dollar aufstocken zu wollen. Delta hatte zusammen seinen Partnern im Luftfahrtbündnis Skyteam den Japanern das Angebot unterbreitet, um die größte japanische Fluggesellschaft aus ihrer bisherigen One-World-Allianz, zu der neben British Airways vor allem American Airlines gehört, zu locken. American Airlines wiederum will JAL in seiner Allianz halten und hat ebenfalls bereits Hilfen angeboten. (dpa-AFX)
Wirtschaft
Fed sieht Arbeitslosenquote im Hoch bei 10,5 Prozent
Die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten dürfte nach Einschätzung des Präsidenten der Federal Reserve Bank von Chicago ihren Hochpunkt bei 10,5 Prozent erreichen. „Hoffentlich sehen wir bis zum Sommer, dass die Arbeitslosenquote ihren Hochpunkt erreicht hat und anfängt zurückzugehen“, zitiert die „Financial Times“ Charles Evans auf ihrer Webseite am Sonntag.
Im Oktober war die Arbeitslosenquote bereits auf 10,2 Prozent geklettert, was Evans als „etwas überraschend“ bezeichnete. Das war der höchste Wert seit April 1983. Der Präsident der Federal Reserve Bank von Chicago ist in diesem Jahr ein stimmberechtigtes Mitglied im Offenmarktausschuss (FOMC) der amerikanischen Notenbank. (Dow Jones)
Experten warnen vor Lieferengpässen im Aufschwung
Die in der Krise stark reduzierten Lagerbestände werden bei vielen Unternehmen zum Problem: Wenn die Nachfrage wieder anzieht, wächst die Gefahr von Lieferengpässen. „Wenn jetzt ein schneller Aufschwung käme, könnte das eine oder andere Unternehmen ein Problem bekommen“, sagte Christian Heiss, Partner der Beratungsfirma Oliver Wyman dem „Handelsblatt“ (Montagausgabe).
Erste Anzeichen für eine Geschäftsbelebung gebe es ausgerechnet in der Automobilindustrie, die einen dramatischen Einbruch hinter sich hat. So habe der Chiphersteller und Automobilzulieferer Infineon die Kurzarbeit aufgehoben, komme aber trotzdem kaum nach mit der Lieferung. „Manche Teile werden weltweit regelrecht gejagt“, sagte Infineon-Chef Peter Bauer dem Handelsblatt.
Nach Ansicht der Marktforscher von i-Suppli sind Lieferzeiten und Preise für nahezu alle elektronischen Bauteile im Automobilsektor im dritten Quartal gestiegen. Der Grund: Die Läger sind leer, aber die Zulieferer scheuen sich, in Maschinen und Personal zu investieren. „Kein Autobauer will mehr produzieren, als er verkauft - wir auch nicht“, sagt ein Sprecher des Autozulieferers ZF. Lieferschwierigkeiten sehe er aber trotz Anzeichen der Erholung noch nicht. (Dow Jones)
Thailands Wirtschaft wächst erneut auf Quartalssicht
Die thailändische Wirtschaft ist zwischen Juli und September des laufenden Jahres das zweite Mal in Folge auf Quartalssicht gewachsen und hat damit ihre Rezession nach technischer Definition überwunden. Wie die zuständige Behörde am Montag berichtete, stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) saisonbereinigt um 1,3 Prozent zum Vorquartal, nachdem im zweiten Jahresviertel bereits ein Zuwachs von 2,3 Prozent registriert worden war.
Im Jahresvergleich verlangsamte sich der BIP-Rückgang im dritten Quartal auf 2,8 Prozent, nachdem im Vorquartal ein Minus von 4,9 Prozent verzeichnet worden. Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen hatten auf Quartalssicht ein Plus von 2,3 Prozent und auf Jahressicht ein Minus von 3,2 Prozent erwartet.
Die nationale Entwicklungsbehörde rechnet damit, dass die thailändische Wirtschaft im Jahr 2010 ein Wachstum zwischen 3 Prozent und 4 Prozent erzielen wird, was vor allem an einer Erholung der Exporte - im Zuge einer wieder anziehenden Weltwirtschaft - liegen dürfte. Im laufenden Jahr dürfte die Wirtschaft nicht stärker als um 3 Prozent schrumpfen, erklärte die Behörde weiter. (Dow Jones)
WTO will Banken-Staatshilfen voraussichtlich überprüfen
Die Welthandelsorganisation (WTO) erwägt eine Überprüfung der milliardenschweren Staatshilfen, die im Zuge der Finanzkrise an Banken geflossen sind. Es sei wahrscheinlich, dass die WTO untersuchen werde, ob Regierungen Unterstützung in der Annahme gewehrt hätten, dass die betroffenen Banken künftig mehr Kredite an heimische Kunden vergeben sollten, sagte WTO-Chef Pascal Lamy dem britischen „Sunday Telegraph“. So drohten der britischen Regierung Handelssanktionen, falls befunden werden sollte, dass sie sich durch die Hilfen für Banken des Protektionismus schuldig gemacht habe. Dem Bericht nach könnte sich die Warnung auch an andere europäische Länder sowie die Vereinigten Staaten richten, die ähnliche Schritte zur Rettung der Geldhäuser unternahmen. Auch in Deutschland griff der Staat Finanzinstituten unter die Arme. (Reuters)
Mexikos Bruttoinlandsprodukt steigt im dritten Quartal stärker als erwartet
Die mexikanische Wirtschaft ist zwischen Juli und September diesen Jahres stärker auf Quartalssicht gewachsen als erwartet. Wie die Statistikbehörde des Landes am Freitag mitteilte, stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal saisonbereinigt um 2,93 Prozent zum Vorzeitraum. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten einen schwächeren BIP-Anstieg um 2,40 Prozent prognostiziert. In den drei vorhergehenden drei Quartalen war die Wirtschaftsleistung in Mexiko noch geschrumpft.
Grund für die gute Entwicklung im dritten Quartal war eine kräftige Erholung im Dienstleistungsgewerbe (plus 4,0 Prozent) und der Industrieproduktion (plus 2,14 Prozent). In der Landwirtschaft fiel der Output hingegen um 2,56 Prozent zum Vorquartal.
Auf Jahressicht verringerte sich Mexikos BIP im dritten Quartal um 6,2 Prozent, nachdem die Wirtschaft im Vorquartal mit der Rekordrate von 10,1 Prozent geschrumpft war. Hier hatten Ökonomen ein Minus von 6,8 Prozent erwartet. (Dow Jones)
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |