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Kylie Jenner : Reich werden in modernen Zeiten

Kylie Jenner nimmt Anfang Mai in New York am der „Met Gala“ teil. Bild: dpa

Kylie Jenner verwirklicht den modernen amerikanischen Traum: Dem Reality-TV-Star gehört ein kleines Kosmetikimperium – das wird sie bald zur jüngsten Selfmade-Milliardärin aller Zeiten machen. Millionen Menschen gefällt das.

          Werbeeffekt-fördernde Empörung breitet sich gerade in den sozialem Netzwerken aus, weil die Wirtschaftsillustrierte „Forbes“  Kylie Jenner auf die Titelseite ihrer jüngsten Ausgabe genommen hat. Schlimmer noch, sie hat Jenner als jüngste (Fast-) Selfmade-Milliardärin aller Zeiten bezeichnet. Jenner ist der 20 Jahre alte Spross des Kardashian-Jenner-Kommerz-Komplexes.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Sie hat es nach der so umstrittenen Darstellung der Zeitschrift geschafft, binnen zwei Jahren ein Kosmetikimperium auf die Beine zu stellen, das nach konservativer Schätzung der Forbes-Analysten 800 Millionen Dollar wert sei. Kylie Cosmetics hat nach Angaben der Zeitschrift in dieser Zeitspanne Lippenstift-Sets und weiteres Make-up für 630 Millionen Dollar verkauft. Der jungen Frau gehört das Unternehmen komplett.

          Sie hat für Lippen das getan, was ihre unter älteren Zeitgenossen etwas bekanntere Halbschwester Kim Kardashian West für das weibliche Hinterteil getan hat, formulierten die beseelten Wirtschaftsjournalisten. 

          Lukrative Nebeneinkünfte

          Bei so viel Engagement bleiben Nebeneinkünfte nicht aus: Firmen wie zum Beispiel der Sportartikelhersteller Puma, die verzweifelt ihre angestaubte Marke zu verjüngen trachten, statten Kylie mit lukrativen Marketingverträgen aus. Das vergrößert ihr Vermögen auf 900 Millionen. Wenn das so weiter geht, könnte sie tatsächlich im jüngeren Alter Milliardär werden, als der Facebook-Gründer und -Chef Mark Zuckerberg es geschafft hat, erwartet Forbes. Mit 21 Jahren.

          Die Darstellung hat Spott und Ärger provoziert. Der Komiker Josh Ostrovsky, der unter dem Künstlernamen The Fat Jew auftritt, startete eine sogenannte Crowdfunding-Kampagne für Kylie Jenner mit dem Ziel, 100 Millionen Dollar einzusammeln. Er wolle nicht in einer Welt leben, in der Kylie Jenner nicht Milliardärin ist, formulierte Ostrovsky. Bis 19.13 Uhr amerikanischer Ostküsten-Zeit waren 51 Dollar zusammen gekommen. Auf Twitter regen sich allerdings viele Leute über die Formulierung „self-made“ auf, besonders häufig wird ein Wörterbuch-Eintrag geteilt, der „self-made“ als „ohne Hilfe durch andere“ definiert.

          Fest steht, dass Kylie als Mitglied des kalifornischen Kardashian-Jenner-Clans gewisse Startvorteile genoss. Im Oktober 2007 startete die erfolgreichste und am längsten ausgestrahlte Reality-Show „Keeping up with the Kardashians“, in dessen Mittelpunkt die fünf Töchter der Stylistin und Unternehmerin Kris Jenner stehen: Kourtney, Kim, Khloé,  Kendall and Kylie.

          Drei prominente Väter

          Die Familie brachte schon eine gewisse Prominenz mit Dank des Vaters der ersten drei Mädchen. Der inzwischen verstorbene Strafverteidiger Robert Kardashian hatte geholfen, im spektakulärsten Mordprozess des Jahrhunderts einen Freispruch für Footballstar O.J. Simpson zu erwirken. Kris Jenners zweiter Mann und Vater von Kendall und der Fast-Milliardärin Kylie ist der Goldmedaillen-Gewinner im Zehnkampf, Bruce Jenner, der (die) seit einer von der Öffentlichkeit mit größter Anteilnahme verfolgten Geschlechtsumwandlung Caitlyn Jenner heißt.

          Video

          Dass 2007 ein Sexvideo mit aktiven Rollen von Kim Kardashian und ihrem einstigen Partner Sänger Ray J wenige Monate vor der Ausstrahlung der Reality-Show den Weg in die Öffentlichkeit fand, hat dem Filmprojekt auch nicht schwer geschadet, auch wenn es für die Familie nicht leicht war. Das hat die Chefin des Clans, Kris Jenner, jetzt der britischen Knallpresse verraten.

          Millionen Follower

          Wie auch immer, Kylie Jenner folgen auf Snapchat 110 Millionen Menschen, auf Instagram ungezählte Millionen und auf Twitter 25 Millionen, was altmodische Personen überraschen dürfte. Denn bei Kylies Beiträgen dreht es sich um durchaus ermüdende Themen wie Kosmetik und gutes Aussehen. Der Wechsel der Haartönung wird als Drama inszeniert. Auch die geschickt verbreitete Tatsache, dass sie ihre Lippen nicht mochte, weckte schwere Emotionen in den sozialen Netzwerken. Die Beiträge dienen vornehmlich dem Verkauf von Kylies Kosmetika und sind so inhaltsschwer wie Werbewurfsendungen, möchte man meinen.

          Aber ihre Anhängerinnen und wenigen Anhänger sehen das offenkundig nicht so oder finden das nicht schlimm. Ein klitzekleiner Skandal hat ihrer Bekanntheit Auftrieb gegeben: Sie präsentierte als 17-jährige auffällige Schlauchboot-Lippen und räumte ein, sie aufgespritzt zu haben. Nicht lange danach startete der Verkauf ihrer Lippenstift-Serie.

          Das Geschäftsmodell wirkt ultramodern: Design, Produktion und Logistik sind komplett ausgelagert, die Geschäfte führt die tüchtige Mama gegen eine Provision. Kylie bleibt dafür verantwortlich, die sozialen Netzwerke zu bespielen. Ihre größte Leistung ist offenkundig: ihre Prominenz. So kann man auch reich werden.

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