01.12.2009 · Die Regierung Dubais will nicht für Schulden bürgen, der französische Technologie-Konzern Thomson erhält Gläubigerschutz und Brüderle will mit den Banken eine stärkere Kreditvergabe vereinbaren, derweil andere vor Aktionismus warnen.
Unternehmen
Militärtransporter A400M kostet 7,4 Milliarden Euro mehr
Das Militär-Transportflugzeug A400M von Airbus wird die Abnehmerstaaten einem Zeitungsbericht zufolge zusätzlich 7,4 Milliarden Euro kosten. Wie „Les Echos“ in einem Entwurf der Titelseite (Dienstagausgabe) berichtete, würde das Projekt damit um 40 Prozent teurer werden. Airbus Military und der Mutterkonzern EADS waren für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.
Immer neue Lieferverzögerungen und Kostensteigerungen haben das Milliardenprojekt heftig ins Schlingern gebracht. Deutschland und Frankreich hatten Hersteller Airbus erst kürzlich zu einem finanziellen Entgegenkommen aufgefordert. Die beiden Länder und weitere europäische Nationen haben insgesamt 180 Transportflugzeuge bestellt. Ursprünglich hatten sie einen Festpreis von 20 Milliarden Euro vereinbart. Am Mittwoch soll nach Angaben des Verteidigungsministeriums bei Gesprächen in Berlin nach
einer Einigung gesucht werden. (Reuters)
IBM kauft israelische Computersicherheitsfirma
Der amerikanischen Computerkonzern IBM stärkt seine Softwaresparte mit einem Zukauf in Israel. Das Unternehmen übernehme die Computersicherheits-Firma Guardium, teilte IBM am Montag mit. Die Israelis sind auf den Schutz von Datenbanken spezialisiert. Zum Kaufpreis machte IBM am Montag keine Angaben. Die israelische Wirtschaftszeitung „The Maker“ hatte aber zuvor einen Betrag von 225 Millionen amerikanischen Dollar genannt. Zu den Kunden von Guardium zählen nach eigenen Angaben die fünf größten Banken der Welt. Als strategischer Investor trat bei Guardium bislang der Computerausrüster Cisco Systems auf. (dpa-AFX)
GE vor Komplettübernahme von NBC Universal
Der geplante Verkauf des Film- und TV-Konzerns NBC Universal an den größten amerikanischen Kabelnetzbetreiber Comcast hat laut einem Zeitungsbericht eine entscheidende Hürde genommen. Der Mischkonzern General Electric (GE) habe einen Vorvertrag über den Kauf des 20-Prozent-Anteils des französischen Vivendi-Konzerns an NBC Universal ausgehandelt, berichtete das „Wall Street Journal“ am Montag. Der Preis liege laut informierten Personen bei 5,8 Milliarden Dollar.
GE will NBC Universal an Comcast verkaufen, hat aber bisher nur 80 Prozent und muss zunächst einmal die volle Kontrolle über das Medienunternehmen haben. GE und Vivendi sollen wochenlang in harten Preisverhandlungen gewesen sein. Der Zeitung zufolge soll der Mischkonzern den Franzosen an einem Punkt nur fünf Milliarden Dollar für deren Anteil geboten haben. (dpa)
Dubai World legt Sanierungsplan vor
Die schwer angeschlagene Staatsholding Dubai World hat am späten Montagabend einen Sanierungsplan vorgelegt. Damit sollten insgesamt rund 26 Milliarden Dollar umgeschichtet werden, teilte der Konzern mit. Die Pläne umfassten auch die Baufirma Nakheel und den Immobilenkonzern Limitless World. Nicht betroffen von den Maßnahmen seien andere Firmen, die sich als finanziell stabil präsentiert hätten. Dazu zählten Infinity World Holding, Istithmar World und Ports & Free Zone World, zu der DP World, Economic Zones World, P&O Ferries und Jebel Ali Free Zone (JAFZA) gehörten. (Reuters)
Französischer Technologie-Konzern Thomson erhält Gläubigerschutz
Für das angeschlagene französische Technologie-Unternehmen Thomson gilt nun Schutz vor Gläubigern. Die Maßnahme gelte für die Thomson AG, nicht aber für ihre Tochterunternehmen, teilte der Konzern Montagabend mit. Durch den Gläubigerschutz wolle Thomson seine Kreditgeber zwingen, zu den Plänen zur Umschichtung der Konzernschulden Stellung zu nehmen, sagte Thomson-Chef Frédéric Rose in einer Telefonkonferenz. Schließlich werde seit vier Monaten vergeblich um eine einvernehmliche Lösung gerungen. Erschwert wird dies insbesondere dadurch, dass die Deutsche Bank als einer der Hauptgläubiger von Thomson die Schuldscheine an verschiedene Käufer versteigert hatte, deren Identität in vielen Fällen bekannt ist.
Das Einfrieren der Zahlungen an die Gläubiger sei nicht an einen Sozialplan gebunden und habe nichts mit Liquiditätsproblemen zu tun, sagte Rose. Am Samstag werde Thomson den Gläubigern einen Rettungsplan vorlegen, zu denen diese sich dann bis zum 22. Dezember äußern sollten. Der Rettungsplan muss von zwei Dritteln der Gläubiger gebilligt werden. Wenn die Konzernführung die notwendige Zustimmung für ihre Pläne erhält, soll am 27. Dezember eine außerordentliche Aktionärsversammlung stattfinden. Nach Angaben vom 30. September ist Thomson mit 2,17 Milliarden Euro verschuldet. (AFP)
SKW-Kapitalerhöhung deutlich überzeichnet
Der Stahlzulieferer SKW hat seine Ende Oktober angekündigte Kapitalerhöhung erfolgreich abgeschlossen. Wie die SKW Stahl-Metallurgie Holding AG am Montagabend mitteilte, wurden sämtliche 2.122.680 angebotene Aktien bei den
Altaktionären platziert. Die Kapitalerhöhung sei deutlich überzeichnet gewesen, hieß es. Rund 1,4 Millionen Überbezugswünsche von Altaktionären konnten nicht bedient werden.
Das Grundkapital der im SDax notierten Gesellschaft mit Sitz in Unterneukirchen steigt auf rund 6,54 Millionen Euro von zuvor 4,42 Millionen Euro. Die neuen Aktien sind ab dem 1. Januar 2009 gewinnberechtigt. Der SKW fließt ein Bruttoemissionserlös von rund 24,4 Millionen Euro zu. Die Mittel sollen unter anderem zur Finanzierung der Akquisition von zwei Dritteln an der brasilianischen Gesellschaft Tecnosulfur genutzt werden. (Dow Jones)
Wirtschaft
Japans Zentralbank pumpt mehr Geld in die Wirtschaft=
Die japanische Zentralbank pumpt zur Unterstützung der Wirtschaft weitere Milliarden in das Finanzsystem. Auf einer Sondersitzung beschloss die Bank von Japan am Dienstag, die geldpolitischen Zügel weiter zu lockern und dem Markt rund zehn Billionen Yen (77 Milliarden Euro) zuzuführen. Auf diese Weise wollen die Währungshüter der Regierung bei der Bekämpfung des Preisverfalls helfen und die Wirtschaft weiter auf Erholungskurs halten. Zugleich beließ die Bank von Japan den Leitzins wie erwartet bei 0,1 Prozent.
Die Notenbanker der vom Export abhängigen zweitgrößten Volkswirtschaft hatten sich angesichts der Deflation und der zuletzt rasanten Verteuerung des Yen unter zunehmenden Druck der Regierung gesehen, eine Ankurbelung der Wirtschaft mit geldpolitischen Maßnahmen zu flankieren. In Erwartung, dass die Zentralbank den politischen Wünschen folgen wird, zog die Aktienbörse deutlich an. (dpa-AFX)
Regierung Dubais will nicht für Schulden bürgen
Die Regierung des Emirates Dubai steht nicht für die Milliardenschulden des Staatsfonds Dubai World ein. Zwar gehöre das Unternehmen dem Staat, sagte Dubais Finanzminister Abdul Rahman Al Saleh am Montag. Es verfolge aber verschiedene Aktivitäten und sei Risiken ausgesetzt. „Vom ersten Tag an war klar, dass die Regierung nicht Bürge ist“, sagte der Finanzminister. Es sei ein Fehler anzunehmen, das Unternehmen sei Teil der Regierung. „Dafür gibt es keine Grundlage.“
Die Reaktion auf die Zahlungsprobleme sei völlig überzogen. Die Banken in den Vereinigten Arabischen Emiraten hätten genügend Kapital und Liquidität, um mit der Situation umgehen zu können. (dpa-AFX)
Brüderle will mit Banken mehr Kreditvergabe vereinbaren
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hat angekündigt, mit den deutschen Banken eine stärkere Kreditvergabe vereinbaren zu wollen, um so die Wirtschaft besser in Schwung zu bringen. „Eine allgemeine Kreditklemme kann man derzeit noch nicht feststellen“, betonte Brüderle allerdings. Die Regierung wolle „vorbereitend tätig werden“.
Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger warnte unterdessen die Bundesregierung vor einer Überreaktion. „Die Daten zur Kreditvergabe rechtfertigen derzeit keine pauschale politische Intervention am Kreditmarkt“, sagte der Würzbürger Ökonom, der Mitglied des Sachverständigenrats (SVR) der Bundesregierung ist, der Tageszeitung „Die Welt“.
„Bisher ist nicht zu erkennen, dass die Finanzkrise hier zu besonderen Engpässen führt“, sagte er der „Welt“. Die Unternehmen schätzten den Zugang zu Krediten derzeit sogar als weniger schwierig ein als etwa 2003 und 2004. „Deshalb wäre es höchst problematisch, wenn die Politik nun direkt in die Kreditvergabe eingreifen würde“, so Bofinger. Sinnvoller sei es, den Bankensektor zügig zu stärken indem etwa in Abwicklungseinheiten ausgelagert würden.
„Es gibt keine Hinweise für eine Kreditklemme. Aber in der Arbeitsgruppe Wirtschaft der CDU sitzen ein paar einflussreiche Unternehmer, die sich über gestiegene Zinsen aufregen“, heißt es in Unionskreisen. Diese seien für den Aktionismus verantwortlich. (Dow Jones)
Australiens Notenbank strafft Geldpolitik erneut
Die australische Zentralbank hat ihren Leitzins weiter erhöht. Wie der Geldpolitische Rat der Reserve Bank of Australia (RBA) am Dienstag mitteilte, wird der Leitzins um weitere 25 Punkte auf 3,75 Prozent angehoben. Volkswirte hatten diesen Schritt erwartet, an den Terminmärkten war eine Straffung allerdings nur zu 56 Prozent eingepreist gewesen. Im Oktober war Australien das erste G-20-Land, das nach der globalen Finanzkrise wieder die Geldpolitik gestrafft hatte. Nach der Anhebung im November
wurde nun bereits die dritte Sitzung in Folge das Zinsniveau erhöht.
Nach Ansicht von Beobachtern verlangt die sich rapide erholende Wirtschaft Australiens eine allmähliche Rücknahme der geldpolitischen Stimulierung. Die nächste Ratssitzung findet erst am 2. Februar 2010 statt. (Dow Jones)
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |