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Marktbericht „Saddameffekt" führt Dax auf neues Jahreshoch

15.12.2003 ·  Die Festnahme Saddam Husseins und die beschlossenen Reformen in Deutschland führten den Dax zunächst auf ein neues Jahreshoch und stützten auch den Dollar. Nun scheinen die Marktteilnehmer durchzuatmen.

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Nach seinem Sprung auf ein neues Jahreshoch bei 3.930 Zählern im frühen Handel tendiert der Dax am Montag seitwärts. Der Index liegt am frühen Nachmittag mit einem Plus von 0,97 Prozent bei 3.897,66 Punkten.

Vor allem die Festnahme von Saddam Hussein, aber auch der Kompromiss zum Vorziehen der Steuerreform beflügeln die Stimmung. Das Ergebnis des Vermittlungsausschusses wird von Händlern überwiegend begrüßt. Die Schritte hätten zwar nur einen geringen Einfluß auf das Wachstum, aber die Einigung sollte das Vertrauen von Verbrauchern und Unternehmen in die Reformfähigkeit Deutschlands eher stärken.

Konsumwerte unter Druck

Bis auf Henkel, Metro, Schering und der Deutschen Post liegen alle Daxwerte mit deutlichen Gewinnen im Plus. Marktteilnehmer sehen vor allem die Versicherer als Profiteure der Beschlüsse im Vermittlungsausschuß, nach denen sich die Teilnehmer auf Steuererleichterungen für Lebens- und Krankenversicherer geeinigt haben. Offenbar sollen die Unternehmen für die Jahre 2001 bis 2003 Beteiligungserlöse steuerpflichtig stellen und damit Verluste aus diesen Geschäften von der Steuer absetzen können. Allianz gewinnen 2,2 Prozent auf 96,73 Euro und Münchener Rück 1,51 Prozent auf 94,50 Euro. Tui liegen nach Berichten über einen leichten Anstieg der Winterbuchungen mit 2,29 Prozent auf 16,50 Euro im Plus.

Lufthansa bauen anfängliche Gewinne weiter aus und gewinnen 3,3 Prozent auf 13,12 Euro. Berichte über weitere Einsparungen im Bereich Cargo beflügeln ebenso wie die Erleichterung über die Festnahme Saddams. “Die gesamte Branche wird überproportional profitieren, wenn sich die Konjunktur im nächsten Jahr belebt“, sagt ein Händler. Die jüngst angehobene Prognose der Lufthansa stimme zuversichtlich.

Die geplante Übernahme des amerikanischen Unternehmens Dial durch Henkel wird von Händlern positiv bewertet. Aus finanzieller Sicht sei das Vorhaben gut, jetzt müsse man noch prüfen, wie gut das neue Unternehmen zu dem Portfolio von Henkel passe. Allerdings benötigen die Bereiche Kosmetik- und Gesichtspflege nach wie vor eine Stärkung. Die Henkel-Aktie verliert derzeit 2,12 Prozent auf 60,40 Euro.

Metro und KarstadtQuelle fallen ebenfalls deutlich. Grund sei die Enttäuschung darüber, daß die Steuerreform nur halb komme. Vor allem für Konsumenten falle die Entlastung gering aus, sie sei deutlich unter der Zielmarke geblieben. Metro verlieren 2,19 Prozent auf 35,70 Euro, KarstadtQuelle 6,75 Prozent auf 20,99 Euro.

Euro, Renten, Gold und Öl geben leicht nach

Am Devisen- und am Rentenmarkt kam es nach der Verhaftung Saddam Husseins zunächst ebenfalls zu deutlichen Reaktionen. So hatte der Dollar gegen den Euro von etwas 1,23 Dollar je am Freitag im späten amerikanischen Handel auf bis zu 1,2132 Dollar im frühen asiatischen Handel zugelegt. Im europäischen Handel hat er allerdings schon wieder den größten Teil seiner Kursgewinne aufgegeben und liegt bei 1,2235 Dollar je Euro. Ähnlich sieht die Entwicklung von Dollar-Yen, beim Gold, beim Öl und nicht zuletzt an den Rentenmärkten aus.

Diese Entwicklung macht deutlich, daß der „Saddameffekt“ relativ schnell verpufft zu sein scheint. Auf der einen Seite hatten manche Analysten- und Marktteilnehmer damit argumentiert, die Verhaftung würde die Sicherheitslage verbessern und das Vertrauen der Marktteilnehmer erhöhen. Dagegen dürfte allerdings schon die jüngsten Attentate im Irak mit mehreren Toten sprechen.

Grundsätzlich dürfte sich für die Finanzmärkte wenig geändert haben. Die Stimmung an der Börse ist optimistisch, die Renten- und der Devisenmärkte blicken jedoch weiterhin auf die Zinsentwicklung und die fundamentalen Ungleichgewichte. Auf dieser Basis dürfte der Dollar weiterhin in der Defensive bleiben - gegen den Yen nehmen die „Shorts“ sogar trotz der jüngsten Interventionen der japanischen Zentralbank wieder zu und auch der Rentenmarkt dürfte vorerst bei deutlichen Kursschwankungen auf der Stelle treten.

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