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London Wieder Zeit für den profanen Alltag

23.08.2007 ·  Die Finanzmärkte erholen sich, die Banker in der Londoner City atmen auf. Nach stressgeplagten Wochen vor den Bildschirmen finden Banker plötzlich wieder Zeit für die profaneren Aufgaben des Alltagslebens: zum Beispiel Strafmandate bezahlen und den abgeschleppten Maserati abholen.

Von Bettina Schulz, London
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Die Finanzmärkte erholen sich, die Banker in der Londoner City atmen auf. Nach stressgeplagten Wochen vor den Bildschirmen, die vor Kursverlusten rot flimmerten, finden Banker plötzlich wieder Zeit für die profaneren Aufgaben des Alltagslebens: zum Beispiel Strafmandate bezahlen und den abgeschleppten Maserati abholen.

Keine Zeit für „solche Kleinigkeiten“ hatte Bertrand Des Pallieres, Hedge-Fonds-Manager von SPQR Capital. In der Hektik des Geschäftes, seinen eigenen Hedge-Fonds aufzubauen, vergaß der überarbeitete Banker offensichtlich seinen Maserati Cambiocorsa am Lowndes Square in Knightsbridge. „Ich fahre den nicht jeden Tag - nur ab und zu im Sommer“, sagte er.

Außerdem war Des Pallieres sehr beschäftigt. Der ehemalige Banker, der die Deutsche Bank im April verließ, um sich selbständig zu machen, sammelte Gelder für seinen Fonds ein und war eifrig bemüht, das Chaos der Finanzmärkte von seinem 170 Millionen Pfund schweren Hedge-Fonds abzuwenden. Da kann man schon mal vergessen, dass sich an der Windschutzscheibe des Luxusschlittens die Strafmandate stapeln, 65 Strafmandate wegen nicht gezahlter Maut-Gebühr in der Post landen und die Behörden böse Briefe schreiben, weil die Kfz-Steuer nicht gezahlt wurde.

Endlich wieder das Spielzeug abholen

„Ich bin manchmal zu fixiert auf meine Arbeit. Das hat seine guten und schlechten Seiten“, sagt Des Pallieres. Die Stadt London ließ den Maserati abschleppen. „Maseratis landen nicht so oft bei uns; und wenn, dann kommen die Eigentümer eigentlich nach ein paar Tagen und holen sie ab“, meinte ein Sprecher von Transport for London (TfL). Nicht Des Pallieres. Schließlich tobte derweil die Krise an den Finanzmärkten. „Außerdem war der Wagen bei dem Abschleppunternehmen billig geparkt. In der Stadt kostet es mehr“, kalkulierte der französische Banker. Das Abschleppunternehmen wollte den Maserati allerdings nicht. Normalerweise werden nicht abgeholte Autos nach 14 Tagen verschrottet. TfL zögerte allerdings bei der Vorstellung, den 120 000 Euro teuren Schlitten in die Schrottpresse zu quetschen. „Da wäre ich ja doch traurig gewesen“, meinte Des Pallieres - reagierte aber immer noch nicht.

Also suchte TfL drei Monate nach einem Händler, der den Wagen versteigern sollte. Kaum war der Auktionator gefunden, da hatte sich die Finanzkrise beruhigt, und der 39 Jahre alte Hedge-Fonds-Manager fand wieder die Zeit, um sein Spielzeug abzuholen.

Froh ist derzeit, wer überhaupt einen Maserati in der Garage hat. Denn schon geht das Heulen und Zähneklappern in der City los, dass die Bonuszahlungen wegen der Finanzkrise nicht mehr so üppig ausfallen könnten. Eigentlich sollte dieses Jahr ein Rekordjahr werden, nachdem die Kurse an den Finanzmärkten auf Höchststände kletterten, das Übernahmegeschäft brummte und Investmentbanken Rekordgewinne im zweiten Quartal verkündeten. Das Geschäft florierte in den ersten sieben Monaten dieses Jahres so stark, dass Investmentbanken Mitarbeiter von der Konkurrenz mit doppeltem Gehalt und auf zwei bis drei Jahre hinaus garantierten Bonuszahlungen abwarben.

Rekordzahlung der Boni

Doch garantierte Bonuszahlungen sind eher selten, und so fürchten viele Mitarbeiter in der City eine Anpassung des liebgewonnenen Geldsegens nach unten. Banken wie UBS kündigten bereits an, dass die Gewinne des zweiten Halbjahres niedriger ausfallen würden. So fürchten Banker in der City, dass die Rekordzahlung der Boni von umgerechnet 12 Milliarden Euro im vergangenen Jahr nun um 10 bis 20 Prozent zusammengestrichen werden könnte.

Schließlich sitzen einige der großen Investmentbanken auf Finanzierungszusagen für Übernahmetransaktionen, die sie derzeit am Markt nicht als Kredittranchen verkaufen können. Sie müssen möglicherweise mit einem Verlust auf den Marktwert abgeschrieben werden. Gleichzeitig werden einige Finanzinstitute in der Londoner City Verluste im Eigenhandel abfedern und sich auf geringeres Geschäftsvolumen in der Übernahmefinanzierung einstellen müssen.

Freilich hat jede Krise auch ihre Gewinner: Die Banken profitieren von dem gestiegenen Handelsvolumen an den Märkten. In den Handelsabteilungen kommen die Mitarbeiter mit ihrer Arbeit dem drastisch gestiegenen Volumen im Aktien-, Anleihe- und Devisenhandel kaum noch hinterher. Bankmitarbeiter stöhnen über die beiden vergangenen Wochenenden, weil sie in der Abwicklung (backoffice) Überstunden schieben mussten. Vor allem die Abrechnung von Transaktionen komplizierter Kreditderivative ist zeit- und personalaufwendig. Vor zwei Jahren bereits hatte die Londoner Finanzaufsicht, die Financial Services Authority (FSA), die führenden Marktteilnehmer in dem Segment aufgefordert, die Abrechnung ihrer Tafelgeschäfte zu beschleunigen.

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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