Ein stabilisierter Euro und ein freundlicher Dow-Jones-Index in New York haben den deutschen Aktien am Dienstag kräftige Gewinne beschert. Der Dax, der bereits am Vortag ein kleines Plus ins Ziel gerettet hatte, stand zum Handelsschluss 1,47 Prozent höher bei 6.155,93 Punkten. Auch die vortags schwachen Nebenwerte-Indizes legten zu: Der MDax stieg um 1,82 Prozent auf 8.320,75 Punkte und für den TecDax ging es immerhin um 0,35 Prozent auf 768,68 Punkte hoch.
„Es hat sicher geholfen, dass sich der Euro erholt hat“, begründete Fidel Helmer, Chefhändler von Hauck und Aufhäuser, den positiven Trend. Schon seit geraumer Zeit sei das Phänomen zu beobachten, dass ein freundlicher Euro-Kurs mit freundlichen Aktienkursen einhergehe.
Optimisten reden sich die Fakten schön
Dieser positive Einfluss überwiege die Vorteile eines schwächeren Euro für exportorientierte Unternehmen. „Außerdem gab es keine schlechten Nachrichten von Unternehmensseite“, so Helmer weiter. Auch Analyst Patrick Pflüger von IG Markets sah dank des stabilen Euro wieder Optimismus im Markt.
Siemens-Aktien legten als Dax-Spitzenreiter um 3,14 Prozent auf 76,45 Euro zu. Der Elektrokonzern kauft immer mehr über die Zentrale ein und kommt so bei seinen Einsparzielen voran. Die Bestätigung der vorsichtigen Jahresziele reichte, um den Kurs des Autobauers BMW um 2,42 Prozent auf 39,650 Euro zu steigern.
Dagegen konnten die vortags schwachen Bankenwerte ihre Gewinne nur teilweise behaupten: Deutsche-Bank-Titel retteten Aufschläge von 1,46 Prozent auf 49,840 Euro ins Ziel, wogegen Commerzbank-Aktien nur ein mageres Plus von 0,17 Prozent auf 6,030 Euro blieb.
Im TecDax drehten Aixtron ins Minus und verloren 1,54 Prozent auf 25,330 Euro. Händlern zufolge kursiert offenbar die Studie eines amerikanische Brokers, wonach der südkoreanische Mischkonzern Samsung Electronics eigene LED-Chips entwickeln will. Das belaste die Aixtron-Aktie. Einige Börsianer gaben zu bedenken, dass der deutsche Spezialanlagenbauer nur die Maschinen zur LED-Produktion herstelle und nicht die LEDs selbst. Da es um Investitionspläne für neue LED- Technologien gehe, sei die Nachricht sogar gut für Aixtron. Anteilsscheine des Windkraftanlagenbauers Nordex profitierten hingegen ebenso wie die des Kohlenstoff-Spezialist SGL Group von positiven Analystenkommentaren.
Euro gibt Gewinne am Nachmittag wieder ab
Der Euro gibt am Dienstagnachmittag die in der ersten Tageshälfte verzeichneten Gewinne zum Dollar wieder weitgehend ab und steht wie am Morgen knapp unter 1,24 Dollar. Eine Marktteilnehmerin spricht von nachmittäglichen Gewinnmitnahmen. Die kleine Rally habe sich ausgelaufen. Die Investoren hätten das Aufwärtspotential der Gemeinschaftswährung „angetestet und gesehen, dass es nicht weitergeht“. Im Tageshoch war der Euro bis auf 1,2445 Dollar gestiegen. Es gebe keine Faktoren, die den Euro unterstützen könnten. Die Konjunkturdaten des Tages hätten keine Impulse gegeben, sagt sie mit Blick auf den deutschen ZEW-Index und die amerikanische Zahlen zu den Baubeginnen und -genehmigungen. Jenseits des Tagesgeschäfts sei die Richtung für die Devise des alten Kontinents klar: „Der Euro bleibt weiterhin ein Sell“, sagt sie. Leicht belastend könne auch die Nachricht sein, dass der FDP-Obmann im Finanzausschuss, Frank Schäffler, seinen Posten aufgibt, meint die Händlerin. Manche Marktteilnehmer könnten diese Meldung so aufgefasst haben, dass in der deutschen Politik keine Einigkeit bezüglich der Stabilitätsmaßnahmen für die Eurozone herrsche, obwohl dies abwegig sei, meint die Teilnehmerin. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1.216,75 Dollar gefixt nach einem Vormittag-Fixing von 1.215,00 Dollar.
Deutsche Anleihen: Fester - Schwacher ZEW-Index stützt
Die Kurse deutscher Anleihen haben am Dienstag im Nachmittagshandel ins Plus gedreht. Der richtungweisende Euro-Bund-Future
Börsen Europas schließen fest - Unsicherheit lässt nach, Schnäppchenjagd
Nachlassende Sorgen um die klammen Euro-Staaten haben die europäischen Börsen am Dienstag weiter nach oben getrieben. Signale vom Treffen der EU-Finanzminister, die unter anderem über Details des riesigen Euro-Rettungsschirms im Volumen von 750 Milliarden Euro diskutiert haben, seien positiv ausgelegt worden. Der Euro stabilisierte sich nach seiner rasanten Talfahrt in der Vorwoche weiter und pendelte um 1,24 amerikanische Dollar. Banken- und Rohstoffwerte, die zuletzt besonders stark unter Druck standen, zählten nun zu den Favoriten.
Der Leitindex der Euro-Zone EuroStoxx 50 ging mit einem Plus von 2,39 Prozent auf 2.698,21 Punkte aus dem Handel, der Stoxx Europe 50 gewann 1,33 Prozent auf 2.456,92 Punkte. Der Pariser Leitindex Cac 40 kletterte um 2,08 Prozent nach oben auf 3.617,32 Punkte, in London legte der FTSE 100 0,85 Prozent auf 5.307,34 Punkte zu.
Rendite von griechischen Anleihen deutlich gesunken
Die Renditen von griechischen Staatsanleihen sind am Dienstag deutlich gesunken. Die Auszahlung einer ersten Tranche aus dem Hilfspaket von Eurozone und IWF habe den Markt etwas beruhigt, sagten Händler. Die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen sank von 8,05 Prozent am Vortag auf 7,53 Prozent. Deutsche Staatsanleihen rentierten zum Vergleich bei 2,82 Prozent. Griechenland erhielt eine Finanzspritze über 14,5 Milliarden Euro von den anderen Euro- Partnern. Damit ist Athen vorerst vor der Zahlungsunfähigkeit gerettet. Bereits am vergangenen Mittwoch hatte der das Land vom IWF die erste 5,5- Milliarden-Euro-Finanzspritze erhalten. Ein Teil dieser ersten Rettungsgelder wird bis zum Mittwoch zur Deckung von Verpflichtungen des Landes benötigt. Athen wird dann knapp neun Milliarden Euro Altschulden ablösen.
Merklich gingen auch die Renditen von irischen Anleihen zurück. Sie sanken von 4,69 auf 4,61 Prozent. Irland hatte erfolgreich Anleihen am Markt platziert. Von diesem Umfeld profitierten auch portugiesische Anleihen. Die Rendite sank hier von 4,67 Prozent auf 4,58 Prozent. Die spanische Rendite lag unverändert bei 3,981 Prozent. Die italienische Rendite sank leicht auf 3,864 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Montag damit begonnen, Staatsanleihen von hoch verschuldeten Ländern zu kaufen, um Verspannungen an den Märkten zu entschärfen. In der vergangenen Woche lag das Volumen bei rund 16,5 Prozent. Laut Händlern hat die EZB vor allem Papiere von Griechenland und Portugal gekauft.
Ölpreise steigen wieder - Euro-Erholung stützt
Die Ölpreise haben am Dienstag nach einer tagelangen Talfahrt zu einer Erholung angesetzt. Im frühen Nachmittagshandel stieg der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der amerikanische Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) um 1,59 Dollar auf 71,67 Dollar. Zuvor ließ die Verunsicherung an den Finanzmärkten und der massive Anstieg des amerikanische Dollars den Ölpreis zeitweise auf ein Fünf-Monats-Tief bei 69,41 Dollar abrutschen. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent kletterte um 78 Cent auf 75,87 Dollar Die Erholung des Euro zum amerikanische Dollar habe die Ölpreise gestützt, sagten Händler. Zuletzt hatte der Höhenflug des Dollar die Ölpreise stark belastet. Ein steigender Dollar macht Rohöl für Anleger aus anderen Währungsräumen teurer. Schon seit Wochen wird der Ölmarkt stark von Wechselkurseffekten getrieben. Vor allem die Schuldenkrise in Europa hatte den Euro zum Dollar unter Druck gebracht.
Neben den Turbulenzen um die Schuldenkrise in Griechenland sei mittlerweile aber auch wieder die Nachfrage nach Rohöl in den Fokus der Investoren gerückt. Vor allem in China „bleibt der Ölhunger weiter hoch“, sagte Rohstoffexperte Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg. Im April seien die chinesischen Ölimporte im Jahresvergleich um 31 Prozent gestiegen. Damit habe es seit April 2009 in 13 Monaten in Folge eine positive Veränderungsrate gegeben. Unterdessen ist der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) erneut kräftig gesunken. Nach Berechnungen des Opec-Sekretariats vom Dienstag kostete ein Barrel (159 Liter) am Montag im Durchschnitt 73,25 amerikanische Dollar. Das waren 2,70 Dollar weniger als am Freitag. Die Opec berechnet ihren Korbpreis täglich auf Basis von zwölf wichtigen Sorten des Kartells.
