02.07.2009 · Belastet von schwachen Vorgaben der Börsen aus Übersee geben die Kurse der meisten deutschen Aktien am Donnerstag nach. Händler rechnen vor der Bekanntgabe der monatlichen amerikanischen Arbeitsmarktstatistik zudem mit Zurückhaltung am Markt.
Belastet von schwachen Vorgaben der Börsen aus Übersee geben die Kurse der meisten deutschen Aktien am Donnerstag nach. Händler rechnen vor der Bekanntgabe der monatlichen amerikanischen Arbeitsmarktstatistik zudem mit Zurückhaltung am Markt. Da am Freitag in den Vereinigten Staaten Feiertag ist, werden die zu den wichtigsten Konjunkturindikatoren zählenden Jobdaten schon an diesem Tag veröffentlicht.
Der Dax fällt um 1,6 Prozent auf 4828 Punkte. Der MDax der mittelgroßen Werte gibt 1,1 Prozent auf 5812 Zähler nach. Der TecDax verliert 0,8 Prozent auf 630 Punkte. Der negative Impuls für den Handelsstart in Deutschland komme vor allem von der amerikanischen Börse, sagten Händler. Diese hatte tags zuvor zwar freundlich geschlossen, aber in der zweiten Handelshälfte einen Teil ihrer Gewinne wieder abgegeben.
Besser als der Markt schlagen sich die Aktien der Deutschen Telekom, die um 0,35 Prozent auf 8,55 Euro nachgeben. Laut der „Financial Times“ könnte die spanische Telefonica Interesse an T-Mobile UK zeigen und einen Bieterwettstreit um das britische Mobilfunkgeschäft der Telekom auslösen.
Die Titel von Bayer büßen dagegen 1,5 Prozent auf 38,15 Euro ein. Der Chemie- und Pharmakonzern wehrt sich juristisch gegen die von Teva Pharmaceuticals beantragte Zulassung eines „Levitra“-Generikums. Bayer Schering Pharma und Bayer HealthCare Pharmaceuticals reichten zusammen eine Patentverletzungsklage gegen den amerikanischen Generikahersteller ein.
Nachdem die Anteilsscheine der Deutschen Börse bereits am Vortag kurz vor Börsenschluss auf die schwachen Handelszahlen des Marktbetreibers negativ reagiert hatten, halten sie sich nun etwas besser als der Dax. Sie geben um 0,7 Prozent auf 54,82 Euro nach. Der Marktbetreiber hatte am Mittwoch über die Handelsumsätze der Kassamarktsparte Xetra und die Handelsvolumina an den Terminbörsen Eurex/ISE im Juni berichtet. Beide Sparten enttäuschten die Markterwartungen.
Rentenmarkt tendiert etwas fester
Der deutsche Rentenmarkt tendiert am Donnerstag etwas fester. Der richtungweisende Euro-Bund-Future steigt um 6 Basispunkte auf 120,98 Prozent, der Bobl-Future ebenso viel auf 115,52 Prozent. Experten rechnen mit einer gut behaupteten Tendenz der Staatsanleihen. Neue Zahlen vom amerikanischen Arbeitsmarkt dürften erneut ungünstig ausfallen und damit die Anleihen beflügeln, heißt es bei der HSH Nordbank. Die Bekanntgabe der Volumina für die amerikanischen Anleiheauktionen in der kommenden Woche könnten den Kursauftrieb indes begrenzen. Den Bund-Future erwartet die HSH Nordbank in einer Spanne von 120,45 bis 121,55 Punkten.
Auch die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) rechnet mit einer gut behaupteten Tendenz. Von der Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) sei nichts wesentlich Neues zu erwarten. Den Bund-Future sieht die Helaba im Tagesverlauf zwischen 120,45 und 121,29 Punkten.
Euro sinkt in Richtung 1,41 Dollar
Der Euro ist am Donnerstag wieder in Richtung 1,41 Dollar gesunken. Im frühen Handel kostete die Gemeinschaftswährung 1,4110 Dollar, nachdem sie am späten Vorabend noch auf 1,42 Dollar gestiegen war. Am Donnerstag dürfte neben dem Arbeitsmarktbericht in den Vereinigten Staaten die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) im Blickpunkt stehen. Experten rechnen zwar nicht mit einer weiteren Zinssenkung, blicken jedoch mit Spannung auf die Ausführungen von Notenbankchef Jean-Claude Trichet über Wachstum und Inflation sowie zusätzliche Details zum geplanten Ankaufprogramm für besicherte Anleihen.
Asiens Börsen uneinheitlich
Die Aktienmärkte in Fernost haben am Donnerstag uneinheitlich notiert. Die Börse in Tokio schloss vor der Veröffentlichung neuer amerikanischen Arbeitsmarktdaten leicht schwächer. Nachdem der Leitindex Nikkei seit seinen Tiefständen im März um 40 Prozent zugelegt hat, zeigten sich Anleger zurückhaltend. „Der Markt steht im Moment still“, sagte ein Aktienhändler. Die Börsen in Hongkong und Schanghai notierten wegen Anzeichen einer Konjunkturerholung in China fester.
In Japan schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,3 Prozent im Minus bei 9911 Punkten. Nach Meinung von Händlern könnte sich der Index während der handelsarmen Sommermonate bei der Marke von 10.000 Punkten konsolidieren. Der breiter gefasste Topix verlor 0,4 Prozent auf 924 Zähler. Auch die Börse in Singapur verzeichnete Verluste. Die Kurse in Taiwan kletterten dagegen um 1,4 Prozent auf den höchsten Stand seit knapp einem Monat. Auch die Börsen in Hongkong und Shanghai legten zu. Der Markt in Seoul schloss nahezu unverändert.
Zu den Verlierern in Tokio zählten die Aktien des Kameraherstellers Canon mit einem Minus von 1,9 Prozent und des Autobauers Honda mit einem Abschlag von 2,3 Prozent. Im Blickfeld der Anleger waren zudem die Papiere von Hitachi: Der größte japanische Elektronikkonzern profitiert Medienberichten zufolge von einer erhöhten Nachfrage nach Lithium-Batterien für Hybridautos. Die Hitachi-Aktie schloss drei Prozent fester.
Die Papiere des größten japanischen Nickel-Produzenten Pacific Metals verteuerten sich um 3,7 Prozent, nachdem die Nickel-Preise am Mittwoch auf ein Neun-Monate-Hoch geklettert waren. Auch Nissan-Anteile schlossen bei einem Plus von einem Prozent. Der Autobauer schlug sich im Juni auf dem wichtigen amerikanischen Markt besser als die Konkurrenz.
Neuigkeiten und Kursbewegungen nach Börsenschluss
Die Kurse an der Wall Street tendierten am Mittwoch nach Börsenschluss etwas leichter. Der Nasdaq 100 After Hours Index stieg um 1,11 Punkte auf 1480,23 Zähler.
American International Group zeigten sich volatil. Im Handel kursierte eine fehlerhafte Mitteilung der New York Stock Exchange (Nyse), wonach die Titel von der Börse genommen werden sollen. Erst am späten Abend korrigierte die Nyse ihre Angaben. Im regulären Handel waren die Titel um 22 Prozent auf 18,08 Dollar eingebrochen, nachdem das Unternehmen einen „Reverse Stock Split“ vollzogen und 20 Aktien zu einer zusammengelegt hatte. Nachbörslich wurde die Aktie dann zwischen 17,90 und 19,70 Dollar gehandelt und schloss mit einem Aufschlag von 0,2 Prozent auf 18,11 Dollar.
Die Aktien von Demandtec standen unter Druck, nachdem das Unternehmen Zahlen zum ersten Geschäftsquartal vorgelegt hatte. Demandtec war im Quartal trotz eines höheren Umsatzes tiefer in die Verlustzone gerutscht. Der Aktienkurs fiel um 2,4 Prozent auf 8,69 Dollar.
Konjunkturdaten treiben amerikanische Börsen an
Die amerikanischen Börsen sind mit Kursgewinnen in die zweite Jahreshälfte gestartet. Für gute Stimmung an der Wall Street sorgten am Mittwoch Konjunkturdaten aus mehreren Ländern, die auf die seit langem ersehnte Wirtschaftserholung hindeuteten. Gefragt waren deshalb vor allem die stark von der Konjunktur abhängigen Energie-, Industrie- und Technologiewerte. Anleger setzten vor der nahenden Bilanzsaison darauf, dass die Unternehmen von einem Aufschwung profitieren werden.
Der Dow-Jones-Index pendelte im Verlauf zwischen einem Hoch von 8580 und einem Tief von 8447 Punkten. Er verließ den Handel 0,7 Prozent im Plus bei 8504 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index ging 0,4 Prozent höher bei 923 Zählern aus dem Handel. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,6 Prozent auf 1845 Stellen.
Erfreut nahmen die New Yorker Investoren die Nachricht auf, dass der Abschwung der amerikanischen Industrie im Juni zumindest an Tempo verloren hatte. Der Konjunkturindex der amerikanischen Einkaufsmanager stieg auf 44,8 von 42,8 Punkten im Vormonat. Auch wenn ein Wachstum erst ab Werten von 50 Punkten signalisiert wird, erreichte der viel beachtete ISM-Index doch zumindest den höchsten Stand seit zehn Monaten. Aus Europa kamen ähnliche Signale, und in China setzte das verarbeitende Gewerbe seine Erholung fort.
„Seit mehreren Wochen werden aus Europa und China einige bessere Wirtschaftsdaten gemeldet“, sagte Janna Sampson von Oak-Brook Investments. „Und in den Vereinigten Staaten ist die Lage nicht so schlimm, wie die Leute dachten.“ Die Wirtschaft habe die Talsohle nunmehr erreicht, war ebenfalls unter Experten zu hören.
In den letzten Handelsminuten wurden die Anleger aber doch an ihre Konjunktursorgen erinnert, als sie den Blick auf die am Donnerstag erwarteten Arbeitsmarktzahlen der Regierung richteten: Die Indizes büßten einiges ihrer Gewinne wieder ein. Schließlich waren schon am Mittwoch erste Juni-Daten unerwartet schwach ausgefallen, wurden aber im Verlauf durch den allgemeinen Optimismus in den Hintergrund gedrängt.
Dazu trug vor allem der Cheerios-Hersteller General Mills bei. Anleger belohnten General Mills für eine erfreuliche Quartalsbilanz und einen positiven Ausblick, die Aktie legte 3,9 Prozent zu. Auch der Lebensmittelriese Kraft traf den Geschmack der Anleger und verteuerte sich um gut fünf Prozent. Der Spirituosen-Produzent Constellation Brands schoss sogar mehr als sieben Prozent in die Höhe.
Der Ölpreis lag zeitweise wieder über 71 Dollar, musste später aber deutliche Abschläge hinnehmen. Das Fass verbilligte sich wieder um rund 60 Cent Dollar auf 69,26 Dollar. Die Papiere des Börsenschwergewichts Exxon schlossen deshalb unter ihrem Tageshöchstwert bei 70,56 Dollar - ein Plus von 0,9 Prozent.
Amerikanische Anleihen im Späthandel knapp behauptet
Die amerikanischen Anleihen haben am Mittwoch im späten Handel einen großen Teil ihrer anfänglichen Verluste wettgemacht, die sie in Reaktion auf überraschend gute Konjunkturdaten zunächst erlitten hatten. Das lange Ende der Zinskurve wurde indessen belastet von Aussagen der Präsidentin der Federal Reserve Bank of San Francisco, Janet Yellen, wonach die Zinsen in den Vereinigten Staaten noch geraume Zeit auf niedrigem Niveau verharren könnten.
Zehnjährige Anleihen mit einem Kupon von 3,125 Prozent verloren im späten Handel 1/32 auf 96-18/32 und rentierten mit 3,54 Prozent. Der mit 4,250 Prozent verzinste Longbond gab um 5/32 auf 98-16/32 nach. Seine Rendite stand bei 4,34 Prozent.
Die Anleger hätten sich vor der Veröffentlichung des Arbeitsmarktsberichts der amerikanischen Regierung am Donnerstag positioniert, erklärten Händler. Nachdem aus dem am Mittwoch veröffentlichte Bericht des privaten Dienstleisters ADP ein deutlich höherer Stellenabbau als erwartet hervorgegangen war, vermuteten viele Investoren, dass auch der Arbeitsmarktbericht der Regierung negativ überraschen könnte.
Die Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichts wird wegen des Unabhängigkeitstags der Vereinigten Staaten am 4. Juli auf Donnerstag vorgezogen. Der Feiertag fällt in diesem Jahr auf den Samstag, weshalb Behörden, Banken, Börsen und auch der Anleihemarkt in den Vereinigten Staaten schon am Freitag geschlossen bleiben.
Die übrigen Daten des Berichtstags übertrafen die Schätzungen der Volkswirte oder lagen wenigstens ungefähr im Rahmen der Erwartungen. Die Bauausgaben waren im Mai mit minus 0,9 Prozent weniger stark gesunken, als Ökonomen erwartet hatten, die von einem Rückgang um 1,0 Prozent ausgegangen waren. Der Index der ausstehenden Hausverkäufe legte im Mai gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozent zu und lag damit um 6,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Volkswirte hatten einen Rückgang um 0,5 Prozent zum Vormonat erwartet.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |