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Marktbericht Kurssturz an Europas Börsen

25.05.2010 ·  Die Aktienkurse standen am Dienstag unter Druck. Die Besorgnis über die europäische Schuldenproblematik und die Spannungen in Korea sorgen branchenübergreifend für ausgeprägte Verkaufsorders, heißt es.

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Der deutsche Aktienmarkt ist am Dienstag belastet von Sorgen um das spanische Bankensystem und die politische Situation in Korea tief in die Verlustzone gerutscht. Der Dax fällt um 2,3 Prozent auf 5670 Punkte, machte damit aber im Handelsverlauf einigen Boden gut. Das Tagesminus hatte bei einem Abschlag von 3,4 Prozent auf 5608 Punkte gelegen.

Der MDax fiel indes um 4,3 Prozent auf 7429 Punkte und schloss damit wenig über seinem Tagestief, ebenso wie der TecDax, der 4,5 Prozent auf 691 Punkte verlor. Insgesamt verzeichnen im HDax mit allen Werten aus den führenden Indizes lediglich die Aktien von Fresenius Medical Care und Carl Zeiss Meditec leichte Kursaufschläge.

Spanien und Korea sorgen für Unruhe

Die Furcht vor einer Ausweitung der Schuldenkrise auf Spanien verstärkt die Verunsicherung an den Finanzmärkten. Die Kurse an den weltweiten Aktienbörsen und der Euro rauschten am Dienstag in den Keller. Die Anleger flüchten weiter in die als relativ sicher geltenden deutschen Staatsanleihen.

Nachdem am Wochenende die spanische Notenbank eine kriselnde Regionalsparkasse übernommen hatte, geht an den Märkten die Angst um, dass weitere Finanzinstitute straucheln könnten. „Das ist ein nahrhafter Boden für Unsicherheit nach der Griechenland-Krise. Und Spanien ist ein ganz anderes Kaliber“, sagte ein Aktienhändler.

Neben der Schuldenkrise sorgten Nachrichten aus der Politik für zusätzliche Nervosität. „Die Schlagzeilen zu Korea lösen noch ganz neue Ängste aus, die den Aktienmarkt merklich belasten“, merkte Ruland an. „Da ist die Angst vor einem neuen Krieg, der viel Geld kosten könnte.“ Im schwelenden Grenzkonflikt hatte Nordkorea dem Süden mit einem Militärschlag gedroht. Zudem brach das kommunistisch regierte Land alle Beziehungen mit Südkorea ab.

In Deutschland trübte auch die überraschende Rücktrittsankündigung des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch die Stimmung. „Dass er jetzt die Ämter niederlegt, spricht nicht unbedingt für die Stabilität der aktuellen Regierungskoalition“, sagte Helaba-Marktanalyst Christian Schmidt.

Banken Europas werden kritisch betrachtet

Zu den Verlierern an den Aktienmärkten zählten insbesondere Finanzwerte. „Mit weiteren Rettungsmaßnahmen innerhalb des spanischen Bankensektors muss man wohl rechnen“, sagte Marktstratege Heino Ruland von Ruland Research. Neben den Sparkassen könnten auch Großbanken wegen ihres Engagements im Immobiliensektor Probleme haben. Spanien leidet vor allem unter den Folgen einer geplatzten Immobilienblase. Der Leitindex Ibex35 büßte drei Prozent ein.

Die Aktien der drei großen Banken Santander, BBVA und Banco Popular rutschten bis zu 5,3 Prozent ab. Auch spanische Staatsanleihen wurden verkauft, der Risikoaufschlag der zehnjährigen Anleihen gegenüber Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit stieg auf 155 Basispunkte.

Der europäische Stoxx-Bankenindex verlor 3,6 Prozent. „In dem aktuellen Umfeld, in dem wild darüber spekuliert wird, welche Bank als nächstes Ärger haben wird, will jeder nur noch raus aus Aktien“, sagte ein Händler. In Frankfurt gaben die Papiere von Deutscher Bank und Commerzbank zwei beziehungsweise drei Prozent nach.

Stahl in der Defensive

Stark unter Druck standen auch die Stahlwerte: Die Kurse von Thyssen-Krupp, Salzgitter und Klöckner & Co (KlöCo) fallen allesamt um mehr als 4 Prozent. KlöCo-Vorstandschef Gisbert Rühl hatte in einem Zeitungsinterview von Überkapazitäten am Markt gesprochen, weshalb er in den kommenden Monaten sinkende Stahlpreise erwarte. Entscheidend für den Markt sei, ob die Hersteller in den kommenden Monaten wieder Kapazitäten stilllegten, da ansonsten die Margen unter Druck gerieten.

Die Analysten von Cheuvreux prognostizieren in einer Branchenstudie, dass die europäischen Stahlpreise im dritten Quartal dieses Jahres um 15 bis 20 Prozent nachgeben. Das führe dazu, dass an dem negativen Ausblick auf die Branche festgehalten werde. Hinzu kam, dass die UBS die Kursziele für alle drei Stahlwerte senkte.

Infineon im Ausverkauf

Größter Verlierer im Dax waren die Aktien von Infineon, deren Kurs um mehr als 9 Prozent auf 4,209 Euro fiel. Sandeep Deshpande, Analyst bei J.P. Morgan senkte seine Einstufung für die Aktie von „Overweight“ auf „Neutral“ und kürzte das Kursziel von 6,50 auf 5,50 Euro. Er geht davon aus, dass die Marge im September-Quartal ihren Höhepunkt erreichen wird. Insgesamt sieht er für die Halbleiterbranche in seiner Branchenstudie die Gefahr einer Abschwächung der Auftragslage.

Gegen den Trend schlossen Fresenius Medical Care 0,2 Prozent fester auf 38,89 Euro. Der Dialysespezialist hat sich mit der thailändischen Klinik Bumrungrad auf die Übernahme von Asia Renal Care geeinigt, einem führenden Dialyseanbieter im asiatisch-pazifischen Raum. Börsianer loben diesen Schritt als strategisch sinnvoll und verweisen zudem auf den defensiven Charakter der FMC-Aktie.

Aixtron und Carl Zeiss Meditec markieren die Exterme im TecDax

Aixtron notierten indes mit einem Kursminus von 13,1 Prozent auf 19,60 Euro am Ende des TecDax'. Belastend wirkte eine Studie von J.P. Morgan, in der die Einschätzung der Papiere des auf Leuchtdioden-Anlagen spezialisierten Maschinenbauers von „Overweight“ auf „Neutral“ und das Kursziel von 30 auf 20 Euro gesenkt wurden.

Papiere von Carl Zeiss Meditec stemmen sich gegen den schwachen Markt und waren mit einem Plus von 0,6 Prozent auf 11,095 Euro der beste Wert im TecDax. HSBC-Analyst Jan Keppeler nahm die Bewertung der Aktien des auf Augenheilkunde spezialisierten Medizintechnik-Konzerns mit „Neutral“ und einem Kursziel von 12,50 Euro auf. Das Unternehmen verfüge über ein stabiles Geschäftsmodell und die Aussichten für die Margenentwicklung seien ebenfalls positiv.

Banken und Korea-Konflikt ziehen Wall Street ins Minus

Sorgen über den europäischen Bankensektor und das nordkoreanische Säbelrasseln ziehen auch die amerikanischen Aktienmärkte am Dienstag ins Minus. Vor allem die Turbulenzen auf dem spanischen Bankenmarkt halten die Wall Street weiter in Atem.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor 1,5 Prozent auf 9914 Punkte und rutscht damit erneut unter die Marke von 10.000 Punkten. Der S&P-Index gibt 1,5 Prozent auf 1057 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sinkt um 1,4 Prozent auf 2183 Zähler.

„Die Sorge vor einem Überspringen der Krise zieht die Märkte nach unten. Es herrscht nun wirklich so etwas wie Panik“, sagt Analyst Marc Pado von Cantor Fitzgerald & Co in San Francisco zu der Sorge um den spanischen Bankensektor. Es sei aber fraglich, ob die amerikanische Wirtschaft wirklich dermaßen von den Problemen im europäischen Raum in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Die Marktreaktion sei so gesehen übertrieben.

Die Anleger trennen sich vor allem von Aktien aus dem Finanz- und Industriesektor. Titel der Bank of America verlieren 2,1 Prozent, ebenso die des Aluminiumkonzerns Alcoa. Die Aktien des Baugeräteherstellers Caterpillar verlieren 2,3 Prozent. Auch Papiere aus dem Rohstoffsektor stehen auf den Verkaufslisten: So geben die Anteilsscheine von Chevron 2,1 Prozent nach.

Daten vom amerikanischen Immobilienmarkt trüben die Stimmung zusätzlich. Der S&P/Case-Shiller-Index für Hauspreise zeigte kurz vor Handelseröffnung, dass die Preise im März im Vergleich zum Vormonat stabil geblieben sind. Im ersten Quartal sind sie allerdings gefallen, da das Auslaufen von Steuervergünstigungen den Preisdruck erhöhte. Anleger beobachten die Entwicklung am Häusermarkt genau, da hier die Finanzkrise ihren Ausgang nahm und eine Besserung damit als Voraussetzung für eine tiefgreifende Erholung der amerikanischen Wirtschaft gilt.

Quelle: Quellen: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, F.A.Z.
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