Nach einem kurzen Intermezzo ins Plus im frühen Verlauf bleibt dem Dax bis zum Dienstagmittag die Rückkehr in die Gewinnzone versagt. Der Leitindex pendelte nach Aussage eines Händlers lange Zeit “lustlos“ in einer engen Spanne zwischen 2.920 und 2.940 Punkten seitwärts. Gegen 14.00 Uhr ist der Dax nun aber sogar um 0,98 Prozent auf 2.908,52 Zähler abgebröckelt. Alle anderen großen europäischen Leitindizes zeigen sich dagegen im Plus.
Der Markt suche einmal mehr „in typisch deutscher Manier“ das Negative, lautet eine Stimme aus dem Handel. Mit fundamentalen Nachrichten ließen sich die aktuellen Kursschwankungen des Dax kaum noch begründen.
Neue Zahlen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zum Geschäftsklima in Deutschland werden vom Markt mit einem “Achselzucken“ abgetan, wie ein Händler kommentiert. Die Aussagekraft des Index werde geringer eingeschätzt als noch vor Monaten.
Belastet wird der deutsche Markt weiterhin von den hohen Verlusten der HypoVereinsbank und MAN sowie einmal mehr von den schwachen Automobilwerten. Zulegen können Deutsche Telekom, Deutsche Post und TUI. Neue Impulse dürften von Unternehmenszahlen aus den USA ausgehen. Dort werden Applied Materials und Wal-Mart über das erste Quartal berichten, erstere allerdings erst nach Börsenschluss. „Was derzeit wirklich zählt, sind Unternehmensgewinne“, meint ein Beobachter.
MAN größter Verlierer im Dax
HypoVereinsbank liegen nach Bekanntgabe von Zahlen für das erste Quartal mit 5,1 Prozent im Minus bei 11,59 Euro. „Vor allem das schlechte Handelsergebnis hat enttäuscht“, sagt ein Marktteilnehmer. Das Minus müsse man aber vor dem Hintergrund des jüngsten starken Kursanstiegs sehen - in nur einem Monat habe sich die Aktie fast verdoppelt. „Da laden die Zahlen zu Gewinnmitnahmen ein“, sagt der Händler. MAN brechen nach schwachen Zahlen des Industriekonzerns aktuell um 8,3 Prozent auf 14,46 Euro ein. Die Analysten der WestLB bezeichnen sowohl die Zahlen als auch den Ausblick als enttäuschend.
Linde setzen die Talfahrt fort und verlieren 2,3 Prozent auf 31,25 Euro. Hier wirkten die pessimistischen Aussagen des Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Reitzle vom Vortag fort, heißt es im Handel. Automobilwerte leiden wie schon am Montag unter der Furcht der Investoren, dass ein schwacher Dollar immer größere Teile der erwarteten Gewinne auffressen könnte. Öl ins Feuer gießen die Analysten von Goldman Sachs: Sie stufen den europäischen Automobilsektor auf “Neutral“ von “Attractive“ ab. Auch sie sind besorgt wegen der möglichen Folgen der Abwertung von Dollar und britischem Pfund auf die langfristige Profitabilität.
Depfa-Bank herausragend im MDax
Im MDax springen die Aktien der Depfa-Bank nach guten Erstquartalszahlen um 11,1 Prozent auf 55,50 Euro. Die Aktie profitiert auch von der Anhebung der Prognose durch die Depfa für das laufende Jahr. Der MDax selbst rückt um 0,6 Prozent auf 3.278 Punkte vor, der TecDax um 0,7 Prozent auf 393 Punkte. Damit erweisen sich die Neben- und Tech-Werte einmal mehr fester als die Dax-Schwergewichte. Die Notierungen am Rentenmarkt tendieren knapp behauptet. Die Feinunze Gold wird zum Vormittags-Fixing in London mit 350,75 Dollar bezahlt.
