Die deutschen Aktienmärkte haben sich am Montag gegen Mittag wieder etwas stabilisiert. Noch zu Beginn des Handels hatten die starke Unsicherheit nach den Wahlen in Griechenland und Frankreich die Kurse am deutschen Aktienmarkt stark unter Druck gesetzt. Der Dax fällt mittags noch um 1 Prozent auf 6498 Punkte. Für den marktbreiten FAZ-Index geht es ebenfalls um 1 Prozent auf 1434 Punkte abwärts.
Nachdem die beiden ehemals großen griechischen Parteien, die konservative Nea Dimokratia (ND) und die sozialdemokratische Pasok, keine Mehrheit mehr im Parlament haben, sehen Thomas Gitzel und Oliver Schlumpf, Analysten der VP Bank, eine mögliche Regierung der beiden Parteien auf wackeligen Beinen stehen. Der Gegenwind der Extremisten sei groß. Neue ehrgeizige Sparprogramme dürften nicht mehr durchsetzbar sein. Die Reformen verlieren den Experten zufolge den Rückhalt in der Bevölkerung und gefährden den sozialen Frieden.
Auch Frankreich sorgt für Unsicherheit
Der in Frankreich wie erwartet zum Präsidenten gewählte Sozialist Francois Hollande ist zudem ein Gegner des strikten Sparkurses Deutschlands. „Bon Voyage Sparkurs, Bonjour Finanzchaos“, lautete das Fazit von David Buik, Marktbeobachter bei BGC Partners. Der Wahlausgang in Frankreich habe zwar die Schlagzeilen bestimmt, das uneindeutige und gefährliche Ergebnis in Griechenland sowie die prekäre Finanzlage Spaniens dürften allerdings viel schwerwiegender sein. Die Börse in Paris startete knapp 1,6 Prozent leichter in den Handel, der CAC 40 liegt gegen Mittag jedoch bei Minus 0,7 Prozent.
Vor allem konjunktursensible Papiere stehen unter Druck. So fallen Commerzbank um 0,7 Prozent und Deutsche Bank um 0,8 Prozent. Die Titel der Autobauer sacken teilweise um mehr als 2 Prozent ab.
Abwärts auch in Asien
Auch in Asien waren die Kurse schon deutlich gefallen, allzumal am Freitag schon der Arbeitsmarktbericht der Vereinigten Staaten schlechter als erwartet ausgefallen war. In Tokio fiel der Nikkei nach seiner feiertagsbedingten Pause von zwei Handelstagen um 2,8 Prozent auf 9119 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit Mitte Februar. Der südkoreanische Kospi sackte um 1,8 Prozent auf 1954 Punkte ab. Am chinesischen Markt verlor der Shanghai Composite 0,3 Prozent auf 2446 Zähler.
Der Euro steht gleichfalls unter Druck. Es bestehe das Risiko weiterer Einbußen in den kommenden Tagen, schreiben Steven Englander und Valentin Marinov, Devisenstrategen der Citigroup. Aktuell notierte der Euro zum Dollar 0,4 Prozent leichter bei 1,3038 Dollar.
Auf kurze Sicht könnte die politische Entwicklung der Europäischen Zentralbank zusätzliche Lasten aufbürden. Aus dieser Perspektive könnte sich das Nichteingreifen der EZB bei der letzten Sitzung am 3. Mai rächen, sollten die Risikoaufschläge für Anleihen aus der Euro-Peripherie nach oben schießen, schreiben die Analysten. Denn dies würde eine gestiegene Gefahr für die Gemeinschaftswährung anzeigen.
Kein Euro-Absturz erwartet
Jan Poser, Devisenanalyst der Bank Sarasin, geht indes nicht von einem Sturz des Eurokurses aus. Gegenüber dem Yen habe die europäische Währung in den vergangenen Jahren schon massiv abgewertet. Die Bank of Japan interveniere schon länger gegen eine weitere Aufwertung, ebenso wie die Schweizer Nationalbank. Auch viele Schwellenländer setzten sich gegen Aufwertungen ihrer Währungen zur Wehr. Derzeit bestehe ein Hässlichkeitswettbewerb, in dem der Euro gegenüber dem Dollar und dem Pfund am wenigsten negativ dastehe. Anleger hätten derzeit den Blick auf die angelsächsischen Schuldenberge verloren
Anleger kaufen dagegen eher deutsche Staatsanleihen. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, gewinnt 16 Basispunkte auf 142,21 Prozent. Der kürzer laufende Bobl-Future gewinnt 4 Basispunkte auf 125,65 Prozent. Weitere Impulse für die Anleihen könnten aktuelle Konjunkturdaten bringen. In Deutschland steht der Auftragseingang in der Industrie für März
an. Gegenüber dem Vormonat wird ein Anstieg um 0,5 Prozent erwartet.
