19.08.2006 · Es ist immer die gleiche Frage, die sich die Londoner Investmentbanker und Fondsmanager stellen: Was mache ich mit meinen Bonus-Zahlungen? Das neue Magazin „Brummel“ hilft ganz „stilgerecht“ bei den Investitionen.
Von Bettina Schulz, LondonEs ist zwar schon August, und die meisten Londoner Investmentbanker und Fondsmanager werden mittlerweile Verwendung für ihre Bonus-Zahlungen gefunden haben. Wenn dem aber nicht so ist, hat das neue Lifestyle-Magazin „Brummel“ für die spendierfreudigen Londoner Banker einen Tip: der neue Bugatti Veyron. Nie gehört und nie gesehen? Dieses schnellste und teuerste Auto der Welt steht bei einem Händler im englischen Surrey. „Die Concorde des Straßenverkehrs“ schwärmt das Magazin, und die ehrgeizigen und konkurrenzbesessenen Banker werden gleich aufgeklärt: „Wenn man den Bugatti anläßt und ein McLaren 1 schon auf 180 Stundenkilometer beschleunigt hat, wird der Bugatti trotzdem als erstes die 300 Stundenkilometer erreicht haben.“
Für den Laien: McLaren 1 ist ebenfalls so ein teurer Raser. Nicht, daß man auf englischen Autobahnen auf 300 Stundenkilometer beschleunigen wollte. Aber darum geht es nicht, wenn man seinen Bonus auf den Kopf haut. Das Magazin vermutet daher mit einem Blick auf seine Leserschaft: „Mit einem Preisschild von 950.000 Pfund wird der Wagen sicherlich nicht lange rumstehen.“
Edel aufgemacht und nur vom Feinsten
Die Leserschaft sind reiche, zeitgestresste Banker und Fondsmanager, die eigentlich das Fachmagazin Financial News abonniert haben. Diese 20.000 Leser überfliegen täglich mit Argusaugen die Online-Nachrichten des Londoner Finanzfachblattes, denn da steht drin, welche Banker ihren Arbeitgeber wechseln, wo geheuert und gefeuert wird, welche „Deals“ gerade laufen und wie hoch die Boni ausfallen. Und damit die Jungs auch wissen, wie sie ihren Bonus „stilgerecht“ ausgeben, steht ihnen das Zusatzmagazin „Brummel“ zur Seite - jedes Quartal edel aufgemacht und nur vom Feinsten.
Das Magazin ist nichts für Frauen - die City ist immer noch sehr Männerwelt, zumindest, wenn es um den Luxus geht, die Millionen auszugeben. Und die haben die Leser von „Brummel“. 34 Prozent von ihnen haben nach Angaben des Magazins mehr als 1 Million Pfund auf der hohen Kante - natürlich ohne die Millionenvilla in Chelsea gerechnet. Ihr Durchschnittseinkommen liegt bei 320.000 Euro im Jahr. Sie sind gut 40 Jahre alt, und jeder zehnte von ihnen gibt gut 10.000 Euro für eine Uhr aus.
„In der Mittagspause nur 20 Minuten Zeit“
Deshalb auch der Name „Brummel“ - eine Erinnerung an den König aller Dandys, den britischen Beauvivant George Bryan Brummel, der den Briten vor zweihundert Jahren Etikette und einen neuen Dresscode beibrachte. Vorbei war die verhaßte Zeit der französischen Hofmode mit Kniehosen, Perücken, Puder und roten Absatzschuhen. „Beau“ Brummel setzte auf Understatement: schlanke Figur, hochelegante, aber schwarze Kleidung, schneeweiße Weste, Hosenschlaufen für den richtigen Sitz - die besten Schneider der Cork Street und Jermyn Street waren gerade gut genug: noch heute steht eine Statue von Beau Brummel in der Jermyn Street, wo sich die Banker immer noch die teuersten Anzüge schneidern lassen.
In alter Tradition der Dandys schwelgt das Magazin „Brummel“ in Luxus für den Herrn und gibt noch wertvolle Tips für die gestressten Banker: zum Beispiel, daß im Herzen der City ein neues Geschäft von Cartier eröffnet hat, dessen Personal darauf getrimmt ist, möglichst schnell zu verkaufen. „Denn die wissen, daß Banker in der Mittagspause nur 20 Minuten Zeit haben.“ Also rucki-zucki her mit der „Tortue von Cartier“. Das ist eine Uhr - für 10.600 Pfund. Die Calatrava von Patek Philippe ist billiger. Die kostet nur 9440 Pfund - laut „Brummel“.
Polo-Pferde gibt es schon ab 5000 Pfund
Es gibt noch andere wichtige Lebenshilfe in dem Luxusmagazin: wo und wie man sich zum Beispiel für umgerechnet 8000 Euro ein individuelles Fahrrad zusammenstellen lassen kann. Welcher Luxusschneider auf Bestellung in das Büro seines Kunden in der City kommt. Welchen Headhunter man ansprechen kann, wenn der Bonus schon wieder nicht reicht. Daß man sich für umgerechnet 50.000 Euro ein eigenes Kino zu Hause einrichten lassen kann. Das sei sogar eine gute Investition. Das jedenfalls berichtet nach Angaben des Magazins „Brummel“ eine Immobilienagentur, die gerade ein Haus am Londoner Sloane Square vermakelt hat - für 4 Millionen Pfund. Da war ein Eigenheim-Kino drin. Das brachte dann noch mal 200.000 Pfund extra.
Dann Lebenshilfe für den Urlaub: Im Royal Estate Hotel in Bora Bora hat man nicht nur Zimmer und Villa mit Traumblick, sondern noch privaten Swimmingpool und Butler - für 900 Euro die Nacht natürlich. Lebenshilfe Sport: Polo-Pferde gibt es schon ab 5000 Pfund, können aber bis zu 50.000 Pfund kosten - dann spielt es sich besser.
„Immer dran denken, daß dies harte Arbeit ist“
Aber Spaß beiseite. Brummel widmet den größten Artikel den wirklichen Sorgen der Banker in dieser Sommersaison: Wie unterhalte ich meine Bankkunden am besten? „Egal - selbst wenn die Kunden langweilig sind, der Champagner warm ist und die Füße schwitzen: immer dran denken, daß dies harte Arbeit ist“, tröstet Chefredakteur James Rutter. „Schade nur, daß die armen Händler von Goldman Sachs keine Einladungen mehr annehmen dürfen. Aber laß sie nur an ihren Bildschirmen hängen, während wir uns dem Cricket, Polo, Wimbledon und Ascot widmen.“ Magazin „Brummel“ weiß, wo der Heliport für den Helikopter liegt.
Man mag nur hoffen, daß die Banker ihr Vorbild „Brummel“ nicht zu wörtlich nehmen. Der erlag nämlich in späten Jahren der Spielsucht, machte bankrott, floh nach Frankreich, landete im Gefängnis und wurde vor seinem Tode gar in ein Armenhospital eingewiesen.
Lifestyle - "Hyped-up Spin"?
Fionn Huber (fionn)
- 19.08.2006, 13:59 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
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| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
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| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |