08.09.2010 · Bundeskanzlerin Merkel spricht sich gegen zu viel Hilfe für überschuldete Mitgliedsstaaten aus, Irland will die Bankengarantie verlängern, EU-Binnenmarktkommissar Barnier verlangt neue Stresstests und Japans Finanzminister will entschieden gegen die Yen-Stärke vorgehen.
Unternehmensnachrichten
Vodafone verkauft China-Mobile-Beteiligung für 4,3 Milliarden Pfund
Der britische Mobilfunkkonzern Vodafone hat seine Beteiligung von 3,2 Prozent am chinesischen Mobilfunkbetreiber China Mobile im Rahmen eines beschleunigten Bookbuilding-Verfahrens verkauft. Wie Vodafone am Dienstag mitteilte, erhält es für den Anteil 4,3 Milliarden Pfund vor Steuern und Transaktionskosten.
Mit der heutigen Transaktion habe Vodafone für den China-Mobile-Anteil fast doppelt so viel erhalten, wie sie ursprünglich investiert habe, sagte Vodafone-Vorstandschef Vittorio Colao. Rund 70 Prozent des Nettozuflusses werde den Vodafone-Aktionären in Form eines Aktienrückkaufs zufließen, die restliche Summe solle zum Schuldenabbau genutzt werden. Per Ende Juni hatte der Konzern aus Newbury 32,7 Milliarden Pfund an Verbindlichkeiten. (Dow Jones)
Milliarden-Kapitalerhöhung bei National Bank of Greece
Die National Bank of Greece hat eine Kapitalerhöhung auf den Weg gebracht. Insgesamt will das Geldhaus damit 2,8 Milliarden Euro einnehmen, teilte das größte griechische Kreditinstitut am Dienstag mit. (Reuters)
NYSE Euronext gründet Öko-Börse
Der transatlantische Finanzmarktbetreiber NYSE Euronext hebt eine Öko-Börse aus der Taufe. Dazu gründet der Deutsche-Börse-Rivale ein Gemeinschaftsunternehmen mit der auf diesen Bereich spezialisierten Firma APX. Wie die Partner am Dienstag mitteilten, soll die neue Gesellschaft mit dem Namen „NYSE Blue“ unter anderem Handelsplattformen im Bereich umweltfreundlicher Rohstoffe und Erneuerbarer Energien sowie Marktdaten anbieten.
APX verkauft Marktinfrastruktur für den Austausch von umweltfreundlichen Rohstoffen und Energien. Die vor allem in den Vereinigten Staaten präsente Firma gehört mehreren Eignern, unter anderem der amerikanischen Großbank Goldman Sachs. NYSE Euronext, Mutterkonzern der New Yorker Börse (NYSE), bringt in das Joint Venture ihren 60-prozentigen Anteil an der in Paris ansässigen CO2-Handelsplattform BlueNext ein. (Reuters)
Wirtschaftsnachrichten
Bankenaufseher beschließen Eigenkapitalreformen
Die Finanzaufseher ziehen die Zügel bei den Banken weltweit offenbar fester an als erwartet. Der Baseler Ausschuss verständigte sich am Dienstag auf einen Entwurf für verschärfte Eigenkapitalvorschriften, wie drei mit den Gesprächen vertraute Personen sagten. Das letzte Wort aber sollen die Chefs der Notenbanken und Finanzaufsichtsbehörden aus 27 Ländern haben, die sich am Sonntag in Basel treffen. Die deutschen Aufseher haben aber offenbar weitgehend vergebens um eine Abschwächung des „Basel-III“-Regelwerks gerungen, wie aus Reguliererkreisen verlautete.
Nach einem Grundlagenpapier für die Beratungen, das Reuters vorliegt, sollten die Institute schon von 2013 an mehr als doppelt so viel Kapital vorhalten wie bisher. Viele deutsche Institute könnten die Anforderungen derzeit nicht erfüllen. Auch Länder wie Japan hatten im Vorfeld geringere Quoten oder zumindest längere Übergangsfristen gefordert, in denen die Banken das zusätzliche Kapital aufbauen können.
Deutschland hatte sich im Juli als einziges Land im Baseler Ausschuss gegen eine Teileinigung auf „Basel III“ gestemmt, vor allem mit Rücksicht auf die Landesbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen.
Die Institute müssten nach der Beschlussvorlage künftig eine Mindestkapitalquote (Tier-1) von sechs Prozent ihrer risikogewichteten Aktiva einhalten. Bisher sind es vier Prozent. Dazu soll ein neuer Kapitalerhalts-Puffer von drei Prozent kommen, der nur in Krisen angetastet werden kann und mit einem Ausschüttungsverbot verbunden ist. In Boomzeiten müssten sich die Banken sogar mit einem „antizyklischen Puffer“ von weiteren drei Prozent für den folgenden Absturz der Konjunktur wappnen. Damit müssten Banken bis zu zwölf Prozent Kernkapital vorhalten. Davon sind bis zu zehn Prozent als „hartes Kernkapital“ (Core Tier-1), auf das sie bei Verlusten ohne Umstände zurückgreifen können. Dieses besteht im Wesentlichen aus Aktionärskapital und Gewinnrücklagen.
Den Kampf um eine Anerkennung der hierzulande verbreiteten Stillen Einlagen auch bei Aktiengesellschaften (AG) hatten die deutschen Aufseher schon aufgegeben. Damit gelten die Stillen Einlagen nur noch für Sparkassen und für die vier Landesbanken, die noch Anstalten des öffentlichen Rechts sind, als hartes Kernkapital - wenn sie einen ganzen Katalog von Kriterien erfüllen. Während das „harte Kernkapital“ rund 80 (bisher nur 51 Prozent) des Kernkapitals ausmachen soll und damit an Bedeutung gewinnt, verlieren Stille Einlagen und andere hybride Papiere als Kapitalbasis drastisch an Wert. Staatshilfen, wie sie in der Finanzkrise etwa der Commerzbank gewährt worden waren, sollen aber Bestandsschutz erhalten. (Reuters)
Merkel gegen zu viel Hilfe für überschuldete Mitgliedsstaaten
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat vor einer Schwächung des Euro durch eine zu große Unterstützung für überschuldete Mitgliedsstaaten gewarnt. Zu viel Hilfsbereitschaft werde den Euro insgesamt schwächen, sagte Merkel am Dienstag bei ihrem Besuch in der lettischen Hauptstadt Riga. Daher werde Deutschland nicht zustimmen, dass die jetzt wirkenden Krisenmechanismen beliebig verlängert werden. Für eine Fortsetzung der europäischen Erfolgsgeschichte sei vielmehr eine solide Haushalts- und Finanzpolitik notwendig.
Es seien auch vertragliche Änderungen in der EU erforderlich, sagte Merkel laut Redetext vor dem deutsch-lettischen Wirtschaftsforum weiter. Dazu gehöre ein Restrukturierungsverfahren für Staaten, die dauerhaft die Maastricht-Kriterien nicht erfüllten. So könne eine Gefahr für den Euro und Notsituationen für die anderen Mitgliedsstaaten verhindert werden, die Hilfen unumgänglich machen würden. (Reuters)
Irland will mit verlängerter Bankengarantie Investoren beruhigen
Unter dem Druck misstrauischer Anleger stellt sich die irische Regierung länger hinter das heimische Bankensystem als zunächst geplant. Die Staatsgarantien für kurzfristige Bank-Verbindlichkeiten würden bis Jahresende verlängert, sagte Finanzminister Brian Lenihan am Dienstag. Die Garantie wäre sonst Ende September ausgelaufen. Es wurde befürchtet, dass institutionelle Anleger dann ihr Kapital aus dem irischen Bankensektor abziehen.
Die Kosten für das inzwischen verstaatlichte Institut brockten Irland 2009 das höchste Haushaltsdefizit der EU ein. Am Dienstag ließen die Schuldensorgen die Risikoaufschläge für irische Staatsanleihen auf ein neues Rekordhoch klettern.
Im Ringen um die Zukunft der Anglo Irish Bank strebt die Regierung in Dublin binnen Wochen eine Entscheidung an. Er wolle einen Ausverkauf des Instituts verhindern, sagte Lenihan weiter. Schließlich hätten viele Anlagen der Bank noch ihren Wert. Lenihan räumte ein, dass die Probleme des Instituts „etwas größer“ seien als ursprünglich angenommen.
An den Börsen gelten die steigenden Kosten für eine Sanierung der Anglo Irish Bank als großes Risiko für die Kreditwürdigkeit Irlands. Investoren befürchten, dass Irland nach Griechenland zum nächsten Krisenherd der Euro-Zone wird. (Reuters)
EU-Binnenmarktkommissar Barnier verlangt neue Stresstests
EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier will die Geldinstitute künftig regelmäßig testen lassen. Das sagte Barnier im Interview mit dem „Handelsblatt“. Er begründete dies damit, dass die Tests vom Juli dieses Jahres geholfen hätten, „Transparenz zu schaffen und die Märkte zu beruhigen.“ Er wolle abwarten, bis die neue EU-Finanzaufsicht im Januar ihre Arbeit aufgenommen habe. Die in London ansässige EU-Bankenaufsicht European Banking Authority (EBA) werde dann entscheiden, wie oft und auf welche Weise getestet werde.
Wenig Verständnis zeigte Barnier für die sich häufenden Klagen der Geldbranche über zu hohe finanzielle Lasten und zu viel Regulierung. Die Banken seien für die schlimmste Finanzkrise seit 1929 verantwortlich. Auf eine „echte Krise“ müssten jetzt auch „echte Reformen“ folgen.
Barnier wies den Vorwurf zurück, dass die EU ihre Banken stärker finanziell belaste als die Vereinigten Staaten und dass der europäischen Finanzbranche dadurch Wettbewerbsnachteile entstünden. (Dow Jones)
Japans Finanzminister will entschieden gegen Yen-Stärke vorgehen
Japans Finanzminister Yoshihiko Noda hat entschiedene Maßnahmen gegen die Yen-Stärke in Aussicht gestellt und zum ersten Mal explizit klargestellt, dass damit auch Interventionen am Devisenmarkt erfolgen könnten. „Wir werden, falls nötig, entschiedende Schritte unternehmen, die natürlich auch Interventionen umfassen können“, sagte der Minister am Mittwoch bei einer Parlamentssitzung. Bisher hatte Noda immer nur von „entschiedenden Schritten“ gesprochen, aber offengelassen, ob damit auch Eingriffe am Devisenmarkt gemeint sind.
In den letzten Wochen haben sich sowohl das Finanzministerium wie die Notenbank sehr besorgt über die Yen-Aufwertung geäußert. Zu einer Intervention am Devisenmarkt konnte sich die Regierung aber bisher nicht durchringen. Grundsätzlich entscheidet in Japan das Finanzministerium über Interventionen an den Devisenmärkten. Der starke Yen wirft einen Schatten auf die japanische Wirtschaftserholung - die japanische Volkswirtschaft ist stark vom Export abhängig und ein Yen-Anstieg verteuert die Produkte im Ausland. (Dow Jones)
Japans Leistungsbilanzüberschuss steigt im Juli kräftig
Der Überschuss in der japanischen Leistungsbilanz ist im Juli gegenüber dem Vorjahresmonat um 26,1 Prozent auf 1.676 Milliarden Yen und damit deutlich stärker als erwartet gestiegen. Wie das Finanzministerium am Mittwoch berichtete, wurde damit das erste Mal seit drei Monaten ein Anstieg verzeichnet, was ein gutes Zeichen für die exportorientierte Wirtschaft Japans ist. Analysten hatten für Juli nur einen Anstieg des Leistungsbilanzüberschusses um 12,8 Prozent erwartet. Im Juni war der Aktivsaldo überraschend um 18,2 Prozent gesunken.
Die Maschinenbauaufträge in Japan sind im Juli unerwartet stark um 8,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat gestiegen. Damit erhöhten sich die Aufträge seit zwei Monaten in Folge. Es war der höchste Auftragszuwachs seit Dezember vergangenen Jahres. (Dow Jones, dpa-AFX)
Ungarn hält Euro-Einführungsziel erst in Jahren für festlegbar
Die Festlegung eines Zieldatums für Ungarns Beitritt in den Euroraum wird nach Einschätzung von György Szapary, Wirtschaftsberater von Regierungschef Viktor Orban, in den kommenden zwei bis drei Jahren nicht möglich sein. Die Einführung des Euro in Ungarn darf erst dann erfolgen, wenn die Wirtschaft wieder wächst und die Beitrittskriterien nachhaltig erfüllt werden, wie Szapary am Dienstag bei einer Konferenz in Bratislava sagte.
„Gegenwärtig haben wir kein Wachstumsumfeld, und das dürfte auch nicht sehr schnell kommen“, erklärte Szapary. Außerdem müsse gewährleistet werden, dass Ungarn die Bedingungen für den Euroraum-Beitritt nicht nur während eines Aufschwungs, sondern auch nachhaltig über schwächere Wirtschaftsphasen hinweg einhalte. Die Einführung des Euro dürfte für Ungarn zwar von Vorteil sein, aber nicht alle Probleme lösen. (Dow Jones)
DIHK beklagt Handelshemmnisse durch Terrorangst in den Vereinigten Staaten
Die Anti-Terror-Maßnahmen erschweren deutschen Unternehmen die Exporte in die Vereinigten Staaten. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) beklage in seinem Außenwirtschaftsreport 2010, dass deutsche Exporteure erst einen umfangreichen Sicherheitscheck über sich ergehen lassen müssten, bevor sie ihre Waren in die Vereinigten Staaten liefern dürften, berichtet die „Financial Times Deutschland“. Schon 24 Stunden vor der Verschiffung müssten die Firmen die Ausfuhr den amerikanischen Behörden melden, die die Verladung dann noch stoppen könnten.
Außerdem müssten deutsche Unternehmen, die in ihren Produkten Teile aus den Vereinigten Staaten verwendeten, amerikanische Exportvorschriften beachten, heißt es laut der Zeitung in dem unveröffentlichten DIHK-Bericht. Diese verböten den Handel mit Ländern wie Kuba und Iran. Im Fall von Verstößen könnten die amerikanischen Behörden zwar keine direkten Sanktionen gegen deutsche Unternehmen verhängen, diese hätten aber mit Nachteilen in ihrem amerikanischen Geschäft zu rechnen. (AFP)
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |