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Medienschau Dexia wird verstaatlicht

10.10.2011 ·  Die belgisch-französische Bank Dexia wird verstaatlicht, Metro-Chef Cordes kündigt seinen Rücktritt an und Adidas will in Russland wachsen.

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Am Wochenende haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy angekündigt, die europäischen Banken im Notfall mit ausreichend Kapital auszustatten, um eine weitere Eskalation der Schuldenkrise aushalten zu können. Außerdem wollen sie bis zum Ende dieses Monats eine Lösung für die Schuldenkrise insgesamt anbieten. Das dürfte die Anleger – auch wenn es nicht die erste Ankündigung dieser Art ist – hoffnungsvoller stimmen und die Märkte tendenziell unterstützen.

Dexia wird verstaatlicht

Thematisch damit zusammen hängt die nun angekündigte Verstaatlichung des belgisch-französischen Finanzinstituts Dexia. Das belgische Geschäft übernimmt für vier Milliarden Euro die Regierung in Brüssel, berichtet Reuters. Das habe der amtierende belgische Ministerpräsident Yves Leterme in der Nacht zum Montag mitgeteilt. Die gesamte Bank werde Staatsgarantien in Höhe von 90 Milliarden Euro von Belgien, Frankreich und Luxemburg erhalten. Davon werde Belgien 60,5 Prozent aufbringen. Der Verwaltungsrat des Instituts stimmte diesem Rettungsplan zu.

Wichtig ist das Institut vor allem als langfristiger Financier französischer Kommunen. Dieser Bereich soll nun abgespalten und von der französischen Staatsbank Caisse des Depots (CDC) und der Postbank (Banque Postale) aufgefangen werden. Der Verwaltungsrat beauftragte das Bank-Management damit, entsprechende Verhandlungen mit den französischen Instituten aufzunehmen. Der belgische Finanzminister Didier Reynders erklärte, die EU-Wettbewerbsbehörden seien informiert worden. Die Regierung wolle die Bank aber nicht für immer behalten. 95 Milliarden Euro an riskanten Papieren sollen in eine „Bad Bank“ gesteckt werden. Am Schicksal des französischen Arms hängt auch die Deutschland-Tochter Dexia Kommunalbank in Berlin. Der Fall Dexia gilt vielen Investoren als Test dafür, ob es Europas Staaten gelingt, den Zusammenbruch von Banken im Sog der Schguldenkrise zu verhindern.

Metro-Chef Cordes gibt auf

Von der Schuldenkrise losgelöst gibt es aber auch andere Nachrichten, die heute die Börsenkurse beeinflussen können. So teilte der Vorstandsvorsitzende des deutschen Einzelhandelsunternehmens Metro, Eckhard Cordes, am Sonntag mit, seinen Vertrag nicht zu verlängern. Cordes wolle sein Amt nicht sofort niederlegen, sondern warten, bis die Nachfolge geregelt ist. Wie zu höheren ist, wird das noch in diesem Jahr geschehen, berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Damit endet der Machtkampf um die Spitze der Metro nun doch damit, dass Cordes aufgibt. Zunächst hatte es so ausgesehen, als ob Metro-Großaktionär Haniel keine Vertragsverlängerung für Cordes gewollt habe, dann änderte sich die Haltung plötzlich zu Gunsten Cordes. Dennoch habe Cordes, wie zu hören ist, in einer Probeabstimmung des Personalausschusses des Aufsichtsrates keine Mehrheit bekommen, was ihn zu seiner Rücktrittsankündigung veranlasst habe. Die Personalie Cordes belastete zusammen mit der Diskussion um die Zukunft der Elektronikkette Media Saturn den Aktienkurs des im Standardwerteindex Dax notierten Unternehmens schon seit Längerem.

Adidas will in Russland wachsen

Unterdessen will der ebenfalls im Dax gelistete Sportartikel-Hersteller Adidas Russland zu einem seiner drei größten Märkte nach den Vereinigten Staaten und China ausbauen. Bis
2015 sei jedes Jahr mit einem Wachstum von mindestens zehn Prozent zu rechnen, sagte Vorstandschef Herbert Hainer am Montag während einer Investorenveranstaltung in Moskau, berichtet Reuters. Die Region Russland/GUS, zu der der fränkische Konzern auch die
Ukraine, Kasachstan sowie viele kleinere ehemalige Sowjet-Republiken zählt, würde damit Japan als drittwichtigsten Markt überholen. Bis 2013 will Adidas in der Region die Marke von einer Milliarde Euro Umsatz knacken. Eine Vergleichszahl nennt das Unternehmen nicht. Schon jetzt ist Adidas eigenen Angaben zufolge Marktführer in Russland, der amerikanische Wettbewerber Nike, weltweit die Nummer eins, tut sich hier vergleichsweise schwer.
Ein wichtiger Baustein, um die Ziele zu erreichen, ist die Eröffnung eigener Läden. Ende dieses Jahres dürften es in der Region 800 sein. Bis 2015 sollen netto mindestens 400 weitere Stores hinzukommen. Adidas setzt nicht nur in Russland verstärkt auf den eigenen Vertrieb, weil hier die Margen für gewöhnlich höher sind. Wegen der Euromeisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine werden Fußball-Produkte eine wichtige Rolle spielen. Zudem wird Laufen als Sportart populärer, der Outdoor-Markt ist wegen der niedrigen Temperaturen traditionell größer.

Sinopec kauft Daylight Energy

Marktanteile auf den Rohstoffmärkten will hingegen der chinesische staatliche Ölkonzern Sinopec gewinnen. Er kauft den kanadischen Konkurrenten Daylight Energy für 2,2 Milliarden Kanadische Dollar (knapp 1,6 Milliarden Euro). Daylight teilte am Sonntagabend mit, der Übernahme sei zugestimmt worden. Der Preis von 10,08 Kanadische Dollar je Anteilsschein ist mehr als doppelt so hoch wie der Daylight-Börsenschlusskurs vom vergangenen Freitag.

Verkauf der BHF-Bank liegt auf Eis

Der Verkauf der traditionsreichen BHF-Bank an den Finanzinvestor RHJ liegt Verhandlungskreisen zufolge allerdings auf Eis. Das vom ehemaligen Dresdner-Banker Leonhard (“Lenny“) Fischer geführte Unternehmen habe den erforderlichen Co-Investor für den Zukauf bisher nicht gefunden und deshalb seinen Antrag bei der Finanzaufsicht BaFin zurückgezogen, sagten zwei mit den Plänen vertraute Personen am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) habe gedroht, die Übernahme sonst wegen der mangelnden Finanzkraft von RHJ zu untersagen, hieß es in den Kreisen. Die „Financial Times Deutschland“ (Montagausgabe) berichtete ebenfalls, dass das Vorhaben derzeit ruhe.

Die Verhandlungen zwischen der Deutschen Bank, der die BHF-Bank als Teil der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim vor zwei Jahren zugefallen war, und RHJ gingen dennoch weiter, sagte einer der Insider. „Der Prozess ist nicht tot.“ RHJ habe die eingehende Unternehmensprüfung der BHF-Bank abgeschlossen, man sei sich über die Eckdaten bereits einig. Nur das Geld fehlt: RHJ hatte bereits im Juli betont, einen Mitinvestor zu suchen, um nicht nur den auf 500 Millionen Euro geschätzten Kaufpreis, sondern auch die Refinanzierung der BHF-Bank zu stemmen. Die Verwerfungen an den Finanzmärkten machen dies nicht einfacher. Die Deutsche Bank und die BaFin wollten sich nicht zu den Informationen äußern. RHJ war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Die Deutsche Bank und die Finanzaufseher hatten sich kürzlich bereits skeptisch zu den Bemühungen geäußert: „Das ist kein Selbstläufer“, sagte Deutsche-Bank-Finanzchef Stefan Krause. Ein BaFin-Sprecher sagte: „Den Beteiligten ist es bisher nicht einmal gelungen, einen
Finanzierungsplan zu erstellen, da die notwendigen Co-Investoren fehlen.“ Der „FTD“ zufolge verhandelt RHJ-Chef Fischer intensiv mit einer Handvoll potenziellen Co-Investoren. Die Deutsche Bank habe RHJ bis November Exklusivität bei den Verhandlungen zugesagt. Fischer will die BHF-Bank nach eigenen Angaben nicht zerschlagen, sondern als eigenständige Marke unter dem Dach von Kleinwort Benson weiterführen. Der Londoner Vermögensverwalter war 2009 von RHJ übernommen worden und dient als Nukleus für den Umbau des Finanzinvestors zum Bankkonzern. Der erste Anlauf der Deutschen Bank, die Frankfurter BHF-Bank zu verkaufen, war im April am Veto der Finanzaufsicht BaFin gegen den damaligen Bieter, die liechtensteinische Fürstenbank LGT, gescheitert.
 

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