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Lebensversicherung Teurer Fehlgriff

18.08.2006 ·  Die Wahl eines schlechten Lebensversicherers kann viel Geld kosten. Genaues Vergleichen lohnt sich, denn bei der Höhe der Auszahlungen liegen die Anbieter teilweise weit auseinander.

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Die Auswahl eines guten Anbieters von kapitalbildenden Lebens- oder Rentenversicherungen zahlt sich für Sparer aus. Umgekehrt kann die nachlässige Auswahl zu einem teuren Fehlgriff werden, wenn sich der Sparer vertraglich an einen renditeschwachen oder besonders teuren Lebensversicherer bindet. Diesen Schluß lassen Daten zu, die der vor allem von Maklern genutzte Branchendienst Map-Report gesammelt hat. Die Auszahlungen von Verträgen, die in der Vergangenheit geschlossen wurden und nun fällig werden, liegen zwischen den besten und schlechtesten Anbietern rund 30 Prozent auseinander.

Ein Mann, der zum Beispiel vor dreißig Jahren eine kapitalbildende Lebensversicherung bei der Debeka abgeschlossen und seitdem monatlich 100 Euro eingezahlt hat, erhält heute 119.000 Euro. Der gleiche Vertrag bei der Konkurrentin Victoria hätte zu einer Auszahlung von nur 88.000 Euro geführt. Der Durchschnitt der Anbieter liegt bei knapp 95.000 Euro. Die vom Map-Report gesammelten Daten beziehen sich auf kapitalbildende Lebensversicherungen. Das sind Verträge mit Todesfallschutz und garantierter einmaliger Ausschüttung am Ende der Vertragslaufzeit, die sich erhöht, wenn der Anbieter mehr als die Zinsgarantie erwirtschaftet.

Kostensätze gehen weit auseinander

Diese Verträge werden wegen der stark verringerten Steuervorteile immer weniger verkauft. Die Renditebetrachtung ist aber auch für die inzwischen dominierenden Rentenversicherungen, die jedes Jahr millionenfach verkauft werden, oder für die steuerlich geförderten Riester- und Rürup-Renten aussagekräftig. Die vom Staat geförderten Sparverträge werden von der Mehrzahl der Anleger bei Versicherungen abgeschlossen, zumeist mit klassischer Garantieverzinsung. Bei den Rentenprodukten der Versicherer wird der größte Teil des angesparten Kapitals nicht auf einen Schlag ausgezahlt, sondern in eine Rente umgewandelt, die bis zum Lebensende gezahlt wird. Trotz unterschiedlicher Ausgestaltung ist die Renditestärke der Rentenversicherungen von den gleichen Faktoren abhängig wie die vom Map-Report ausgewerteten Lebensversicherungen.

Ein Grund für die großen Unterschiede bei den Auszahlungen sind die Kosten der Anbieter. Denn von jedem Euro, den der Sparer überweist, wird ein Teil für den Todesfallschutz abgezogen, ein weiterer Teil - und das gilt auch für Rentenversicherungen - wird für Verwaltung und Vertrieb gebraucht. Nur der Rest wird dem Kunden gutgeschrieben und verzinst. Die Kostensätze gehen weit auseinander. So brauchen zum Beispiel Iduna, Nürnberger und Hamburg-Mannheimer rund 4 Prozent all ihrer Prämien für die Verwaltung. Der Durchschnitt kommt mit 3 Prozent aus, Marktführer Allianz mit 1,8 Prozent und Debeka mit 1,6 Prozent.

Hohe Kosten sind selten Indiz für Qualität

Die Abschlußkosten, die im Schnitt 10 Prozent der Jahresprämien ausmachen, gehen noch weiter auseinander. Besonders sparsam sind Direktversicherer wie Cosmos oder Hannoversche, die sich mit den Kunden per Brief, Telefon oder Internet verständigen und nur 3 bis 6 Prozent der jährlichen Bruttobeiträge für den Vertrieb verbrauchen.

Noch wichtiger als die Kostenbelastung ist die Renditestärke der Anbieter. Sie argumentieren oft, daß hohe Kosten durch eine starke Verzinsung mehr als ausgeglichen werden können. Das stimmt, weil sich die zu verzinsenden Summen rasch erhöhen. Aber eine hohe Kostenbelastung ist häufig kein Indiz für Qualität. Manche Anbieter haben einen teuren Vertrieb und eine aufwendige Verwaltung; die Kapitalanlage kann dennoch schlecht und die Finanzstärke gering sein. Das drückt sich dann in niedrigen Kapitalrenditen aus. Die Folge sind geringe Gesamtverzinsungen.

In Zukunft Differenzen von über 40 Prozent

Die Lebensversicherer garantieren ihren Kunden eine Mindestverzinsung des Sparanteils der Prämien - also nach Abzug der Kosten für Verwaltung und Abschluß. Zum Garantiezins, der je nach Vertragsgeneration zwischen 2,75 und 4 Prozent und vom nächsten Jahr an für neue Verträge nur noch 2,25 Prozent beträgt, kommt noch die Überschußbeteiligung. Die daraus resultierende Gesamtverzinsung beträgt in diesem Jahr rund 4,2 Prozent. Hinzu kommen noch Zuweisungen, die für einen Schlußgewinn bestimmt sind, die allerdings nicht garantiert sind und entfallen können, wenn der Versicherer in finanzielle Schwierigkeiten kommen sollte.

Auch diese Gesamtverzinsung variiert. Sie liegt bei den schwächsten Anbietern bei einigen Vertragsgenerationen sogar unter 4 Prozent. Andere schreiben immer noch mehr als 5 Prozent gut. Die Folge ist, daß auch die für die Zukunft zu erwartenden Auszahlungen stark voneinander abweichen. Unter der Annahme, daß die derzeitigen Gesamtverzinsungen in den nächsten dreißig Jahren konstant bleiben, würden sich die Auszahlungen je nach Anbieter künftig noch stärker unterscheiden. Differenzen von mehr als 40 Prozent wären dann zu erwarten.

Quelle: F.A.Z., 18.08.2006, Nr. 191 / Seite 19
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