01.07.2009 · Die Börsianer bleiben mehrheitlich im Grunde optimistisch. Der Dax gewann nach positiv aufgenommenen Konjunkturdaten zwei Prozent.„Es bleibt weiter spannend, ob die Konjunktur wirklich schon einen Boden gefunden hat,“ heißt es allerdings.
Gestützt auf Kursgewinne der amerikanischen Börsen im frühen Handel hat der deutsche Aktienmarkt am Mittwoch fest geschlossen. Der Leitindex gewann 2,01 Prozent auf 4.905,44 Zähler. Der MDax stieg um 2,16 Prozent auf 5.878,27 Punkte. Der TecDax legte um 1,21 Prozent auf 634,49 Zähler zu.
In den Vereinigten Staaten waren vor allem Rohstoffwerte gefragt. Die jüngsten Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten lieferten indes Börsianern zufolge unterschiedliche Signale. So waren die Bauausgaben im Mai zwar stärker als erwartet gefallen. Die Zahl der noch nicht abgeschlossenen Hausverkäufe war im selben Monat aber weiter leicht gestiegen. Zudem hatte sich die Stimmung der Einkaufsmanager im Verarbeitenden Gewerbe im Juni etwas stärker als prognostiziert aufgehellt.
Hat die Konjunktur den Boden gefunden - oder nicht?
Aktienhändler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade sagte: „Es bleibt weiter spannend, ob die Konjunktur wirklich schon einen Boden gefunden hat. Derzeit sind die Konjunkturdaten derart uneinheitlich, dass es schwer ist, Prognosen zu machen. Man kann nur hoffen, dass sich die Situation über das Sommerloch hinweg aufklären wird.“
Aktien der Commerzbank verbuchten mit plus 18,62 Prozent auf 5,255 Euro die kräftigsten Kursgewinne. Händler verwiesen auf mehrere Gründe, so unter anderem auf eine Studie der amerikanische Bank Morgan Stanley. In dieser sieht Analyst Ronny Rehn deutliches Aufwärtspotential für die Aktie im Falle der Einführung einer so genannten „Bad Bank“. Sollte die Regierung im Laufe der Woche die Gründung einer Bad Bank beschließen, könnte dies wegen des Transfers von Risiken auf eine solche Bank „signifikanten Einfluss auf die Aktien der Commerzbank und der Postbank“ haben, schrieb er. Die Aktien der Postbank gewannen 8,83 Prozent auf 19,71 Euro.
Die Aktien von ThyssenKrupp gewannen 3,62 Prozent auf 18,33 Euro. Der Stahl- und Industriegüterkonzern hob erstmals seit Herbst 2008 seine Stahlpreise wieder an. Wie Unternehmenschef Ekkehard Schulz zudem zu Journalisten sagte, habe sich die Auslastung der Werke wieder verbessert. Zugleich kündigte er eine Lösung für das Krisenprojekt des Konzerns in Brasilien an.
„Analystenstimmen“ bewegen die Kurse
Die Aktien von Eon legten 1,07 Prozent auf 25,49 Euro zu. Positiven Aussagen des Eon-Vorstandschefs Wulf Bernotat zur Geschäftsentwicklung standen einem Zeitungsbericht über ein mögliches Bußgeld in Höhe von bis zu einer halben Milliarde Euro wegen Preisabsprachen entgegen. „Das wäre dann eine der höchsten Strafen, die die EU-Kommission jemals gegen ein Unternehmen verhängt hätte“, sagte Analyst Theo Kitz von Merck Finck. Zwar sei es wahrscheinlich, dass Eon dagegen vorgehen werde, sollte sie in der kommenden Woche verhängt werden, doch erst einmal müsse die Strafe gezahlt werden.
Die Titel des Autobauers BMW stiegen um 2,55 Prozent auf 27,525 Euro. Unternehmenskreisen zufolge ist es BMW im Juni auf dem deutschen Markt wieder gelungen, den Absatz zu steigern. Sowohl die Kernmarke BMW als auch die Kleinwagenmarke Mini lägen über den Vorjahreswerten, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur dpa. Zudem erweitert der Autobauer ungeachtet der Absatzkrise seine Produktpalette auf dem russischen Automarkt.
Im MDax profitierten die Aktien von Celesio vom Einstieg des Pharmagroßhändlers in den schwedischen Apothekenmarkt. Sie legten um 3,73 Prozent auf 16,96 Euro zu. Nachdem das Apotheken-Monopol in Schweden ab sofort aufgehoben sei, würden - sobald die schwedische Pharma-Regulierungsbehörde zustimmt - die ersten Celesio-Apotheken eröffnen, teilte das Unternehmen mit.
Die Aktien von Premiere, dem Medienunternehmen, das in Kürze unter dem Namen Sky firmieren werden, reagierten mit plus 4,51 Prozent auf 3,01 Euro positiv auf eine Kurszielanhebung durch JPMorgan. Analyst Mark O'Donnell hatte das Ziel um knapp 42 Prozent von 3,10 auf 4,40 Euro angehoben und bestätigte seine Einstufung mit „Overweight“. Aufgrund der starken Zahlen für das erste Geschäftsquartal, neuer Strukturen bei den Programmpaketen sowie seiner Analyse für die jeweiligen Preise des Triple Play-Angebots (Bundesliga, DFB-Pokal, UEFA Champions League) in Deutschland habe er seine Prognosen für die Abonnentenzahlen 2010/11 angehoben und rechne nun mit geringeren Jahresverlusten als bisher, schrieb der Experte.
Europäisiche Aktien schließen fest - Rohstoffaktien, Einzelhändler stützen
Gewinne bei den Rohstoffwerten haben den wichtigsten europäischen Aktienindizes am Mittwoch deutliche Aufschläge beschert. Positive Nachrichten aus China hätten die Notierungen der Branchentitel angetrieben, sagten Händler. Gefragt waren auch Papiere europäischer Einzelhändler.
Der EuroStoxx kletterte um 2,00 Prozent auf 2.449,73 Punkte und machte damit die Verluste vom Vortag mehr als wett. In Paris stieg der CAC-40-Index um 2,44 Prozent auf 3.217,00 Zähler. Der Londoner FTSE 100 rückte um 2,15 Prozent auf 4.340,71 Punkte vor.
Deutsche Anleihen tendierten leichter - Freundliche Aktienmärkte belasten
Der deutsche Rentenmarkt ist am Mittwoch belastet durch freundliche Aktienmärkte unter Druck geraten. Der richtungweisende Euro-Bund-Future sank um 0,18 Prozent auf 120,90 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe betrug 3,358 Prozent.
Händler machten in erster Linie die Gewinne an den Aktienmärkten für die Kursverluste verantwortlich. Zudem habe die Auktion der zehnjährigen Anleihe, die 1,3-fach überzeichnet war, etwas enttäuscht. „Das ist nicht wirklich ein fantastisches Ergebnis“, sagte ein Händler.
Der Nachmittagshandel wurde vor allem durch die amerikanische Konjunkturdaten dominiert. Nach einem schwächer als erwartet ausgefallenen Arbeitsmarktbericht des Arbeitsmarkt-Dienstleisters Automatic Data Processing (ADP) erholte sich der Bund-Future etwas.
Der besser als erwartet ausgefallene Einkaufsmanagerindex ISM habe dann jedoch die Anleihen wieder unter Druck gebracht, sagten Händler. Der ISM-Index war von 42,8 Punkten im Vormonat auf 44,8 Punkte gestiegen. Volkswirte hatten mit einem Anstieg auf 44,5 Punkte gerechnet. Der Einbruch der amerikanische Industrieproduktion wird nach Einschätzung der Commerzbank bald zum Stehen kommen. „Der Schock, den die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers der Wirtschaft im letzten Herbst verabreicht hat, ist offenbar allmählich verarbeitet.“
ISM-Index beflügelt Euro gegen Dollar und Yen
Mit den sich ausweitenden Gewinnen an Wall Street und den europäischen Börsen legt der Euro im Verlauf des Mittwochs weiter gegen Dollar und Yen zu. Getrieben werden die Aufschläge an den Börsen und damit die Wechselkursgewinne der Gemeinschaftswährung in erster Linie vom ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe der Vereinigten Staaten .
Nach Berechnungen des Institute for Supply Management (ISM) ist der wichtigste Frühindikator für den Sekundären Sektor der amerikanische Wirtschaft im Juni auf 44,8 von 42,8 Punkten im Vormonat gestiegen. Der Ökonomenkonsens hatte auf 45 Zähler gelautet. Einen kräftigen Sprung nach oben habe dabei der Teilindex für die Produktion gemacht, der mit 52,5 Stellen erstmals seit fast einem Jahr wieder auf einen zunehmenden Output hinweise, kommentierte Fabienne Riefer, Volkswirtin bei der Deutschen Postbank.
Insgesamt festige sich mit dem Bericht das Fundament für eine einsetzende Stabilisierung der amerikanische Konjunktur. In vergangenen Phasen sei ein Wert des ISM-Index im mittleren Vierziger-Bereich häufig mit einer gesamtwirtschaftlichen Stagnation und nicht mehr mit einer Rezession einhergegangen.
„Die Devisenmärkte zeigen sich wieder einmal als bloße Funktion der Aktienmärkte“, sagt ein Devisenhändler. Steigende Kurse sorgten für eine erhöhte Risikotoleranz der Anleger und befeuerten die Nachfrage nach höher verzinsten Valuta wie dem Euro.
Technisch ist die Gemeinschaftswährung zum Greenback bei 1,40 und 1,39 Dollar unterstützt. Widerstände liegen beim Vortageshoch von 1,4153 Dollar und bei 1,4178 Dollar. Die Feinunze Gold kostet zum Londoner Nachmittag-Fixing 938,25 Dollar, am Vortag wurde sie dort zu diesem Zeitpunkt mit 934,50 Dollar festgestellt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |