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Märkte 2007 Hoffnung auf das fünfte Jahr der Hausse

Das Jahr 2006 war allen anfänglichen Unkenrufen zum Trotz ein sehr erfolgreiches. Und für das kommende sind die Prognosen positiv. Auch wenn sie schwächer wird, ein fünftes Jahr der Hausse ist durchaus denkbar.

© REUTERS Vergrößern Hielt die Inflation in Grenzen: Federal Reserve-Chef Bernanke

Silvester war eine Feier wert. Es ist müßig, all die Rekorde an den Weltbörsen aufzuzählen, mit denen die Finanzmärkte aus einem sehr erfolgreichen Jahr 2006 gegangen sind, dem vierten Haussejahr in Folge. Wer hätte vor zwölf Monaten schon gedacht, dass der Dow-Jones-Aktienindex gegen Jahresende auf einen Rekordstand von 12.500 Punkten klettern und der Dax-Aktienindex sogar die Marke von 6600 Punkten überrunden würde - das ist ein Plus von mehr als 20 Prozent gegenüber dem Jahreseinstand. Die Weltbörsen haben weit kräftiger zugelegt, als von nahezu allen Analysten vorhergesagt war, und es zeigt sich, dass die Unkenrufe während der Zitterpartie und Kurskorrektur im Mai übertrieben waren.

Mehrere Gründe haben zu dem überraschend guten Jahresergebnis 2006 beigetragen, und es scheint, dass die Aussichten für 2007 gut sind. Im Frühjahr vergangenen Jahres hatte noch die Angst dominiert, die Inflationsgefahren könnten überhandnehmen und die Notenbanken zu einer schärferen Gangart zwingen mit der möglichen Folge einer Rezession. Doch es kam anders. Die Federal Reserve hat es bisher recht gut geschafft, die Inflationsgefahren auf dem amerikanischen Immobilienmarkt im Griff zu behalten.

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Konjunkturhimmel über Europa aufgehellt

Das Wirtschaftswachstum wird sich zwar etwas abschwächen, nicht aber in einer harten Landung der Konjunktur oder gar in einer Rezession münden. „Happy Landing“ beschreibt die Investmentbank Goldman Sachs dieses Szenario. Die Zuversicht, dass die Zinspolitik der Federal Reserve eben nicht zu einer zu starken Drosselung der Verbrauchernachfrage und der Investitionen führt, erklärt unter anderem die positive Stimmung auf dem amerikanischen Aktienmarkt.

inder © AFP Vergrößern Indiens ehrgeizige Bevölkerung schafft Wachstumspotential

Anders als Anfang des Jahres 2006 noch erwartet, hat sich der Konjunkturhimmel über Europa, vor allem Deutschland, aufgehellt. Die Region erfreut sich derzeit einer wirtschaftlichen Eigendynamik, die zuversichtlich stimmt. Die Investoren honorieren dies und investieren in die europäischen Aktienmärkte, vor allem in den deutschen Aktienmarkt. Obwohl die Kurse in letzter Zeit kräftig gestiegen sind, gehören die europäischen Aktien zu den Favoriten der global anlegenden Fondsmanager.

Zwei gewaltige Volkswirtschaften

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis europäischer Aktien beträgt, gemessen an den erwarteten Unternehmensgewinnen des Jahres 2007, 14,2 - kaum höher als zu Beginn 2006. Der Käufer einer Aktie zahlt also etwa das Vierzehnfache des Unternehmensgewinns, der auf eine Aktie entfällt. Am amerikanischen Aktienmarkt beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis 16,2. Es ist gegenüber dem Beginn 2006 ebenfalls kaum gestiegen. Kein Grund also, von einer Überbewertung der Aktien oder gar einer Überhitzung an den Aktienmärkten zu sprechen, sieht man von der Ausnahme der extrem teuren Infrastrukturwerte einmal ab.

Auch wenn die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten im kommenden Jahr langsamer wachsen mag, gibt es auf der anderen Seite des Erdballs mit China und Indien zwei gewaltige Volkswirtschaften, die wegen ihrer Reformen und ihrer ehrgeizigen - und noch sehr bescheidenen - Bevölkerung ein Wachstumspotential schaffen, das auf Jahre hinaus zulegen dürfte.

Anhaltend starke Rohstoffpreise

Schon jetzt erwirtschaften China, Indien, Russland und Brasilien mehr als 10 Prozent des weltweiten Bruttosozialproduktes. In diesen Ländern wächst eine Mittelklasse, die ihren höheren Lebensstandard mit mehr Konsum genießen will. Das könnte der Beginn eines Wirtschaftswachstums sein, das auf Dauer unabhängig von der amerikanischen Konjunktur sein dürfte. Dies ist ein grundlegend neues Szenario. Es gibt Anlass zur Hoffnung, dass sich Europa und die großen Schwellenländer in den nächsten Jahren immer mehr von dem Konjunkturverlauf der Vereinigten Staaten abkoppeln, ja den Schwächeimpuls Amerikas sogar ausgleichen könnten. Dies war bisher nie der Fall.

Dass die Aktienkurse in der zweiten Jahreshälfte 2006 so leichtfüßig auf immer neue Höchststände geklettert sind, wurde seit Mitte des Jahres freilich auch durch den deutlich gesunkenen Ölpreis und einen kräftigen Preiseinbruch bei einigen Rohstoffen wie Basismetallen, vor allem Kupfer, ausgelöst. Viele Analysten prognostizieren einen auf Dauer wieder etwas steigenden Ölpreis. Die starke Nachfrage, vor allem aus Fernost, werde zudem für anhaltend starke Rohstoffpreise sprechen. Zu hoffen ist, dass sich die Energie- und Rohstoffpreise jedoch in Grenzen halten werden und nicht Inflationsängste schüren, wie dies in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres der Fall war. Die rasant emporgeschnellten Energie- und Rohstoffpreise waren im vergangenen Frühjahr der Auslöser für die damals so scharfe Kurskorrektur an den Märkten im Mai.

Übernahmewelle rollt weiter

Noch ein weiterer Punkt stimmt zuversichtlich für dieses Jahr: Die Renditen an den Anleihemärkten sind, historisch gesehen, auf niedrigem Niveau, was Fondsmanager nach besseren Anlagealternativen suchen lässt. Es wird sich auch in diesem Jahr für Großinvestoren lohnen, am Anleihemarkt Fremdkapital aufzunehmen und sich mit diesen Finanzierungsmitteln durch Übernahmen von Unternehmen eine lukrative Eigenkapitalrendite zu sichern, selbst wenn es nur eine moderate, aber langfristig recht sichere Rendite auf Infrastrukturinvestitionen ist. Das heißt für die Anleger an den Aktienmärkten: Die Übernahmewelle rollt weiter.

Die Welt befindet sich in der zweiten Phase eines lang anhaltenden Wirtschaftsaufschwungs und Konjunkturzyklus. Da mag das Gewinnwachstum etwas nachlassen, und das Geschehen an den Märkten mag von höherer Volatilität geprägt sein. Dennoch ist diese Phase für die Aktienmärkte meist eine Zeit von weiterhin steigenden Kursen. Es könnte daher das fünfte Jahr einer recht erfreulichen Hausse bevorstehen.

Quelle: F.A.Z., 02.01.2007, Nr. 1 / Seite 28

 
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