Unternehmen
Lehman Brothers kauft angeblich eigene Aktien zurück
Die amerikanische Bank Lehman Brothers hat einem Medienbericht zufolge im Zuge eines Kurssturzes an der Börse eigene Aktien zurückgekauft. Es sei aber nicht klar, wie viele Dividendenpapiere Lehman Brothers erworben habe, berichtete das „Wall Street Journal“ am Dienstag unter Berufung auf eine mit der Situation vertraute Person. Lehman wolle darüber hinaus ein Aktienpaket an eine Gruppe von Investoren verkaufen und habe aus diesem Grund in den vergangenen Tagen bereits Gespräche mit zumindest einem ausländischen Interessenten geführt. Die Aktie der Bank war am Dienstag an der Wall Street um 9,5 Prozent auf 30,61 Dollar eingebrochen. Zuvor hatte es in Kreisen geheißen, die amerikanische Investmentbank erwäge eine Kapitalerhöhung. (Reuters)
Deutsche Autobauer mit amerikanischen Absatzproblemen - GM-Debakel
Die deutschen Autohersteller haben im Mai mit Absatzproblemen auf dem wichtigen amerikanische Markt gekämpft, sich zumeist aber besser geschlagen als die amerikanische Rivalen. Auf bereinigter Basis verbuchte BMW einen Rückgang von 0,7 Prozent, Volkswagen und Mercedes von je 3,6 und Porsche von 19,6 Prozent. Dank des Verkaufsstarts des Kleinwagens Smart im Januar legte Daimler insgesamt aber 12,4 Prozent zu. Bei den Zahlen ist der Effekt eines zusätzlichen Verkaufstags im Mai dieses Jahres herausgerechnet. Für die amerikanische Autobauer war der Mai indes ein regelrechtes Debakel, allen voran für General Motors. Der Konzern verkaufte auf seinem Heimatmarkt bereinigt mit 272.000 Fahrzeugen fast ein Drittel weniger als vor Jahresfrist. Bei Ford gingen die Verkäufe unbereinigt um 16 Prozent auf knapp 218.000 Fahrzeuge zurück, bei der Daimler-Beteiligung Chrysler bereinigt um 28 Prozent auf knapp 149.000 Autos. Die japanische Toyota, die GM jüngst als weltgrößten Autobauer überholt hatte, wies einen bereinigten Rückgang von 7,9 Prozent auf 257.404 Fahrzeuge aus. (Reuters)
Finanzinvestor CVC kauft Evonik-Anteil für 2,4 Milliarden Euro
Der monatelange Poker um den Verkauf eines ersten Anteils an dem Mischkonzern Evonik ist entschieden. Der britische Finanzinvestor CVC habe den Zuschlag für die Minderheitsbeteiligung von 25,01 Prozent erhalten, teilte die RAG-Stiftung am Dienstagabend mit. CVC zahle dafür rund 2,4 Milliarden Euro. Damit wird der Konzern fast doppelt so hoch bewertet wie von Experten erwartet. Beide Partner strebten nun mittelfristig einen Evonik-Börsengang an. Die Essener Evonik mit ihren Sparten Chemie, Energie und Immobilien ist aus dem Bergbauunternehmen RAG hervorgegangen und gehört nun der RAG-Stiftung. Sie soll mit dem Verkauf von Evonik-Anteilen die Folgekosten des deutschen Steinkohlebergbaus stemmen, der unter dem Dach der Stiftung gebündelt ist. Die Stiftung wurde bei dem Verkauf von Morgan Stanley, der Deutschen Bank und Lilja & Co beraten.
Stiftungschef Wilhelm Bonse-Geuking erklärte, neben dem überzeugenden Kaufpreis hätten die große CVC-Branchenerfahrung im Chemie- und Energiesektor, des erfahrene CVC-Team in Deutschland und übereinstimmende Vorstellungen über die Entwicklungsaussichten den Ausschlag für CVC gegeben. Zudem habe CVC bereits zahlreiche Firmen weltweit bei ihrem Börsengang begleitet. Bonse-Geuking hatte mehrfach betont, er suche einen langfristig orientierten Investor und keinen, der seinen Anteil rasch versilbern wolle. CVC setzt nach eigenen Angaben insbesondere auf langfristige Investments. An der Finanzierung des milliardenschweren Anteilskaufs sind auch große deutsche Landesbanken und Merrill Lynch beteiligt. Auf Basis des CVC-Angebots wird Evonik mit knapp zehn Milliarden Euro bewertet. Wirtschaftsprüfer des Instituts Susat hatten in einem vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Gutachten für den Fall eines Börsengangs lediglich einen Wert von 5,1 Milliarden Euro ermittelt. Den ursprünglich für diesen Sommer geplanten Evonik-Börsengang hatte die Stiftung wegen der Krise an den Finanzmärkten auf Eis gelegt. Evonik hatte im ersten Quartal Umsatz und Ertrag deutlich gesteigert. Der Umsatz kletterte um elf Prozent auf 3,94 Milliarden Euro und der Konzerngewinn um 16 Prozent auf 285 Millionen Euro. Wachstumstreiber sind die Chemiesparte mit der ehemaligen Degussa und der Energie-Bereich mit der ehemaligen Steag. Der Konzern hat rund 43.000 Mitarbeiter und ist weltweit in mehr als 100 Ländern aktiv. (Reuters)
Wirtschaft
Australiens Wirtschaft wächst im ersten Quartal unerwartet stark
Die australische Wirtschaft ist im ersten Quartal 2008 überraschend stark gewachsen, wobei vor allem die Unternehmensinvestitionen und der Privatkonsum Wachstumsimpulse lieferten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte um 0,6 Prozent zum Vorquartal und um 3,6 Prozent zum Vorjahr zu, wie die nationale Statistikbehörde am Mittwoch berichtete. Volkswirte hatten nur Zuwachsraten von 0,2 Prozent und 2,8 Prozent erwartet. Zudem wurde die BIP-Wachstumsrate für das vierte Quartal 2007 auf 0,7 Prozent von zuvor 0,6 Prozent nach oben revidiert. Nach Ansicht von Analysten bleibt die Option einer weiteren Zinserhöhung damit auf dem Tisch. Angesichts der steigenden Treibstoffpreise, eines hohen Zinsniveaus und einer schwächeren Weltwirtschaft hatten viele Experten mit einer Abschwächung der australischen Wirtschaft gerechnet - einige Ökonomen hatten sogar eine Schrumpfung des BIP im ersten Jahresviertel vorausgesagt. Zwischen August 2007 und März 2008 hat die Reserve Bank of Australia (RBA) das Zinsniveau in vier Schritten von jeweils 25 Basispunkten auf derzeit 7,25 Prozent angehoben. „Die Chancen für einen weiteren Zinsschritt stehen gut“, sagte John Peters, Ökonom bei der Commonwealth Bank. (Dow Jones Newswires)
Warnstreikwelle in der Metallbranche rollt an
Wegen des Streits um eine neue Regelung für Altersteilzeit in der Metall- und Elektroindustrie haben in der Nacht zum Mittwoch mehrere hundert Beschäftigte in Baden-Württemberg ihr Arbeit niedergelegt. Nach Ablauf der Friedenspflicht seien Mitarbeiter von Daimler in Esslingen und Bosch in Stuttgart in den Ausstand getreten, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft IG Metall. Im Laufe des Tages wollten mehrere tausend Beschäftigte in Baden-Württemberg, darunter auch bei Audi in Neckarsulm, folgen. Die Warnstreiks sollen bis Freitag fortgesetzt werden. Die IG Metall will mit den Warnstreiks eine neue Regelung zum vorzeitigen Ausscheiden älterer Mitarbeiter aus dem Erwerbsleben erzwingen. Die in Baden-Württemberg stellvertretend für die ganze Branche geführten Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband Südwestmetall verlaufen schleppend. Während Südwestmetall nur noch Ausnahmefälle zulassen will, will die Gewerkschaft die Altersteilzeit noch attraktiver machen. Die derzeitige Altersteilzeitregelung läuft im kommenden Jahr aus. Die nächste Verhandlungsrunde ist am 9. Juni in Böblingen geplant. Am 12. Juni will die Gewerkschaft IG Metall über ihr weiteres Fortgehen beraten. Danach könnten die Warnstreiks auf die ganze Branche ausgeweitet werden. (Reuters)
Dominoeffekt in Asien?
Asiens Volkswirtschaften ringen mit Preissteigerungen und einem sinkenden Handelsüberschuss. Der Einbruch des Aufschwungs in Vietnam schürt die Ängste vor einem Dominoeffekt von China bis Indien. (Frankfurter Allgemeine Zeitung, S. 13)
Zeitler: Überregulierung keine Antwort auf Finanzkrise
Bundesbank-Vizepräsident Franz-Christoph Zeitler hat sich gegen eine Überregulierungen der Bankenbranche als Reaktion auf die aktuelle Finanzkrise ausgesprochen. „Ich bin (...) skeptisch gegenüber Bestrebungen, trotz der von den Regierungen und Notenbanken im Zusammenhang mit Basel II versprochenen Regulierungspause eine Art Basel III vorzubereiten“, sagte Zeitler am Dienstag auf einer Konferenz in Frankfurt. Die unter dem Namen Basel II bekannten neuen Vorgaben für die Finanzbranche sehen unter anderem vor, dass Kredite stärker als bisher abhängig vom tatsächlichen Risiko mit Eigenkapital unterlegt sein müssen. Obwohl die Regeln noch nicht weltweit gelten, wird angesichts der Finanzkrise bereits über eine Überarbeitung nachgedacht.
Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit der aufsichtsrechtlichen Regelungen seien für die Branche von hohen Wert, sagte Zeitler. Die Aufsicht dürfe nicht nach dem Motto „in 'guten Zeiten' Deregulierung, in 'schlechten Zeiten' Re-Regulierung“ vorgehen. Die bisherigen Regeln für die Finanzindustrie hätten sich im Grundsatz bewährt, müssten jedoch in Teilbereichen eventuell nachjustiert werden. Sie seien „aus heutiger Sicht eher zu spät als zu früh in Kraft getreten“, zog Zeitler sein Fazit. Als Lehren aus der Krise müssten unter anderem die Anreizstrukturen in den Banken verändert sowie Transparenz und Risikomanagement verbessert werden, bekräftigte Zeitler die Position der Bundesbank. Zusätzlich sei es erforderlich über eine Neufassung der Vorschriften gegen Risikokonzentration bei Großkrediten und gegen die Umgehung der Regeln durch Zweckgesellschaften und ähnliche Finanzkonstrukte nachzudenken. Die Bundesbank teilt sich die Aufsicht über die Bankenbranche mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin.
Zentral für die Bewältigung der Krise sei die Neuausrichtung der Verbriefungsmärkte. „Das Segment ist nach der Krise zwar nicht tot, aber es gibt schon jetzt einen erheblichen Ausleseprozess bei den Finanzprodukten in diesem Bereich. Für die Emittenten muss es jetzt darum gehen, diesen Ausleseprozess zu bestehen“, sagte Zeitler am Rande der Konferenz zu Reuters. Aber auch die Aufsicht sei gefordert: „Der Investor muss einen genauen Überblick haben über den realwirtschaftlichen Kern der Finanzprodukte, damit er keine Überraschung erlebt“, sagte Zeitler. Ratingagenturen blieben wichtig, allerdings müssten sie ihre internen Prozesse und ihre Methodik umstellen. „Sie müssen standardisierte Bewertungen abgeben und Angaben machen über die einer Verbriefung zugrunde liegenden Werte.“ Ratingagenturen waren wegen ihrer undurchsichtigen Bewertungsmethoden komplexer Finanzprodukte in der Krise besonders in die Kritik geraten. Ihnen droht nun eine schärfere Kontrolle.
An den Finanzmärkten sieht Zeitler derzeit Anzeichen für eine Beruhigung. Allerdings sei bislang nur ein Teil der durch die Krise ausgelösten Unsicherheit verflogen. „Es gibt (...) Licht am Tunnelrand durchaus. Wir sind aber noch im Tunnel“, sagte der Bundesbank-Vize. „Der Weg hinaus wird noch einige Zeit dauern und von Phasen schlechter Nachrichten unterbrochen sein.“ Deshalb wäre es im derzeitigen Umfeld eine recht „gefährliche Illusion“, zur Tagesordnung überzugehen. Besonders am Geldmarkt zeige sich durch hohe Risikoprämien, „dass das Vertrauen in die Liquidität der Märkte nach wie vor nicht gefestigt ist“. So lange die Auslöser der Krise, bestimmte Problemsektoren auf dem amerikanische Immobilienmarkt, noch keinen Boden gefunden hätten, bleibe „die Situation in potenziellen Ansteckungsbereichen fragil“. (Reuters)
EU will gegen hohe Öl- und Nahrungsmittelpreise vorgehen
Die Europäische Union sucht nach der richtigen Reaktion auf den drastischen Anstieg der Energie- und Nahrungsmittelpreise weltweit. Doch über den besten Weg zur Entlastung der besonders betroffenen ärmeren Bevölkerung wird noch gestritten, wie auf dem Treffen der EU-Finanzminister am Dienstag in Luxemburg deutlich wurde. Frankreich, Österreich und Italien schlugen steuerliche Maßnahmen vor, die Deutschland kritisch sieht. Die EU-Finanzminister beschlossen eine vage Erklärung, wonach in der Agrarpolitik und in einem neuen Welthandelsabkommen die Lösung für das vielschichtige Problem liegen soll. Zugleich bekräftigten sie, dass die direkten Steuern auf Öl nicht gesenkt werden sollten, weil das die Energiepreise nur noch weiter in die Höhe treiben würde. Der slowenische Finanzminister und Ratspräsident Andrej Bajuk stellte fest, dass die gestiegenen Preise ein dauerhaftes Phänomen seien, auf das sich jedes Land mit einer Neuverteilung seiner Ressourcen einstellen müsse. Doch da die Preisexplosion mehrere Ursachen hat, denen schwer zu begegnen ist, gibt es noch mehr Fragen als Antworten. Über fiskalpolitische Reaktionen sei man noch im Stadium von Gedankenspielen, sagte die französische Finanzministerin Christine Lagarde. „Das braucht Zeit.“ (Reuters)
