Nach seinem starken Jahresauftakt hat der Dax am Mittwoch unter Gewinnmitnahmen gelitten. Der deutsche Leitindex, der in den ersten beiden Handelstagen des neuen Jahres um rund viereinhalb Prozent zugelegt hatte, verlor 0,9 Prozent auf 6112 Punkte. Der F.A.Z.-Aktienindex schloss 0,8 Prozent niedriger bei 1365 Punkten.
Der Euro Stoxx 50, Index auf Standardwerte aus dem Euroraum, verlor bis Handelsschluss 1,7 Prozent auf 2350 Punkte. Bei den deutschen Indizes der zweiten Reihe fielen die Abschläge etwas moderater aus: So büßte der M-Dax mittelgroßer Werte 0,4 Prozent auf 9190 Punkte ein, und der Tec-Dax sank um 0,6 Prozent auf 707 Punkte.
Händlerin Anita Paluch von Gekko Global Markets sah die Sorgen um die Schuldenkrise der Eurozone wieder etwas auf dem Vormarsch. Immerhin stehe im ersten Quartal die Refinanzierung von insgesamt 157 Milliarden Euro an Staatspapieren an. Die Aufnahme neuer Anleihen am Markt werde entsprechend interessiert verfolgt.
Nordex im Tec-Dax unter Druck
Eine erneute Zielsenkung des Wettbewerbers Vestas Wind Systems hat am Mittwoch auch die Aktien von Nordex belastet. Die Aktien des deutschen Windenergie-Spezialisten verloren in der Spitze 5,3 Prozent auf 4,07 Euro und gingen mit einem Kursabschlag von 4,5 Prozent bei 4,104 Euro aus dem Handel. Damit zählte Nordex zu den Tagesverlierern im Tec-Dax. Die Vestas-Papiere brachen in der Spitze um 21 Prozent ein und schlossen 13,3 Prozent niedriger bei 56,25 dänischen Kronen.
Marktteilnehmer sprachen von einer weiteren negativen Überraschung des dänischen Unternehmens. Vestas senkte am Vorabend seine Prognosen für 2011 zum zweiten Mal seit Oktober 2011 und machte dafür Verzögerungen bei Projektabschlüssen vor allem in Europa verantwortlich.
Vestas rechnet nun mit 6 statt bisher 6,4 Milliarden Euro Umsatz. Mit einem Gewinn rechnet das Unternehmen nicht mehr. „Überkapazitäten halten Preise und Margen unter Druck“, kommentierte ein Börsianer. „Die Warnung ist extrem negativ, nachdem Vestas erst vor einigen Tagen seine Ziele für das Geschäftsjahr 2011 bestätigt hat.“ Das bremse auch den jüngsten Kursanstieg der Nordex-Aktien aus.
HSBC stuft Vestas runter
HSBC-Analyst Sean McLouglin stufte Vestas nach der „Neujahrsüberraschung“ von „Neutral“ auf „Underweight“ ab. Dies sei erneut ein schwerer Schlag für das Vertrauen der Anleger, das sich ohnehin an einem Tiefpunkt befinde. Operative Probleme verhagelten den starken Auftragseingang und höhere Kosten für neue Turbinen dürften die Profitabilität auch 2012 weiter belasten. Die Goldman-Sachs-Analysten senkten die Prognose für das Kursziel.
Goldman Sachs senkte das Kursziel für Vestas von 73 auf 68 dänische Kronen, beließ die Einstufung aber auf „Neutral“. Analyst Stephen Benson kürzte wegen der Gewinnwarnung seine Ergebnisschätzungen für 2011 deutlich. Nun dürften alle Augen auf die bevorstehende Management-Präsentation gerichtet sein, in der der Windkraftanlagenbauer umfassende Restrukturierungen umreißen werde, so Benson.
Positive Signale
Aus Deutschland kamen indes positive Signale: Der Bund hat seine erste Anleihe-Auktion im neuen Jahr unfallfrei über die Bühne gebracht. Zudem honorierten die Kapitalmärkte die Sanierungsbemühungen vom Schuldensünder Portugal. Das pleitebedrohte Euro-Land bekam frisches Geld zu den niedrigsten Zinsen seit dem Hilfsantrag im April vergangenen Jahres.
Die deutschen Anleihen haben am Mittwoch nahezu unverändert tendiert. Am Vormittag hatte eine gelungene Auktion von deutschen Zehnjahrespapieren den Bund-Future zwar noch auf ein Tagestief bei 137,77 Punkten gedrückt.
Neue Zweifel
Bis zum frühen Abend holte der richtungsweisende Kontrakt die Verluste jedoch wieder auf. Zuletzt notierte er bei 138,20 Punkten und damit in etwa auf Vortagesniveau. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 1,904 Prozent.
Experten erklärten die Kurserholung im Nachmittagshandel vor allem mit Sorgen um den Bankensektor der Eurozone. Die Schuldenkrise sei damit zurück in den Fokus der Investoren befördert worden und habe die Risikoaversion wieder erhöht. So musste die italienische Großbank Unicredit bei ihrer benötigten Kapitalerhöhung eine bittere Pille schlucken und die neuen Aktien noch billiger als ohnehin befürchtet anbieten.
Zuvor hatte die erste deutsche Anleihe-Auktion im neuen Jahr den Bund-Future noch belastet. Bei robuster Nachfrage stockte die Bundesregierung Papiere mit zehnjähriger Laufzeit um 4,057 Milliarden Euro auf. Angestrebt hatte sie bis zu 5 Milliarden Euro.
