Unter dem Eindruck der Finanzkrisen in Griechenland und Portugal sind die Kurse an den Aktienbörsen in Asien deutlich zurückgegangen. Der Nikkei-Index der Börse in Tokio stürzte um 2,5 Prozent auf 10.935,99. In Hongkong fiel der Hang-Seng-Index um 1,9 Prozent, in Seoul gab der Kospi-Index um 1,5 Prozent nach. Die asiatischen Märkte folgten damit den Vorgaben der Wall Street, wo der Dow-Jones-Index um 1,9 Prozent abrutschte und mit 10.991,99 Zählern den niedrigsten Stand seit fast drei Monaten erreichte.
Anhaltende Zweifel an der Zahlungsfähigkeit Griechenlands, zu denen sich auch noch Spekulationen gegen Portugal gesellten, hatten am Dienstag den deutschen Aktienmarkt belastet. Der Dax, der schon den ganzen Tag leichter tendiert hatte, rutschte nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeitsnote für Griechenland und Portugal durch die Agentur Standard & Poor's deutlich in den Keller und gab bis zum Handelsende 2,7 Prozent auf 6160 Zähler nach. Der MDax verlor 3,5 Prozent auf 8343 Zähler. Der TecDax fiel um 2,8 Prozent auf 821 Punkte.
„Ich denke, dass viele Anleger realisieren, dass es für Griechenland sehr schwer wird, seine Kredite zurückzubezahlen“, sagte ein Händler. Die Unsicherheit drückte europaweit auf die Finanzwerte, obwohl die Deutsche Bank mit einem überraschend hohen Gewinn aufwartete. Der europäische Stoxx-Bankenindex rutschte um 5,3 Prozent ab.
EU-Kommission - Umschuldung nicht Teil des Hilfspakets
Händlern zufolge hielten sich Spekulationen über eine Umschuldung griechischer Staatsanleihen. Dies hätte zur Folge, dass Investoren einen Teil ihrer Griechenland-Kredite abschreiben müssten, worunter insbesondere die Banken leiden würden. Nach Angaben der EU-Kommission sieht das Spar- und Reformprogramm für Griechenland allerdings keine Umschuldung vor.
Zur Verunsicherung trugen Aussagen deutscher Regierungspolitiker über die Zahlungsfähigkeit Griechenlands und der Beteiligung der Banken am Hilfspaket bei. „Das ist ein sehr gefährliches Spiel, das hier gespielt wird. Eigentlich preist der Markt inzwischen schon einen Ausfall Griechenlands ein - zumindest teilweise“, sagte LBBW-Volkswirt Jens-Oliver Niklasch. „Da spielt auch die Bundesregierung mit ihrer Taktiererei mit dem Feuer. Die Märkte warten ja nur auf das grüne Licht aus Berlin.“
Deutsche Bank überzeugt nicht
Der hohe Quartalsgewinn der Deutschen Bank sorgte nur kurz für Euphorie am Markt. Die Aktien gaben ihre frühen Kursgewinne von bis zu 1,6 Prozent schnell wieder ab und schlossen 5 Prozent im Minus bei 52,59 Euro. An den Zahlen sei nichts auszusetzen, sagten mehrere Händler übereinstimmend. Es gebe aber Zweifel an der Nachhaltigkeit.
„Nach der Party heute morgen konzentrieren sich die Anleger auf die kurzfristigen Aussichten und fragen sich, ob das Unternehmen das noch einmal schaffen kann“, sagte ein Händler. Zudem gab sich Finanzvorstand Stefan Krause zurückhaltend und wollte die Entwicklung im ersten Quartal nicht auf das Gesamtjahr übertragen.
Postbank-Papiere gaben 5,1 Prozent nach. Die Papiere hatten zuletzt von Spekulationen über eine Komplettübernahme durch Großaktionär Deutsche Bank profitiert, die Krause jedoch dämpfte. Die Aktien der Commerzbank verloren 2,8 Prozent.
Daimler hebt Prognose nicht stark genug an
Die Papiere des Autobauers Daimler büßten trotz der Anhebung der Gewinnprognose 3,9 Prozent ein. „Daimler hatte vor einer Woche überraschend einen Milliardengewinn bekanntgegeben, deshalb war die Anhebung der Ebit-Prognose erwartet worden“, sagte ein Händler. „Sie hätten die Prognose noch stärker anheben müssen, damit der Kurs weiter steigt.“ Weitere Börsianer verwiesen auf Gewinnmitnahmen, nachdem die Papiere der Vorwoche 6,4 Prozent zugelegt hatten.
MAN verloren 4,3 Prozent. Händler sprachen zwei Tage vor der Veröffentlichung der Zwischenbilanz von Gewinnmitnahmen. Einziger Dax-Gewinner blieben Merck, deren Kurs zuletzt unter Druck gestanden hatte, mit einem Plus von 1,7 Prozent auf 64,32 Euro.
Im TecDax profitierten die Aktien der Biotechfirma Morphosys von einem überraschend hohen operativen Gewinn im ersten Quartal. Der Kurs stieg um 0,85 Prozent. Um fast sieben Prozent abwärts ging es hingegen für die Software AG. Das Unternehmen hatte etwas weniger verdient als von Analysten erwartet.
Portugal-Abstufung belastet auch Wall Street
Vor der Zinsentscheidung der Federal Reserve (Fed) und angesichts neuer Turbulenzen am Markt für Staatsanleihen zeigen sich die Kurse an Wall Street am Dienstag leichter. Für den Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte (DJIA) geht es um 1,1 Prozent nach unten auf 11.088 Punkte. Der S&P-500 gibt 1,4 Prozent nach auf 1195 Zähler. Der Nasdaq Composite verliert 1,6 Prozent auf 2484 Stellen.
„Im Schatten der Sitzung des Offenmarktausschusses der amerikanischen Notenbank will niemand auf dem falschen Fuß erwischt werden“, sagt ein Händler. Daneben haben die Risikoaufschläge auf griechische und portugiesische Staatsschulden neue Rekordstände erreicht. Zudem hat die Ratingagentur S&P die Kreditwürdigkeit Portugals um gleich zwei Stufen auf „A-“ heruntergenommen und die Griechenlands um drei Stufen auf „BB+“ und damit auf spekulativen Status.
Konjunkturdaten ohne Bedeutung
Vor diesem Hintergrund kann das leicht gestiegene amerikanische Verbrauchervertrauen für April keine nennenswerte Impulse setzen. Der vom Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board ermittelte Index für das Verbrauchervertrauen hat mit 57,9 Punkten die Konsenserwartung von 54 Punkten übertroffen. Auch der zuvor veröffentlichte Case-Shiller-Hauspreisindex war ohne deutlichen Einfluss.
Zur Stunde spricht Notenbankpräsident Ben Bernanke vor der „National Commission on Fiscal Responsibility“ zum Thema fiskalische Nachhaltigkeit, die Blicke richten sich außerdem auf Goldman Sachs. Sowohl der Vorstandschef Lloyd Blankfein als auch Vizepräsident Fabrice Tourre nehmen in Washington Stellung zu Betrugsvorwürfen der Börsenaufsicht SEC. Nach den Abschlägen der Vortage kann sich der Titel etwas erholen und legt um 0,4 Prozent zu.
Bei den Einzelwerten gehören der Mischkonzern 3M zu den Gewinnern, der Kurs steigt um 1,1 Prozent auf 88,44 Dollar. Das Unternehmen hat nach einem starken ersten Quartal die Umsatz- und Ergebnisprognose für das Gesamtjahr erhöht.
Quartalszahlen richten wenig aus
Zudem stehen Ford im Blick der Anleger. Der Autokonzern hat im ersten Quartal mehr verdient als Analysten erwartet hatten. Allerdings kann die Aktie nicht von den guten Zahlen profitieren, sie handelt 6 Prozent leichter bei 13,585 Dollar. Der Sektor wird am Berichtstag wie auch andere zyklische Aktien insgesamt gemieden. Verlierer sind außerdem Alcoa, für die es um 3,5 Prozent auf 13,56 Dollar nach unten geht. Ferner geben Caterpillar nach den deutlichen Kursgewinnen am Montag 3,1 Prozent auf 69,45 Dollar nach.
Gleiches gilt auch für Dupont. Trotz guter Zahlen für das erste Quartal und einem positiven Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr können Dupont ihre Gewinne kurz nach Eröffnung nicht verteidigen und fallen um 2,3 Prozent auf 39,99 Dollar. Die Papiere des Chipherstellers Texas Instruments handeln 1,6 Prozent im Minus bei 26,74 Dollar. Sie profitieren damit nicht von dem starken ersten Quartal und dem angehobenen Ausblick des Unternehmens.
