Der deutsche Aktienmarkt baut seine kräftigen Kursgewinne vom Jahresauftakt am Dienstag noch aus. Vor der Veröffentlichung des wichtigen nationalen amerikanischen Einkaufsmanagerindex macht sich zum Mittag gleichwohl eine abwartende Haltung breit. Der Dax steigt um 1 Prozent auf 6139 Punkte, nachdem er im Tageshoch schon knapp 30 Zähler höher gelegen hatte. Der marktbreite FAZ-Index gewinnt ebenfalls 1 Prozent auf 1368 Zähler hinzu.
Konjunkturhoffnungen versus Gewinnmitnahmen
„Kurstreiber waren bessere Einkaufsmanager-Indizes aus Asien, jetzt sind die Vereinigten Staaten gefragt“, sagt ein Händler mit Blick auf die jüngsten überraschenden Kursgewinne. Für den ISM-Index aus den Vereinigten Staaten rechnen Volkswirte mit einem Anstieg auf 53,5 nach zuvor 52,7 Punkten. Sollte die Erwartung übertroffen werden, könnte der Aktienmarkt noch weiter zulegen. „Die Märkte sind völlig untergewichtet ins Jahr gegangen, jede bessere Konjunkturzahl dürfte daher für Positionsaufstockungen sorgen“, sagt ein Händler.
Ein anderer Börsianer warnt vor überzogenen Erwartungen. „Es ist schon erstaunlich, wie der Markt den großen Haufen ungelöster Probleme einfach ignoriert.“ Angesichts der Schuldenkrise und des milliardenschweren Refinanzierungsbedarfs
europäischer Staaten und Banken neige er dazu, jeder Kurserholung für Gewinnmitnahmen zu nutzen.
Ein zentrales Thema der laufenden Handelswoche dürfte auch nach Ansicht der Analysten von IG Markets indes die finanzielle Situation der Euro-Staaten werden. So stehe am heutigen Tag unter anderem die Auktion kurzlaufender französischer Staatsanleihen im Blick. Diese zeige, welchen Risikoaufschlag die Investoren von den europäischen Schuldnern verlangen, hieß es von Anleiheexperten. Auf die besser als erwartet ausgefallenen Arbeitsmarktdaten aus Deutschland reagierte der Markt indes kaum.
Autobauer gesucht
Gesucht sind Aktien der Automobilhersteller. „Der Markt spielt jetzt die Hoffnung, dass der Konjunktureinbruch nicht so stark kommt, wie er bislang eingepreist ist“, heißt es. Dies zeigten besonders die besseren Einkaufsmanager-Indizes aus Asien. Daimler ziehen um 2,6 Prozent auf 36,28 Euro an, BMW rücken um 3,1 Prozent auf 54,79 Euro vor. K+S gewinnen im Sog der starken europäischen Rohstoffwerte 2,2 Prozent auf 36,525 Euro an.
Mit unveränderter Tendenz bleiben Deutsche Telekom hinter dem Gesamtmarkt zurück. Die Societe Generale hat Telekommunikationswerte auf „Underweight“ gesenkt und die Deutsche Telekom von der Premium-Liste gestrichen. Allerdings wird die Telekom-Aktie weiter zum Kauf empfohlen. Telekom geben um 0,1 Prozent nach auf 9,17 Euro.
Übernahmegerüchte treiben Aktienkurs von Deutz
Deutz setzen sich vom breiten Markt ab und legen um 6,8 Prozent zu auf 4,47 Euro zu. „Die Aktie wird von Übernahmegerüchten getrieben“, sagt ein Händler. Nach chinesischen Presseberichten ist der chinesische Partner im Gemeinschaftsunternehmen Weifang Weichai
Deutz an einer Übernahme interessiert. „Das passt genau in die deutsche Themenlandschaft, dass viele Maschinenbauer hierzulande wegen der Finanzkrise unterbewertet sind und von Chinesen aufgekauft werden könnten“, so der Händler weiter. Ein Sprecher von Deutz wollte ein Angebot nicht bestätigen. Analysten halten die Gerüchte für sehr spekulativ. Deutz habe Deutz zwei Ankeraktionäre, die einer Übernahme im Wege stehen dürften.
Angetrieben von einem positiven Analystenkommentar verteuern sich die Aktien von Sky Deutschland um 6,9 Prozent auf 1,54 Euro. Händlern zufolge haben die Analysten der Royal Bank of Scotland das Papier des Bezahlfernsehsenders von „Hold“ auf „Buy“ hochgestuft.
