Konjunkturdaten aus Europa und China sowie positiv aufgenommene Quartalszahlen einiger Unternehmen und Banken haben am Montag an den europäischen Aktienmärkten für deutliche Kursgewinne gesorgt. Nachdem am Nachmittag auch die Konjunkturdaten aus Amerika den Anlegern neue Hoffnung gaben, zog der Dax in Richtung seines Ende April erreichten Zwei-Jahres-Hochs von 6341 Zählern an. Mit 6292 Punkten schloss der Leitindex 2,3 Prozent höher. Für den MDax ging es um 2,5 Prozent auf 8578 Punkte hoch, der TecDax legte um 1,8 Prozent auf 778 Punkte zu.
„Das ist der Anlauf auf das Jahreshoch, das der Dax noch in dieser Woche knacken könnte“, erklärte ein Händler. Der europäische Stoxx 50 und der Eurostoxx 50 stiegen um bis zu 2,7 Prozent.
Amerikanische Wirtschaft scheinbar nicht so schwach wie gedacht
In den Vereinigten Staaten war der Einkaufsmanagerindex des Forschungsinstituts ISM zum verarbeitenden Gewerbe für Juli besser als erwartet ausgefallen. Dabei hatten Börsianer noch kurz vor der Veröffentlichung der Daten extrem schwache Zahlen herumgereicht.
Somit war die Erleichterung über die Statistik anschließend groß. Aussagen von Fed-Chef Ben Bernanke, wonach es bis zu einer vollen Erholung der Konjunktur noch ein weiter Weg sei, bremsten die Euphorie kaum. In Europa läuft die Wirtschaft ohnehin weiter gut: Vor allem das starke Wachstum in der deutschen Industrie hatte der Euro-Zone im Juli ein überraschend deutliches Plus beim Einkaufsmangerindex beschert.
Linde, HSBC und BNP Paribas überzeugen Anleger
Von der anlaufenden Konjunktur profitieren Analysten zufolge die Industriegasekonzerne Linde und Air Liquide, die zum Wochenbeginn ihre Zwischenbilanzen veröffentlichten. Linde stiegen in Frankfurt um 3,7 Prozent auf 93,32 Euro, Air Liquide in Paris um 3,4 Prozent auf 89,33 Euro.
Erleichterung über chinesische Konjunkturdaten machte die Stahlwerte für die Anleger interessant, da China der weltweit größte Stahl-Produzent und -Verbraucher ist. Die Aktien von ThyssenKrupp legten im Dax vier Prozent auf 23,70 Euro zu. Die im MDax gelisteten Salzgitter und Klöckner & Co. zogen um bis zu 4,8 Prozent an. Die Titel vom Branchenprimus Arcelor-Mittal legten sogar über 5,9 Prozent zu. Auch die Aktien des Düngemittelherstellers K+S profitierten vom Konjunkturoptimismus sowie
charttechnischen Kaufsignalen und zogen um vier Prozent an.
Europaweit breitete sich vor allem im Bankensektor Zuversicht aus: Die britische Großbank HSBC und die französische BNP Paribas erwirtschaften im abgelaufenen Quartal trotz des schwächelnden Investmentbankings Milliardengewinne, dank geringerer
Belastungen durch faule Kredite. Die Aktien der beiden Großbanken stiegen um je 5,3 Prozent. In Frankfurt waren Commerzbank und Deutsche Bank mit Kursgewinnen von 3,5 beziehungsweise 2,8 Prozent gesucht.
Enttäuschung über Metro
Gerüchte um den Anteil des Landes Niedersachen am VW-Konzern sorgten bei den Vorzugsaktien der Wolfsburger zeitweise für hektische Kursbewegungen. Nachdem Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister erklärt hatte, dass das Land auch nach
einem möglichen Aktienverkauf nicht weniger als die aktuellen 20,01 Prozent halten will, zog der Kurs an und schloss den Handel mit 84,50 Euro knapp vier Prozent höher.
Als einer der wenigen Dax-Werte geriet die Metro-Aktie mit einem Abschlag von 2,4 Prozent unter Druck. Der Handelsriese blieb mit seinem Quartalsgewinn hinter den Markterwartungen zurück.
Konjunkturdaten geben amerikanischen Börsen Schwung
Unternehmenszahlen europäischer Banken und gut aufgenommene Signale von der schwächelnden amerikanischen Konjunktur geben den New Yorker Börsen am Montag Auftrieb. Die Industrie der weltgrößten Volkswirtschaft verlor im Juli zwar an Tempo, aber weniger stark als erwartet.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legt um 1,9 Prozent auf 10.662 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P 500 steigt 2,0 Prozent auf 1123 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewinnt 1,8 Prozent auf 2295 Punkte.
Amerikanische Industrie verliert langsamer an Fahrt als erwartet
Der an den Finanzmärkten viel beachtetet Konjunkturindex der amerikanischen Einkaufsmanager fiel im Juli zwar auf 55,5 von 56,2 Punkten im Vormonat. Damit notiert das Barometer so niedrig wie seit Dezember 2009 nicht mehr, jedoch hatten Experten mit einem Rückgang auf 54,1 Punkte gerechnet. Für Freitag steht die Veröffentlichung des vielbeachteten Arbeitsmarktsberichtes an.
„In den vergangenen Wochen haben wir anständige Quartalsberichte erlebt, aber die Konjunkturdaten waren eher schwach. Heute haben wir gute Unternehmenszahlen aus Europa und wir haben starke Wirtschaftsdaten, und das bringt uns zu einem annehmlichen Start in den Monat“, sagt Analyst Ryan Detrick von Schaeffer's Investment Research.
Auf der Unternehmensseite standen vor allem Finanzinstitute im Fokus. Die Zahlen europäischer Banken beflügelt auch die Kurse amerikanischer Konkurrenten: Der Aktienkurs der Citigroup legt knapp 2 Prozent zu. Die Papiere der Bank of America profitierten zudem von einem Bericht des Wirtschaftsmagazins Barron's: Die Zeitschrift
sieht Chancen auf ein Kursplus, der Aktienkurs steigt um 2,7 Prozent.
Blackberry-Hersteller RIM im Minus
Die Coca-Cola-Papiere profitieren ebenfalls von einem Barron's-Bericht, in dem ein Kursanstieg um mindestens 10 Prozent im kommenden Jahr für möglich gehalten wird. Die Notierung gewinnt 2,2 Prozent.
Der jüngste Anstieg des Ölpreises über 80 Dollar je Barrel kommt zudem den Aktien der Energiefirmen zugute: Der Kurs des amerikanischen Ölkonzerns Exxon Mobil legt 3 Prozent zu, der von Chevron 2,3 Prozent.
Auf der Verkaufsliste der Börsianer stehen hingegen die in New York notierten Aktien des Blackberry-Herstellers Research in Motion. Sie geben 1,5 Prozent nach. Nach China wollen nun auch arabische Golfstaaten den Zugang zum Internet einschränken. Im Oktober sollen die Nutzer des Smartphones Blackberry vom weltweiten Netz abgehängt werden.
