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Lebensversicherungen An der Assekuranz geht die Hausse vorbei

23.04.2007 ·  Trotz steigender Aktienkurse profitieren viele Lebensversicherte kaum von den Kursgewinnen. Denn die meisten Versicherungsgesellschaften haben ihre Aktienquote nur vorsichtig erhöht. Die steigenden Zinsen für Anleihen belasten die Versicherer zusätzlich.

Von Stefan Ruhkamp
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Während der Deutsche Aktienindex Dax seit Jahresbeginn um 11 Prozent zugelegt hat und sich allmählich dem sieben Jahre alten Rekordwert nähert, profitieren viele Lebensversicherte kaum von den Kursgewinnen. Ende 2006 hatten die deutschen Lebensversicherer nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft rund 70 Milliarden Euro oder etwa 10 Prozent ihrer Kapitalanlagen in Form von Aktien. Das sind nur zwei Prozentpunkte mehr als im Jahr 2004. Da die europäischen Aktienindizes im selben Zeitraum mehr als 35 Prozent an Wert gewonnen haben, lässt sich ableiten, dass die deutsche Assekuranz unter dem Strich sogar Aktien verkauft hat.

Diese Aussage gilt allerdings nur im Durchschnitt. So hat der Marktführer Allianz Leben die Aktienquote im vergangenen Jahr von 17,7 Prozent auf 21 Prozent gesteigert. Das resultiere zu etwa zwei Dritteln aus Kursveränderungen und zu einem Drittel aus Zukäufen. Recht forsch hat auch die Württembergische erhöht: Seit Ende 2005 von 9 auf 12,5 bis 13 Prozent. „Den Kursrückschlag im Februar haben wir genutzt, um nachzukaufen“, sagt Edmund Schwake, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Wüstenrot & Württembergische (W&W).

Es gebe also Spielraum für eine weitere Erhöhung der Quote, was allerdings derzeit nicht geplant sei. Die R+V liegt bei 15,4 Prozent. Der Anstieg gegenüber dem Vorjahr resultiere im Wesentlichen aus Kurssteigerungen, sagt Finanzvorstand Rainer Neumann. Er wolle die Quote zumindest stabil halten, weil der Aktienmarkt weiterhin attraktiv bewertet sei.

„Lebensversicherung sollte Sicherheit bieten“

Am anderen Ende der Skala stehen Gesellschaften mit sehr geringen Aktienquoten. Bei einigen ist das aufsichtsrechtlich erzwungen. Lebensversicherungen stehen unter staatlicher Aufsicht und dürfen keine übermäßigen Risiken eingehen. Nur Gesellschaften, die genügend Reserven, Eigenkapital und andere Risikopuffer haben, dürfen riskant investieren. Die Aktienkursschmelze zwischen März 2000 und März 2003 hat bei vielen Gesellschaften diese Puffer aufgefressen, zumal damals die Aktienquoten sehr hoch waren. Das Extrem ist Protektor, die Auffanggesellschaft für die in Schieflage geratene Mannheimer Leben. Sie hält mangels Reserven heute keine Aktien mehr.

Andererseits gibt es auch Versicherer, die aus freien Stücken und bewusst nur wenige Aktien besitzen. Die Debeka zum Beispiel investiert nur etwa ein Prozent der Kapitalanlagen auf dem Aktienmarkt. Sie hat das schon vor der Baisse getan und steht deshalb heute trotz oder gerade wegen der geringen Aktienquote glänzend da. „Wir sind der Ansicht, dass die Lebensversicherung vor allem Sicherheit bieten sollte. Dazu passt eine Aktienanlage im großen Stil nicht“, erläutert Uwe Laue, Vorstandsvorsitzender der Debeka. Aktien kommen ihm allenfalls dann ins Portfolio, wenn die Dividendenrendite verlässlich ist und jenseits von 4 Prozent liegt.

Renditeanstieg als erfreulichn eingeschätzt

Die meisten anderen Lebensversicherer streben wegen der Hoffnung auf höhere Renditen größere Aktienanlagen an und haben davon zuletzt profitiert. Allerdings haben sich auch die Renditen auf den Anleihemärkten stark erhöht. Seit dem Rekordtief im Jahr 2005 ist der Marktzins für die Neuanlage in Bundesanleihen von 3 auf 4,2 Prozent gestiegen. Auf lange Sicht ist das zwar gut für die Branche, weil sie die Garantieversprechen leichter erfüllen kann. Doch kurzfristig kommt es zu einer Belastung, weil die schon gekauften Anleihen bei steigenden Zinsen an Wert verlieren. Diese Kursverluste sind gewichtig, denn die Anlagen bestehen zu mehr als 80 Prozent aus Zinstiteln. Der Renditeanstieg hat im vergangenen Jahr dazu geführt, dass trotz kräftiger Aktienkursgewinne die stillen Reserven, die aus noch nicht bilanzierten Gewinnen stammen, von 4,4 auf 4,3 Prozent gesunken sind.

Gleichwohl schätzt Edmund Schwake von der W&W, der auch im Branchenverband tätig ist, den Renditeanstieg als erfreulich ein. „Das kostet zwar Reserven, dafür wird aber auch die Neuanlage leichter.“ Das beurteilt Norbert Heinen, Versicherungsmathematiker und Vorsitzender der Deutschen Aktuarsvereinigung, ähnlich. Er rät finanzschwächeren Gesellschaften, Aktienkursgewinne zu nutzen, um Verluste aus Anleihen auszugleichen.

Bei schnell wachsenden Versicherern könnten schon stille Lasten entstanden sein. „Es ist aber auch vorstellbar, dass einzelne finanzstärkere Gesellschaften den Spielraum nutzen werden, um im kommenden Jahr für ihre Kunden die Überschussbeteiligung zu erhöhen.“ Für die Versicherten wäre das Ende einer langen Durststrecke erreicht. Seit den neunziger Jahren haben die Lebensversicherer die Gesamtverzinsung aus Überschuss und Garantiezins kontinuierlich von durchschnittlich 7,3 auf 4,3 Prozent gesenkt. In diesem Jahr ist der Durchschnitt erstmals wieder leicht gestiegen.

Quelle: F.A.Z., 24.04.2007, Nr. 95 / Seite 21
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Jahrgang 1968, Redakteur in der Wirtschaft.

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