13.02.2012 · Auf der ganzen Welt wird gegen Banken wegen Manipulationen von Interbankenzinsen ermittelt. Sie sollen geringere Zinsen gemeldet haben, um ihre Situation entspannter darzustellen.
Von Frühauf, MarkusAufsichts- und Wettbewerbsbehörden nehmen Banken immer stärker in die Zange. Ihnen werden illegale Absprachen bei der Festlegung von Interbankenzinsen wie etwa den London Interbank Offered Rate (Libor) oder den Euro Interbank Offered Rate (Euribor) vorgeworfen. Die Royal Bank of Scotland (RBS) habe inzwischen vier Händler entlassen, berichten britische Medien. Darüber hinaus sollen sich auch die Deutsche Bank, die Schweizer UBS und JP Morgan aufgrund der Ermittlungen inzwischen von Händlern getrennt haben. Die Deutsche Bank wollte dazu keinen Kommentar abgeben.
Anfang des Monats leitete die Schweizer Wettbewerbskommission eine Untersuchung gegen die beiden Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse sowie gegen zehn weitere Banken ein. Dazu zählen auch die Deutsche Bank, Citigroup, RBS, JP Morgan und HSBC. Die Schweizer Kartellbehörde hat nach eigenen Angaben aufgrund einer Selbstanzeige Kenntnis von möglichen Kartellabsprachen zwischen mehreren Banken erhalten. Diese sollen Referenzzinssätze wie Libor oder Tokyo Interbank Offered Rate (Tibor) und die Handelsbedingungen von darauf basierenden Derivaten beeinflusst haben. Die Selbstanzeige soll die UBS gestellt haben.
Auf dem wichtigsten Interbankenzins Libor beruhen auf der ganzen Welt Finanzprodukte von mehr als 260 Billionen Euro. Auch auf die anderen Referenzzinssätze wie Euribor oder Tibor beziehen sich zahlreiche Zinsprodukte. So etwa orientieren sich variabel verzinsliche Anleihen amerikanischer und europäischer Unternehmen am dreimonatigen Libor oder Euribor. Jedoch bestimmen die Banken selbst über diese Zinsen, von denen die Sätze mit dreimonatiger Laufzeit am bedeutendsten sind. Der Libor für Dollar-Kredite wird gegenwärtig von 18 Banken, die am Finanzplatz London aktiv sind, ermittelt. Dabei befragt der britische Bankenverband täglich die Kreditinstitute, zu welchem Zinssatz sie sich zuletzt untereinander Geld geliehen haben.
Dem Vorwurf, dass sich die Banken durch die Manipulation der Zinssätze bereichert haben sollen, gehen in den Vereinigten Staaten drei Behörden nach: die Wertpapieraufsicht SEC, die Terminbörsenaufsicht CFTC und das Justizministerium. Neben der japanischen und der britischen Finanzaufsicht ermitteln auch die Schweizer Wettbewerbskommission und die EU-Kommission. Die Untersuchungen in Brüssel beziehen sich auf das europäische Libor-Pendant Euribor. Dieser wird ebenfalls auf Basis einer Umfrage unter Banken täglich berechnet, wobei die Zahl der Institute beim Euribor mit 44 mehr als doppelt so hoch ist wie beim Libor. Je höher die Zahl der Teilnehmer, desto geringer werden die Erfolgsaussichten von Absprachen.
Die zum europäischen Bankenverband European Banking Federation zählende Gesellschaft Euribor-EBF ist für die Berechnung des Euribor zuständig. Auf die im vergangenen Oktober eingeleiteten Ermittlungen, bei denen Mitarbeiter der EU-Kommission auch die Londoner Niederlassung der Deutschen Bank durchsucht haben, reagierte Euribor-EBF mit dem Hinweis, dass ihr Verfahren wasserdicht sei und Manipulationen nahezu unmöglich seien.
Die Untersuchungen gegen Manipulationen des Libor beziehen sich auch auf die Krisenjahre 2007 und 2008, als die Banken deutlich geringere Zinsen gemeldet haben, um ihre Finanzierungssituation entspannter als tatsächlich darzustellen und damit die eigenen Zinskosten zu senken. Wegen der angeblichen Libor-Manipulationen haben der amerikanische Finanzdienstleister Charles Schwab und der österreichische Hedgefonds FTC Capital mehrere Banken auf Schadenersatz verklagt. Die Citigroup soll laut Presseberichten auf Tibor-Positionen eines Tokioter Händlers 50 Millionen Dollar abgeschrieben haben.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |