Am Freitag haben sich die zuvor finsteren Mienen von Börsianern wieder etwas aufgehellt. Nach einer trüben Woche tendieren die Aktienmärkte zum Wochenschluss freundlich. Hoffnungen auf eine Erholung der amerikanischen Konjunktur beflügeln sowohl den Deutschen Aktienindex (Dax) als auch die Börsen in den Vereinigten Staaten und Kanada, Frankreich, Holland und Großbritannien mehr oder weniger stark.
Gleichwohl liegen die Aktienindizes noch deutlich hinter den Marken, bei denen sie zu Wochenbeginn gestartet waren. Der kann sich aber deutlich oberhalb der psychologisch wichtigen Marke von 2.519 Punkten, dem Oktobertief, halten. Die Unsicherheit wegen der anhaltenden Irak-Krise ist nach Veröffentlichung der US-Konjunkturdaten kurzfristig etwas in den Hintergrund gerückt.
Der Ölpreis tendierte am Freitag abermals fest. Auch der US-Dollar profitiert zwischenzeitlich von den guten Nachrichten, liegt aber gegenüber dem Euro schwächer als zu Handelsbeginn. Amerikanische Anleihen tendieren dagegen leichter im Verlauf des New Yorker Handels.
US-Aussichten besser als erwartet
Die US-Konjunktur hat sich im abgelaufenen Quartal überraschend positiv entwickelt. Die am Freitag veröffentlichten vorausschauenden Konjunkturindikatoren schwächten sich indes ab, aber weniger stark als von Volkswirten befürchtet. Das Vertrauen der US-Verbraucher in die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes ist im Februar auf den niedrigsten Stand seit neun Jahren gefallen. Der Rückgang war allerdings weniger stark als erwartet. Auch der Index der Einkaufsmanager der Region Chicago lag trotz eines Rückgangs über den Erwartungen.
Das Handelsministerium erhöhte am Freitag seine Daten für das Bruttoinlandsprodukt der USA im vierten Quartal 2002 auf plus 1,4 Prozent deutlich - eine erste Schätzung hatte bei 0,7 Prozent gelegen. Und Analysten hatten lediglich mit einem auf das Jahr hochgerechneten Wirtschaftswachstum von 1,0 Prozent gerechnet. Sie sprachen in ersten Reaktionen von ziemlich starken und soliden Zahlen.
Aufschwung nicht überbewerten
Der Dax hat zwischenzeitlich mehr als zwei Prozent gegenüber dem Vortag zulegen können; im späten Handel lag er mit 1,20 Prozent im Plus bei 2,543 Punkten. Marktteilnehmer wollen diese Aufschwung aber nicht überbewertet wissen: „Wir haben zuletzt so viele kurze Erholungen gesehen, die dann wieder in sich zusammengebrochen sind. Da sollte man jetzt vorsichtig sein", sagte Holger Galuschke, Analyst bei SEB. Allerdings steige nun die Chance, dass sich der Dax erstmal über 2500 Punkten etablieren könne.
Vorherige Verlierer gewinnen zum Wochenschluss
An der Spitze der Liste der im Plus rangierenden Aktien finden sich Titel, die in die Woche besonders stark gelitten haben, vor allem die HypoVereinsbank mit einem Zuwachs von 4,3 Prozent gegen 19.15 Uhr, ThyssenKrupp (3,77) und Münchener Rück (+ 3,7), Commerzbank (+ 3,3) sowie Deutsche Lufthansa (+ 2,11), obwohl das Papier nach Bekanntgabe der Tarifeinigung leicht zum Sinkflug übergegangen ist. Das Ende des Tarifkonflikts ist einerseits positiv, weil Unsicherheit vom Tisch ist, allerdings belastet das Ergebnis die Fluglinie in diesem Jahr mit rund 170 Millionen Euro zusätzlich.
Obwohl der Dax Auftrieb erhalten hat, geht derselbe an einigen Titeln vorbei. Fresenius Medical Care führt die Liste der Verlierer an mit einem Minus von 3,3 Prozent an, auch Bayer liegt nach einer desaströsen Woche, die einen Abschlag von einem Fünftel gebracht hat, abermals im Minus, mit 1,76 Prozent gegen 19 Uhr.
Dass es sich beim recht freundlichen Wochenausklang nicht nur um eine Eintagsfliege gehandelt habe, muß der Dax erst beweisen. Denn eines ist keine Frage: Das zuletzt alles beherrschende Thema, die Irak-Krise und die Möglichkeit eines Krieges am Golf, bleibt als Unsicherheitsfaktor bestehen.
