09.09.2010 · Der Atomkompromiss könnte für die Versorger doch teurer werden, bei BASF gab es eine Panne mit Genkartoffeln. Die Anglo Irish Bank wird in zwei Institute aufgespalten und die Verbraucherkredite in Amerika fallen den sechsten Monat in Folge
Unternehmensnachrichten
Atomkompromiss könnte für Konzerne doch teurer werden
Der Atomkompromiss der schwarz-gelben Koalition wird die Betreiber der 17 deutschen Kernkraftwerke wahrscheinlich teurer zu stehen kommen als bisher gedacht. Das ergibt sich nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) und der „Financial Times Deutschland“ (FTD) aus einer schriftlichen Vereinbarung der Bundesregierung mit den Konzernen, wie die Zeitungen am Donnerstag berichteten. Demnach erhöht sich bei steigenden Firmengewinnen auch der sogenannte Förderbeitrag, den die AKW-Betreiber ab 2017 an den Staat zahlen müssen. Mit dem Geld will der Bund einen Fonds zur Förderung erneuerbarer Energien und zur Verbesserung der Energieeffizienz aufbauen. (Dow Jones)
Panne mit Genkartoffel bei BASF
Der Chemiekonzern BASF hat nach Angaben der EU-Kommission menschliches Versagen als plausibelsten Grund für die Anpflanzung einer nicht genehmigten gentechnisch veränderten Kartoffel in Schweden genannt. Nach einem Treffen mit Vertretern des deutschen Konzerns erklärte die Brüsseler Behörde am Mittwoch, die Kommission habe die ausführlichen Erläuterungen von BASF zur Kenntnis genommen. Es seien aber noch Fragen offen. Experten der EU und der Mitgliedstaaten erhofften sich kommende Woche bei einem Besuch der Forschungsabteilung Antworten darauf. Die EU will vor allem wissen, wie weit verbreitet die Vermischung der Pflanzen der Genkartoffel Amflora mit anderen Pflanzen sein könnte und was BASF unternommen hat, solche Fehler in den Labors und auf den Feldern zu vermeiden. (Reuters)
Deutsche Banken brauchen wegen Basel III schnell Milliarden
Die Regulierungswelle rollt auf die deutschen Banken unerwartet schnell zu. Sie müssen sich wegen der verschärften Eigenkapitalregeln für die Branche in den nächsten zwei Jahren viele Milliarden Euro besorgen. EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark empfiehlt Deutschland CDU-Kreisen zufolge einzulenken und das deutsche Bankensystem zu reformieren. Er rate zu einer Privatisierung der Sparkassen nach dem Vorbild Spaniens, sagte er Teilnehmern zufolge vor dem Vorstand der Unions-Bundestagsfraktion.
Ab 2013 müssen die Banken sich Zeitler zufolge an die neue Kernkapitalquote halten. Bisher liegt sie bei vier Prozent, im Vorfeld war mit bis zu sechs Prozent gerechnet worden. Für die Anpassung an die höheren Maßstäbe, die an die Zusammensetzung des Kernkapitals gelegt werden, und das Auffüllen zusätzlicher Kapitalpuffer für Krisenzeiten bekommen die Banken allerdings länger Zeit. Sie sollen über mehr als fünf, aber weniger als zehn Jahre stufenweise eingeführt werden. Auf diese Weise soll eine Kreditklemme als Nebenwirkung der Reform verhindert werden.
Viele deutsche Institute können die Anforderungen derzeit nach eigenen Angaben nicht erfüllen. Allein die größten zehn Banken in Deutschland bräuchten nach Angaben des Bankenverbands BdB dadurch mehr als 100 Milliarden Euro zusätzliches Kapital.
Weber pochte darauf, dass die Regeln in allen Ländern gelten müssen. „Was nicht passieren darf, ist, dass wir Basel III implementieren und die Vereinigten Staaten zurückfallen. Es muss auf beiden Seiten des Atlantik implementiert werden.“ Die Vereinigten Staaten haben das bisherige Regelwerk „Basel II“ anders als die Europäer noch nicht umgesetzt. An den Verhandlungen in Basel wird auch der Präsident der amerikanischen Notenbank, Ben Bernanke, teilnehmen. Der Chef der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley, James Gorman, sagte in Frankfurt, er kenne bei den neuen Regeln keine Hintertür, durch die die Vereinigten Staaten gehen könnten. „Doch sollte es diese geben, werde ich definitiv nicht da durchgehen“, fügte er hinzu. (Reuters)
Anglo Irish Bank wird in zwei Institute aufgespalten
Die irische Krisenbank Anglo Irish soll nicht komplett abgewickelt, sondern in eine „Bad Bank“ und in eine Bank mit reinem Einlagegeschäft ohne Kredittätigkeit aufgeteilt werden. Das teilte der irische Finanzminister Brian Lenihan am Mittwoch nach einer Sitzung des Kabinetts mit. Beide Institute sollen zunächst in staatlicher Obhut weitergeführt werden.
Die Anglo Irish Bank habe seit der Verstaatlichung im vergangenen Jahr keine neuen Schulden mehr angehäuft, heißt es in der Mitteilung. Dies werde auch künftig der Fall bleiben. Das Kreditgeschäft soll demnach komplett an die Bad Bank ausgelagert werden. Diese soll später verkauft oder geschlossen werden. Die Einlagen der Sparer, die automatisch Kunden des Einlagen-Teils werden, werden von der Regierung weiterhin garantiert. Bis Oktober soll feststehen, wieviel Finanzbedarf die beiden künftig getrennten Institute noch haben. Weitere staatliche Hilfen müssen von der EU-Kommission aus wettbewerbsrechtlichen Gründen genehmigt werden.
In Brüssel gelten die Milliarden-Kosten für die Sanierung von Anglo Irish als enormes Risiko für die Kreditwürdigkeit Irlands. Man fürchtet, dass die Sanierung das Land überfordern könnte. Seit Monaten herrscht an den Kapitalmärkten die Angst, dass Irland nach Griechenland zu einem neuen Krisenherd der Euro-Zone werden könnte. (dpa-AFX)
Singapurs Staatsfonds GIC startet Börsengang von Logistik-Sparte
Singapurs Staatsfonds GIC macht Kreisen zufolge ernst beim geplanten Börsengang seiner Logistik-Sparte. Der Schritt solle bis zu drei Milliarden Dollar einbringen, sagten zwei mit der Angelegenheit Vertraute der Nachrichtenagentur Reuters. Mit den Einnahmen solle die Expansion von Global Logistic Properties (GLC) in China und Japan vorangetrieben werden. Eine Sprecherin des weltweit viertgrößten Staatsfonds wollte sich dazu nicht äußern. Es wäre der größte Börsengang in dem Stadtstaat aller Zeiten. (Reuters)
NAB scheitert abermals mit Übernahme der AXA-Asientochter
Die größte Übernahme in der Geschichte der australischen Finanzbranche lässt weiter auf sich warten. Die australische Wettbewerbsbehörde ACCC sieht ihre Bedenken in der Übernahme der Asientochter des französischen Versicherers AXA durch die National Australia Bank (NAB) trotz der angebotenen Zugeständnisse noch immer nicht ausgeräumt, begründete die Behörde am Donnerstag ihren Widerstand gegen die Transaktion. Damit könnte sich am Ende noch einmal die Tür für den australischen Vermögensverwalters AMP öffnen.
Eigentlich hatte die viertgrößte Bank Australiens den Vermögensverwalter AMP mit ihrem 13,3 Milliarden australische Dollar (umgerechnet rund 9,6 Milliarden Euro) schweren Gebot für die AXA Asia Pacific Holdings Ltd (APH) schon ausgestochen. Allerdings hat ihr die ACCC die Genehmigung für die Transaktion inzwischen wiederholt verweigert. Eine Fusion würde den Wettbewerb im Markt für Retail-Investments nachhaltig reduzieren, argumentierte die Behörde am Berichtstag abermals, nachdem sie die Akquisition Mitte April aus genau diesem Grund schon einmal gestoppt hatte. (Dow Jones)
Wall-Street-Absturz gibt Aufsehern weiter Rätsel auf
Für den dramatischen Kurseinbruch an der Wall Street im Mai hat die amerikanische Börsenaufsicht SEC Kreisen zufolge noch keine eindeutige Erklärung gefunden. Die SEC gehe derzeit von mehreren Ursachen aus, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen am Mittwoch. Die Behörde untersuche dazu die Daten anderer Handelstage, um möglichen Probleme mit massiven Kauf- und Verkaufs-Ordern nachzugehen, erläuterte ein Eingeweihter. Zuvor hatte es aus Kreisen geheißen, dass die in schneller Abfolge platzierten und unmittelbar danach wieder gelöschten Aktienkäufe nichts mit dem Kurseinbruch zu tun hätten. Demnächst soll ein Untersuchungsbericht vorgelegt werden.
Der Dow-Jones-Index hatte am 6. Mai binnen Minuten 700 Punkte verloren, einen großen Teil der Verluste dann aber wieder aufgeholt. Weltweit waren Anleger verunsichert worden. Die Börsenaufsicht hatte daraufhin ein Pilot-Programm gestartet, das den Handel mit einer einzelnen Aktie bei ungewöhnlichen Kursbewegungen unterbricht. (Reuters)
Wirtschaftsnachrichten
Verbraucherkredite in Amerika fallen im Juli den sechsten Monat in Folge
Die ausstehenden Kredite von amerikanischen Verbrauchern haben im Juli nicht ganz so deutlich abgenommen wie erwartet. Wie die Federal Reserve am Mittwoch berichtete, sanken die Verbraucherkredite um 3,6 Milliarden Dollar auf 2,419 Bill Dollar. Es war der sechste Rückgang in Folge. Volkswirte hatten für Juli allerdings eine stärkere Abnahme um 5,0 Milliarden Dollar prognostiziert. Im Juni waren die Kredite der Konsumenten um revidiert 1,0 Milliarden Dollar auf 2,423 Bill Dollar zurückgegangen. Vorläufig war ein Minus von 1,3 Milliarden Dollar berichtet worden. Die Daten sind recht volatil und werden häufig revidiert. (Dow Jones)
Obama will Niedrigsteuer für Reiche abschaffen
Amerikas Präsident Obama will trotz massiven Widerstands von Republikanern die unter seinem Vorgänger George W. Bush eingeführten Niedrigsteuern für Reiche abschaffen. Es gehe ihm nicht darum, wohlhabende Bürger zu bestrafen, sagte Obama. Aber das Land könne sich die 700 Milliarden Dollar einfach nicht erlauben, die eine Beibehaltung dieser Steuerkürzungen in den nächsten 10 Jahren kosten würde.
Dagegen will Obama die Steuererleichterungen für die Mittelklasse - Bürger mit einem Jahreseinkommen bis zu 250.000 Dollar - in Kraft lassen. Dies sei die Bevölkerungsgruppe, deren Löhne und Gehälter in der vergangenen Dekade gelitten hätten, sagte Obama. Und das seien auch die Menschen, die ihr Geld am ehesten für tägliche Notwendigkeiten ausgeben und damit die Wirtschaft als Ganzes stärken würden. (dpa-AFX)
Fed erhält mehr Hinweise für langsameres Wachstum
In den Vereinigten Staaten mehren sich die Zeichen für eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums. Zwar sei insgesamt ein moderates Wachstum zu spüren, teilte die amerikanischen Notenbank Federal Reserve am Mittwoch in ihrem „Beige Book“ zur Lage der amerikanischen Wirtschaft mit. Doch gebe es vor allem an der Ostküste und in Teilen des Mittleren Westens weitreichende Anzeichen dafür, dass die Erholung ins Stocken geraten sei. Dies sei besonders in Großräumen wie New York, Philadelphia und Chicago zu erkennen gewesen.
Neue Hiobsbotschaften hatte die Fed vom krisengeschüttelten Immobilienmarkt: Dort ging es weiter bergab, nachdem das Auslaufen von Steuererleichterungen der Branche schon zuvor kräftig zugesetzt hatte. Die für die amerikanischen Wirtschaft so wichtigen Verbraucher geben nach Einschätzung der Fed zwar wieder etwas mehr aus, beschränken sich aber auf wirklich notwendige Käufe. Für die meisten Waren und Dienstleistungen blieb der Preisauftrieb gering. Auch die Löhne blieben weitgehend stabil. (Reuters)
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |