10.05.2010 · An den Aktienmärkten hat der EU-Rettungsschirm für strauchelnde Mitgliedsländer für große Erleichterung gesorgt. Der Dow-Jones-Index kletterte um 3,9 Prozent auf 10.785 Punkte. Zuvor ging der Dax sogar mit einem Plus von 5,3 Prozent aus dem Handel.
Der beschlossene milliardenschwere Rettungsschirm für die Euro-Zone hat am Montag die Börsen mit deutlichen Kursgewinnen in die Woche starten lassen. In Amerika kletterte der Dow Jones Industrial Average um 3,90 Prozent auf 10.785 Punkte, nachdem er am vergangenen Freitag noch im Wochenvergleich mit einem satten Minus von knapp sechs Prozent geschlossen hatte. Der breiter gefasste S&P-500-Index gewann 4,40 Prozent auf 1159,73 Zähler. Der Nasdaq-100-Index legte um 5,04 Prozent auf 1942,61 Zähler zu, der Composite-Index war mit 4,81 Prozent auf 2374,67 Zähler im Plus.
Im Fokus standen angesichts des europäischen Rettungsschirms einmal mehr Finanzwerte. Ähnlich wie zuvor schon an den europäischen Börsen ging es für die Papiere durchweg nach oben. Papiere der Bank of America gewannen 6,92 Prozent auf 17,30 Dollar, Titel von JPMorgan waren mit 2,92 Prozent bei 41,95 Dollar im Plus, Anteilsscheine der Citigroup stiegen um 5,50 Prozent auf 4,22 Dollar. Dagegen konnten Aktien von Goldman Sachs nur leicht um 0,69 Prozent auf 143,98 Dollar zulegen. Der Bank drohen im Zusammenhang mit den Betrugsvorwürfen weitere Ermittlungen der US-Börsenaufsicht SEC.
Den Papieren des Flugzeugbauers Boeing kam eine Hochstufung der Analysten von Goldman Sachs zugute. Die Aktien legten um 6,41 Prozent auf 71,00 Dollar zu und gehörten damit zu den Favoriten im Dow Jones.
Dax gewinnt über 5 Prozent
Mit einem Kursfeuerwerk hatte zuvor schon der deutsche Aktienmarkt am Montag den beispiellosen Rettungsschirm der EU für angeschlagene Länder der Eurozone gefeiert. Der Dax eroberte sogar kurz vor Handelsschluss die Marke von 6.000 Punkten zurück. Mit seinem Plus von 5,3 Prozent auf 6.017,91 Punkten machte der deutsche Leitindex damit einen Großteil seiner kräftigen Verluste der Vorwoche wett und verzeichnete den deutlichsten Anstieg seit 13 Monaten. Der MDax gewann 7 Prozent auf 8170 Punkte und der TecDax rückte um 4,5 Prozent auf 780 Punkte vor.
Die EU hatte am Wochenende gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ein Paket von 750 Milliarden Euro geschnürt, das Börsianer als „beispiellos“ bezeichneten. „Ein eindeutigerer Schritt wäre kaum vorstellbar gewesen. Es war die richtige Maßnahme zur richtigen Zeit, die vielen Spekulanten den Wind aus den Segeln genommen und eine blutige Nase beschert hat“, kommentierte Thilo Müller Fondsmanager bei MB Fund Advisory die jüngste Entwicklung.
Doch die Regierungen hätten sich damit nur Zeit erkauft und müssten nun ihre Hausaufgaben machen, um ihre Haushaltslage in den Griff zu bekommen, ergänzte der Experte.
Bankenaktien profitieren
Zu den größten Profiteuren des Rettungsschirms gehörten Finanzwerte, denen auch die Entschlossenheit der Europäischen Zentralbank (EZB) in die Karten spielte. Präsident Jean-Claude Trichet kündigte am Montagmorgen in Frankfurt an, dass die Notenbank zur Not auch Anleihen von hoch verschuldeten Staaten oder auch privaten Schuldnern ankaufen werde.
Der Aktienkurs der Deutschen Bank sprang um 13 Prozent auf 51,69 Euro, Commerzbank-Titel legten 9 Prozent auf 6,218 Euro zu. Postbank gewannen 8,2 Prozent auf 24,555 Euro und Anteilsscheine der Allianz 8,3 Prozent auf 82,03 Euro
NRW-Wahl kann Versorger-Aktien nichts anhaben
Im Mittelpunkt standen auch die Versorger RWE und Eon. Die Abwahl der schwarz-gelben Koalition in Nordrhein-Westfalen und der damit verbundene Verlust der Regierungsmehrheit im Bundesrat dürfte Händlern und Analysten zufolge für Verunsicherung bezüglich der geplanten Laufzeitverlängerungen für Kernkraftwerke sorgen. Die Titel der beiden Versorger gewannen dennoch 2,4 bzw 2,7 Prozent, entwickelten sich damit aber deutlich schlechter als der Dax.
Zahlen gab es unter anderem von Bilfinger Berger. Der Bau- und Dienstleistungskonzern bekräftigte seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr, nachdem der Gewinn im ersten Quartal nach Händlereinschätzungen deutlich über den Erwartungen lag. Der Aktienkurs stieg um 11,65 Prozent auf 49,23 Euro und gehörten damit zu den Favoriten im MDax.
Ähnlich gut erging es den Titeln des Autozulieferers Elring-Klinger, der seine Prognose angehoben und im ersten Quartal beim Gewinn ebenfalls über den Erwartungen gelegen hatte. Die Titel waren mit einem Plus von 15,1 Prozent auf 20,885 Euro an der Spitze des MDax zu finden.
Nach Zahlen bewegt waren auch die Papiere von QSC, die 10,3 Prozent auf 1,50 Euro zulegten. Der auf Geschäftskunden spezialisierte Telekomanbieter verdiente unterm Strich mehr als doppelt so viel als im Vorjahr. Im TecDax standen außerdem die Aktien von Evotec im Mittelpunkt und stiegen wegen einer Kooperation mit Genentech um 6,6 Prozent auf 1,949 Euro. Nordex legten nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 7,5 Prozent auf 7,29 Euro zu.
Anleihenkurse fallen
Am deutschen Anleihenmarkt sind die Kurse am Montag nach der Einigung auf einen Rettungsschirm für hoch verschuldete Mitgliedsstaaten der Euro-Zone eingebrochen. Der richtungweisende Euro-Bund-Future fiel um 144 Basispunkte auf 125,53 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 2,95 Prozent. „Die Wünsche der Märkte wurden von den EU-Gremien in vollem Umfang erfüllt“, kommentierten Experten der Commerzbank die Stimmung unter den Anlegern. Der Umfang des Rettungspakets sei größer als erwartet, und die zusätzlichen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) sollten sicherstellen, dass die Nervosität an den Märkten gedämpft werde. Angesichts des schieren Umfangs der Entscheidungen sollte diese Wirkung jedoch länger anhalten als zuvor.
Der Euro, dessen Außenwert Ziel des Handelns von EZB und Regierungen war, konnte seine Kursgewinne über den Tag dagegen nicht halten. Dieser hatte sich nach der Ankündigung des Rettungsschirms zunächst erholt und war auf 1,31 Dollar gestiegen. Im späten Handel wurde er dagegen nur noch mit einem Tagesplus von 1 Prozent auf 1,28 Dollar je Euro gehandelt.
Das Rettungsprogramm stoppte auch vorläufig den Höhenflug des Goldpreises. Am Montag fiel der Preis des Edelmetalles auf 1197 Dollar. Mit knapp 1200 Dollar je Feinunze hält sich der Goldpreis aus Sicht der Commerzbank aber nach wie vor auf einem hohen Niveau. Bezogen auf die europäische Währung hatte Gold am Freitag bei 960 Euro je Unze nochmals einen Rekordstand erreicht. Auch wenn kurzfristig Sorgen gedämpft worden seien, blieben langfristige Unsicherheiten über die Stabilität des Euroraums bestehen. Dies dürfte den Goldpreis tendenziell weiter stützen, schreibt die Commerzbank.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |