22.02.2012 · Gewinnmitnahmen haben auch am Mittwoch die Märkte belastet. Griechenland beschäftigt die Anleger weiterhin, auch enttäuschende Konjunkturdaten aus Europa wirkten sich negativ aus.
Am deutschen Aktienmarkt haben die Anleger auch am Mittwoch weiter Gewinne mitgenommen. Der Dax ging mit einem Abschlag von 0,9 Prozent auf 6844 Punkte aus dem Handel, nachdem bereits tags zuvor moderate Gewinnmitnahmen die jüngste Aufwärtsbewegung gestoppt hatten. Am Montag noch hatte der Leitindex in Erwartung des neuen Griechenland-Rettungspakets auf dem höchsten Stand seit dem 1. August 2011 geschlossen. Der M-Dax gab um 0,8 Prozent auf 10.380 Punkte nach, der Tec-Dax verlor 1 Prozent auf 777 Punkte. Der marktbreite FAZ-Index schloss 0,9 Prozent tiefer bei 1525 Punkten.
„Es war ein ruhiger und umsatzarmer Tag mit wenig kursbewegenden Nachrichten, den die Anleger für Gewinnmitnahmen nutzten“, sagte Händler Stefan de Schutter von der Alpha Wertpapierhandelsbank. Nach der Einigung auf das Rettungspaket für Griechenland hole der Markt nun ein wenig Luft, um dann als nächstes die Marke von 7000 Punkten zu testen. Das Thema Griechenland dürfte die Börsianer nach Meinung von Experten aber weiter in Atem halten, da die Krise auch mit dem neuen Hilfspaket nicht überwunden sei. Nach Aussage eines weiteren Händlers hatten sich außerdem etwas enttäuschende Konjunkturdaten aus der Eurozone belastend ausgewirkt.
Zu den wenigen Gewinnern gehörten vor allem defensive Werte wie Fresenius, die mit einem Kursplus von knapp 1 Prozent Spitzenreiter im Dax waren. Schlusslicht im Leitindex waren dagegen die Papiere der Commerzbank. Sie gaben etwas mehr als 3 Prozent ab. Die erwartete Teilnahme am freiwilligen Schuldenschnitt wird nach Schätzung von Analysten die Bank gut 2,2 Milliarden Euro kosten. Belastet vom hohen Ölpreis und den sich hinziehenden Tarifverhandlungen am Frankfurter Flughafen verloren Lufthansa 2,6 Prozent auf 10,5 Euro.
Die deutlichsten Verluste im M-Dax steckten die Anteilsscheine von TUI ein. Der Kurs des Reisekonzerns rutschte um 7,6 Prozent auf rund 6 Euro ab. Die spanische Sparkasse CAM hat ihren 5,1-prozentigen Anteil an institutionelle Investoren verkauft. Der Preis von etwa 6 Euro je Aktie habe aber am unteren Ende der anvisierten Spanne gelegen, sagten Händler. Zu den Favoriten im Index zählten die Titel von Rheinmetall mit plus 1,5 Prozent auf 44,7 Euro. Der Automobilzulieferer und Rüstungshersteller hat im vergangenen Jahr das beste operative Ergebnis seiner Geschichte erzielt.
Im Tex-Dax litten die Anteilsscheine von Dialog Semiconductor nach der Präsentation von Jahreszahlen unter Gewinnmitnahmen und büßten mehr als 6 Prozent ein.
Im S-Dax verloren die Aktien von Alstria Office REIT 7,5 Prozent. Das Hamburger Unternehmen hatte am Vorabend die Übernahme eines Immobilenportfolios im Wert von 95 Millionen Euro bekannt gegeben. Das mit der Aktienplatzierung eingesammelte Geld soll zur Finanzierung des Eigenanteils bei dem Zukauf dienen.
Die steigende Rezessionsgefahr in Europa hat die amerikanischen Börsen entmutigt. Der als wichtiger Konjunkturindikator geltende Einkaufsmanagerindex für die Euro-Zone fiel im Februar überraschend unter die Marke von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird. Der Dow-Jones-Index notierte im Handelsverlauf 0,3 Prozent schwächer bei 12.923 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 sank um 0,4 Prozent auf 1356 Punkte. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,5 Prozent auf 2934 Punkte.
„Wir haben es in Europa noch immer mit einer Konjunktur zu tun, die sich verlangsamt. Es ist nun die Frage, wie lange das dauert“, sagte Art Hogan von Lazard Capital in New York. „Aber eine leichte Rezession ist uns lieber als das Alternativszenario, das ohne eine Griechenland-Einigung und das Eingreifen der Europäischen Zentralbank eingetreten wäre.“ Mit Spannung wurden auch Daten zu den amerikanischen Hausverkäufen im Januar erwartet, die noch am Mittwoch veröffentlicht werden sollten.
Bei den Einzelwerten drehte sich alles um die Technologiebranche. Navi-Hersteller Garmin übertraf mit seinem Umsatz im vierten Quartal die Erwartungen der Analysten. Auch die Prognose des Unternehmens für das laufende Geschäftsjahr fiel positiver als die Einschätzungen der Branchenexperten aus. Die Anteilsscheine von Garmin legten kräftig um 8,8 Prozent zu.
Dell leidet dagegen unter der schwachen Nachfrage nach PCs. Der weltweit drittgrößte PC-Hersteller kann anders als Konkurrent Apple auf dem Markt für Tablets nicht Fuß fassen. Daneben sparen auch einst verlässliche Großkunden wie die öffentliche Hand und fahren ihre PC-Bestellungen zurück. Der Gewinn im Weihnachtsquartal brach um 18 Prozent ein, die Dell-Aktie gab 6,4 Prozent nach.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |