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Veröffentlicht: 27.02.2012, 11:59 Uhr

Marktbericht Börsen starten schwach in die Woche

Die Aktienkurse geben nach. Anleger debattieren über den hohen Ölpreis und ob er die Konjunktur abwürgen kann.

© F.A.Z.

Die europäischen Börsen sind schwächer in die neue Handelswoche gestartet. Der Euro Stoxx 50, der die 50 wichtigsten börsennotierten Unternehmen des Euroraums abbildet, fiel um bienahe 1 Prozent auf 2500 Punkte. Der marktbreite deutsche F.A.Z.-Index und der Standardwerteindex Dax  gaben ähnlich stark nach.

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Überdurchschnittlich ermäßigten sich die Anteile von Unternehmen, deren Geschäft stark von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abhängt wie etwa die beiden deutschen Premiumautohersteller Daimler und BMW. Aber auch Bankentitel wie die französische Société Générale und die italienische Unicredit gaben merklich nach. Die Aktie des Mobiltelefonherstellers Nokia verlor beinahe 7 Prozent ihres Wertes, nachdem das Unternehmen ein neues Handy vorstellte, das offenbar nicht den Erwartungen der Anleger entsprach.

Konjunktursorgen wegen hohem Ölpreis

Nach Angaben von Markteilnehmern wirkt sich angeblich der hohe Ölpreis negativ auf die Märkte aus. Ein Fass (159 Liter) der europäischen Ölsorte Brent kostet derzeit rund 124 Dollar, das ist eine Preissteigerung von alleine 15 Dollar in diesem Monat, soviel wie noch nie in einem Februar seitdem der Terminkontrakt auf Brent Ende der Achzigerjahre eingeführt wurrde . „Der Westen zahlt für seine Entschlossenheit, Iran vom Bau von Nuklear-Waffen abzuhalten, einen Preis“, sagt Rohstoff-Experte David Hufton vom Ölhändler PVM. „Dieser Preis ist eine zweite weltweite Rezession, ausgelöst durch einen Ölpreis-Schock.“ Nach Einschätzung von Ian Taylor, dem Chef des weltgrößten Ölhändlers Vitol, wird der Ölpreis auf bis zu 150 Dollar hochschnellen, sollte Israel iranische Atom-Anlagen angreifen. „Ich hatte eigentlich gedacht, dass dies niemals passieren wird“, sagte er. „Aber jeder, mit dem man spricht, geht davon aus, dass die Israelis die iranischen Atom-Anlagen angreifen werden. An dem Tag, an dem das passiert, werden die Iraner Minen in der Straße von Hormus verlegen.“ Durch die Meerenge im Persischen Golf wird knapp 20 Prozent des weltweit geförderten Rohöls transportiert.

Ein höherer Ölpreis trifft die Weltwirtschaft auf mehreren Ebenen, zum Beispiel an der Tankstellle Autofahrer, die chemische Industrie (zur Herstellung von Kunststoffen wird wesentlich Öl gebraucht) und schließlich natürlich in der Energieversorgung. 

Euro weiter bei 1,34 Dollar

Eine Unterbrechung des Ölnachschubs würde Europa besonders hart treffen, erklärt Julian Jessop, Chef-Volkswirt des Research-Hauses Capital Economics. „Mit der andauernden Furcht vor einer Pleite Griechenlands und zusätzlichen Sparrunden in der Region ist die europäische Wirtschaft anfälliger für jede Art von Schocks - inklusive hoher Ölpreise.“ Sein Kollege Julian Callow von Barclays Capital geht davon aus, dass es bei einem andauernd hohen Ölpreis nicht bei der bislang erwarteten milden Rezession in Europa bleibt, sondern die Wirtschaft deutlich schrumpft.

Derweil bleibt die Situation an den Anleihemärkten in Europa entspannt. Italienische Staatsanleihen mit zehn Jahren Restlaufzeit rentierten zu Wochebeginn mit 5,4 Prozent, entsprechende spanische Titel mit 5 Prozent, als ausfallsicher geltende zehnjährige Bundesanleihen mit 1,9 Prozent. Italien und Deutschland plazierten erfolgreich neue Schatzwechsel über mehrere Milliarden Euro. Am Dienstag möchte sich Italien in den Laufzeitenbereichen fünf und zehn Jahre neues Geld leihen - insgesamt sollen zwischen 5 und 6 Milliarden Euro aufgenommen werden.

Für die Euroanleihenmärkte wird der nächsten richtungweisende Schub wohl der zweite Dreijahrestender sein, mittels dessen die Europäische Zentralbank am 29. Februar  Geld zum Leitzins für drei Jahre an die Geschäftsbanken in unbegrenzter Höhe ausreichen wird. Ein Euro ist zum Wochenbeginn mit 1,34 Dollar ungefähr so viel wert wie am Ende der zurückliegenden Woche.

Quelle: FAZ.NET

 

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