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Marktbericht Deutliche Verluste für Dax und Dow

29.06.2010 ·  Bedenken über eine Abschwächung der weltweiten Konjunkturdynamik und schwache Daten aus Amerika belasteten die Aktienmärkte am Dienstag. Rohstoff- und Finanzwerte sowie Aktien zyklischer Unternehmen stehen deutlich unter Druck.

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Schwache Konjunkturanzeichen aus den Vereinigten Staaten und Asien haben dem deutschen Aktienmarkt am Dienstag einen herben Rücksetzer beschert. Nach anfänglichen Abgaben rutschte der Dax im Sog der schwachen Wall Street noch weiter ab und unterschritt am Nachmittag die 6000-Punkte-Marke. Der deutsche Leitindex fiel schließlich um 3,33 Prozent auf 5952,03 Punkte. Der MDax büßte 3,75 Prozent auf 8009,02 Punkte ein. Für den TecDax ging es um 3,15 Prozent nach unten auf 733,25 Punkte.

Auch an den amerikanischen Börsen gab es deutliche Verluste. Der S&P-500-Index schloss sogar auf einem neuen Jahrestief. Schwache Daten zum Verbrauchervertrauen in den Vereinigten Staaten, enttäuschende Wirtschaftsdaten aus Japan und die Unsicherheit über fiskalpolitische Bremsmaßnahmen in China und Indien belasteten die Stimmung ebenso wie Sorgen in Europa über das Auslaufen eines Jahrestenders der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Monatsende. „Wir sehen definitiv eine Flucht in Sicherheit“, kommentierte Tom Schrader vom Aktienhandel bei Stifel Nicolaus Capital Markets die Verluste. „Die Leute verkaufen alles, was riskant ist.“

Zum Handelsschluss stand der amerikanische Leitindex Dow Jones Industrial Average 2,65 Prozent tiefer bei 9870,30 Punkten. Damit setzte der Leitindex die Talfahrt der vergangenen Woche fort, nachdem er am Montag fast unverändert geschlossen hatte. Der breiter gefasste S&P- 500-Index verlor 3,10 Prozent auf 1041,24 Punkte und schloss damit so schwach wie seit Ende Oktober 2009 nicht mehr. Noch deutlicher ging es am Dienstag an der Technologiebörse Nasdaq bergab: Der Composite- Index fiel um 3,85 Prozent auf 2135,18 Punkte und der Nasdaq-100- Index verlor 3,92 Prozent auf 1764,06 Punkte.

Amerikanische Konsumenten werden auf tiefem Niveau „unlustiger“

Im Juni war die Stimmung unter den amerikanischen Konsumenten überraschend stark gefallen (siehe Chart unten), während Sorgen über fiskalpolitische Bremsmaßnahmen in China und Indien sowie eine schwache japanische Industrieproduktion schon am Morgen für Verstimmung unter den Anlegern gesorgt hatten.

Die Aktien der Deutschen Bank verloren 4,18 Prozent auf 46,00 Euro, für die Commerzbank-Papiere ging es um 2,92 Prozent nach unten auf 5,81 Euro. Ein Restrukturierungsgesetz für den deutschen Sektor nimmt inzwischen Formen an. Nach einem Gesetzentwurf, der der Deutschen Presse-Agentur dpa am Montagabend in Berlin vorlag, soll der Staat in Schieflage geratene Banken künftig im Notfall zerschlagen können. Derweil kamen Bankenwerte europaweit unter Druck, was Händler auf ein auslaufendes Liquiditätsprogramm der Europäischen Zentralbank zurückführten (siehe auch: Banken zittern vor dem Zahltag am Donnerstag). Die Aktien der Aareal Bank gehörten indes im MDax mit 5,65 Prozent zu den größten Verlierern, nachdem sie am Vortag noch von der Ankündigung einer Rückzahlung staatlicher Hilfsmittel profitiert hatten.

Die Anteilsscheine von Infineon Technologies waren nach jüngsten Quartalszahlen des amerikanischen Konkurrenten Micron Technology der größte Verlierer im Dax. Die Papiere des Chipherstellers gaben um 5,13 Prozent auf 4,831 Euro nach. Micron hatte am Vorabend nach Börsenschluss zwar mit seinen Zahlen im Rahmen der Erwartungen gelegen, enttäuschte allerdings beim Ausblick.

Die Papiere von Bilfinger Berger verbilligten sich um 4,24 Prozent auf 46,03 Euro. Im Zusammenhang mit dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs Anfang März 2009 hat sich nach Angaben der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) der Verdacht auf Fehler beim Ausbau der Kölner U-Bahn erhärtet. Die Aktien von ProSiebenSat.1 hielten sich lange Zeit im Plus, verloren letztendlich aber ebenfalls 1,26 Prozent auf 23,05 Euro. Konzernchef Thomas Ebeling ließ am Montag auf der Hauptversammlung positive Erwartungen zu den Werbebuchungen durchklingen.

Konjunktursorgen schicken Europas Börsen auf Talfahrt

Die globalen Konjunktursorgen haben die europäischen Börsen am Dienstag wieder auf Talfahrt geschickt. Der EuroStoxx 50 schloss nach der Verschnaufpause am Vortag mit Verlusten von 4,21 Prozent bei 2.556,34 Punkten und damit auf dem niedrigsten Stand seit drei Wochen. In Paris büßte der Cac 40 4,01 Prozent auf 3.432,99 Punkte ein. Der Londoner FTSE 100 sank um 3,10 Prozent auf 4.914,22 Punkte. Der spanische Ibex verlor 5,45 Prozent seines Wertes. Besonders schwach zeigten sich die Finanz- und Immobilienwerte.

Euro tendiert leichter - unter 1,22 Euro je Dollar

Mit einer wieder wachsenden Risikoaversion der Investoren bleibt der Euro auch am Dienstagnachmittag unter Abgabedruck und notiert gegen den Dollar weiter unter 1,2200 Dollar. Händler haben mehrere Gründe für die sinkende Risikobereitschaft parat. So fallen die Aktienkurse in Europa und den Vereinigten Staaten deutlich, nachdem die Talfahrt bereits in Asien begonnen hatte, unter anderem weil das amerikanische Forschungsinstitut Conference Board den April-Frühindikator für China stark nach unten revidierte, wegen eines Datenfehlers, wie es heißt. Ein überraschender Anstieg der Arbeitslosenquote in Japan lässt die Marktteilnehmer ebenfalls an der Nachhaltigkeit der Wirtschaftserholung zweifeln. „Außerdem sind die Anleger vor dem Auslaufen des Jahrestenders am Donnerstag nervös“, sagt ein Händler. Am Donnerstag müssen die Banken der Europäischen Zentralbank 442 Milliarden Euro zurückzahlen, den ersten der drei Jahrestender aus dem vergangenen Jahr (siehe auch: Banken zittern vor dem Zahltag am Donnerstag).

Die Europäische Zentralbank wird zwar als Ersatz am Mittwoch einen Dreimonatstender und ein Refinanzierungsgeschäft mit sechs Tagen Laufzeit ausschreiben. „Einige Marktteilnehmer warten aber ab, wie sich die Liquiditätslage entwickelt“, sagt der Händler. „Wer Geld zum Überleben braucht, wird für den Tender bieten, wer Geld zum Wiederanlegen genommen hat, dürfte sich zurückhalten“, sagt ein Marktteilnehmer am Geldmarkt. „Denn Wiederanlagen sind wegen des niedrigeren Zinsniveaus weniger attraktiv als zum Beginn des Jahrestenders vor etwa einem Jahr“, ergänzt er. Am Nachmittag wurde die Risikoaversion noch verstärkt durch enttäuschende Daten aus den Vereinigten Staaten. Mit einem Wert im Juni von 52,9 ist der vom Conference Board ermittelte Index des Verbrauchervertrauens deutlich unter der Erwartung von 62,5 ausgefallen. Sowohl die Einschätzung der aktuellen Lage als auch die Erwartungskomponente sind kräftig zurückgekommen. Damit zeigen die zuletzt teilweise schwachen amerikanische Konjunkturdaten sowie die enttäuschenden Immobiliendaten aus der jüngsten Vergangenheit offenbar Wirkung bei den Konsumenten.

„Eine zunehmende Unsicherheit über die wirtschaftlichen Perspektiven und über die Aussichten am Arbeitsmarkt - zweifellos ein Resultat des zuletzt schwächeren Stellenzuwachses - sind die Hauptgründe für die starke Stimmungseintrübung“, urteilte die Herausgeberin der Umfrage, Lynn Franco. „Solange das Jobwachstum nicht an Stärke gewinnt, ist es unwahrscheinlich, dass die Verbraucherstimmung steigt.“ Gesucht ist der Schweizer Franken, der zum Euro neue Hochs bei 1,3206 Franken markiert. „Der Schweizer Franken dient als sicherer Hafen“, sagt ein Händler. Auch der Yen setzt seinen Aufschwung fort. Charttechnisch gilt der Euro zum Dollar um 1,2150 Dollar als unterstützt. Einen Widerstand sehen Händler bei 1,2350 Dollar. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1.234,50 Dollar festgestellt nach 1.236 Dollar am Vormittag.

Deutsche Anleihen: Starke Kursgewinne teils abgegeben

Der deutsche Rentenmarkt hat am Dienstag fest tendiert. Allerdings wurden im Vormittagshandel erzielte Kursgewinne bis zum späten Nachmittag teilweise abgegeben. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future stieg zuletzt um 0,20 Prozent auf 129,46 Punkte. Zuvor war der Future auf bis zu 129,86 Punkte geklettert. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag am späten Nachmittag bei 2,564 Prozent. Händler begründeten die feste Tendenz am Rentenmarkt vor allem mit den schwachen Aktienmärkten. Ungünstige Konjunkturdaten aus Asien und den Vereinigten Staaten hatten die Aktienwerte am Dienstag stark belastet. Während in Japan Zahlen zur Industrieproduktion schwach ausgefallen waren, stürzte das Verbrauchervertrauen in den Vereinigten Staaten regelrecht ab. Die Daten hätten die Anleger in vermeintlich sichere Anlagen wie Staatsanleihen gelockt, hieß es am Markt.

Schwache Aktienmärkte schicken Ölpreise auf Talfahrt

Die Ölpreise sind am Dienstag stark von schwachen Aktienmärkten belastet worden. Ein Barrel (159 Liter) der amerikanischen Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im August kostete gegen Abend 75,59 amerikanische Dollar. Das waren 2,7 Dollar oder 3,4 Prozent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent sank um 2,32 Dollar auf 75,27 Dollar. Händler begründeten die starken Verluste mit der sehr schwachen Tendenz an den Aktienmärkten. Ausgehend von den asiatischen Märkten gaben am Dienstag auch die europäischen und amerikanischen Aktienwerte spürbar nach. Grund waren schwache Konjunkturdaten aus Japan, China und den Vereinigten Staaten . Die Commerzbank verweist zudem auf den Tropensturm Alex, der in der ölreichen Region im Golf von Mexiko wütet. Zwar dürfte sich der Sturm zum Hurrikan entwickeln, zugleich aber auch die wichtigen Öl-Plattformen im Golf von Mexiko verfehlen. Der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) ist unterdessen gestiegen. Nach Berechnungen des Opec-Sekretariats vom Dienstag kostete ein Barrel (159 Liter) am Montag im Durchschnitt 74,89 amerikanische Dollar. Am Freitag hatte ein Barrel noch 73,82 Dollar gekostet. Die Opec berechnet ihren Korbpreis täglich auf Basis von zwölf wichtigen Sorten des Kartells.

Quelle: Quellen: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, F.A.Z.
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Name Kurs Prozent
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FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
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