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Leitzins Alle Aufmerksamkeit der Federal Reserve

28.10.2007 ·  Die amerikanische Notenbank dürfte am Mittwoch abermals die Leitzinsen senken. Gründe dafür könnten sein, den eingetrübten Konjunkturaussichten zu begegnen und vielleicht eine Rezession abzuwenden. Der Dollar könnte durch die Senkung unter Druck geraten.

Von Claus Tigges, Washington
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Die Erwartungen der Marktakteure sind hoch gesteckt: Um einen Viertel-, vielleicht sogar um einen halben Prozentpunkt wird die Federal Reserve (Fed) in dieser Woche den Leitzins senken, dessen sind sich viele Börsianer und Anlagestrategen gewiss. Der geldpolitische Rat der amerikanischen Notenbank unter Führung von Ben Bernanke, so meinen die Marktteilnehmer, muss die Geldpolitik noch ein Stück weiter lockern, um den eingetrübten Konjunkturaussichten zu begegnen und vielleicht sogar eine Rezession abzuwenden.

Das „R-Wort“ findet sich in zahlreichen Marktkommentaren in diesen Tagen, nicht immer dargestellt als eine unausweichliche Entwicklung, wohl aber als ein denkbares Szenario mit einer nicht mehr ganz geringen Eintrittswahrscheinlichkeit.

Die Befürchtungen der Investoren, verbunden mit der Hoffnung auf weitere Liquiditätshilfe der Fed, lassen sich an den sinkenden Anleiherenditen eindrucksvoll ablesen: Amerikanische Treasury Notes mit einer verhältnismäßig kurzen Laufzeit von zwei Jahren werfen nur noch rund 3,77 Prozent ab, so wenig wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Notierungen schwanken in einem nervösen Handel

Am langen Ende des Marktes beträgt die Rendite der Staatspapiere mit zehn Jahren Laufzeit noch 4,41 Prozent, rund 85 Basispunkte weniger als im Frühsommer. Die hohe Nachfrage nach sicheren Festverzinslichen hinterlässt Spuren an den Aktienbörsen. Von einer gänzlich trüben Stimmung kann zwar keine Rede sein. Doch die Notierungen schwanken in einem nervösen Handel mitunter beträchtlich, nicht nur an der Wall Street, sondern auch an anderen Börsenplätzen rund um den Globus.

Der Dow Jones der 30 führenden Industriewerte wurde am Freitag mit 13 806 Punkten berechnet, rund 2,6 Prozent unter dem Rekord von 14 164 Punkten, der am 9. Oktober aufgestellt wurde. Auch der Deutsche Aktienindex Dax kann sich der Unruhe nicht immer entziehen und steht derzeit auf 7949 Punkten, etwa 2 Prozent unter dem Rekordniveau vom Juli, als das Börsenbarometer mit 8105 Punkten so hoch aus dem Handel ging wie nie zuvor.

Europa hat freundlicheren Konjunkturausblick

Die Laune an Europas Börsen scheint unter dem Strich etwas besser als in den Vereinigten Staaten zu sein, was mit dem verhältnismäßig freundlicheren Konjunkturausblick zusammenhängen mag. In den Prognosetabellen der Investmentbanken und auch im jüngst vorgestellten Weltwirtschaftsbericht des Internationalen Währungsfonds wird zwar auch Europa eine Abkühlung des Wachstums für 2008 vorhergesagt.

Der Dämpfer für die Konjunktur dürfte aber geringer ausfallen als in Amerika, wo nach nahezu einhelliger Einschätzung die Schwäche des Immobilienmarktes und die Krise auf Teilen des Hypothekenmarktes noch nicht überwunden sind.

Verlust für Merrill Lynch im dritten Quartal

Verschiedene Daten der vergangenen Woche, unter anderem jene zu den Verkäufen bestehender und neuer Einfamilienhäuser, untermauern diese Vermutung. Eine Reihe von Analysten ist davon überzeugt, dass mit der Milliardenabschreibung, die Merrill Lynch auf sein Engagement auf dem Hypothekenmarkt vornehmen musste, nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist.

Merrill Lynch hat als einzige der führenden Investmentbanken einen Verlust für das dritte Quartal ausgewiesen. Allerdings sind darin die Geschäftszahlen für September schon enthalten, über die die Konkurrenz erst beim nächsten Mal berichten wird.

Freilich gibt es keine Gewähr dafür, dass nicht auch in Europa weitere Banken über finanzielle Schieflagen im Zusammenhang mit ihren Investitionen in Hypothekendarlehen, vielfach über den Umweg forderungsbesicherter Anleihen, berichten werden. Bundesfinanzministerium und Bundesbank aber haben nach Auskunft von Minister Peer Steinbrück und Währungshüter Axel Weber zumindest bisher keine Erkenntnisse darüber.

Prognose: Ölpreis wird auf 100 Dollar steigen

Während die Aufmerksamkeit der Fed offenbar vor allem dem Konjunkturausblick gilt, haben die europäischen Währungshüter ihren Blick fest auf die Inflation im Euro-Raum gerichtet. Die Risiken für die Preisstabilität sind durch die Spannungen an den Märkten offenbar nicht nennenswert kleiner geworden. Das hängt sowohl mit der hohen Dynamik des Geldmengen- und des Kreditwachstums im Währungsgebiet zusammen als auch mit dem hohen Ölpreis.

Rund 92 Dollar müssen für ein Fass (zu 159 Liter) derzeit am Warenterminmarkt im Dezemberkontrakt in New York bezahlt werden. „Der Preis kennt derzeit nur eine Richtung - nach oben“, ist in diesen Tagen häufig von Händlern zu hören. Diese Beschreibung der Marktlage wird gelegentlich verbunden mit der Prognose, der Ölpreis werde in nicht allzu ferner Zukunft auf 100 Dollar oder mehr steigen.

Das wäre sicher dem Kartell der Ölförderstaaten (Opec) nicht recht, denn dann stiege die Gefahr eines Abschwungs der Weltwirtschaft. Danach sieht es aber bisher nicht aus, und die Opec hat das Publikum wissen lassen, dass trotz des hohen Ölpreises die Produktion im November nur um die vor einigen Wochen beschlossene Menge von 500.000 Fass am Tag erhöht wird und nicht darüber hinaus.

Dollar kann weitere Kursverluste bevorstehen

Die EZB ist angesichts der erhöhten Unsicherheit an den Märkten noch nicht zu einer spruchreifen Entscheidung über eine mögliche weitere Zinserhöhung gekommen. In ihre Überlegungen fließt aber gewiss auch ein, dass der Euro einen Teil des Ölpreisanstiegs abfängt. Die Verschiebungen im Wechselkursgefüge, die den Euro im Verhältnis zum Dollar von rund 1,31 Dollar zu Beginn des Jahres auf fast 1,44 Dollar haben steigen lassen, dämpfen nicht nur die negativen Folgen für die Preisentwicklung, sondern auch für das Wachstum.

Und eine Reihe von Währungsfachleuten ist davon überzeugt, dass dem Dollar weitere Kursverluste bevorstehen, sowohl zum Euro als auch zu anderen Währungen wie dem kanadischen Dollar. Wenn die Entwicklung der Leitzinsen in Amerika und Europa wie in den vergangenen Jahren auch in den kommenden Monaten zumindest ein grober Indikator für die Kursrichtung ist, dann dürfte der Dollar nach einer möglichen Zinssenkung der Fed am Mittwoch weiter unter Druck geraten.

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