Unterschiedlicher könnten die beiden Herren kaum sein, die da gerade ihr Geschäftsmodell erläutern. Der eine erklärt mit einem unverkennbar schwäbischen Akzent: „Um eine Firma groß zu machen, muß man die Kosten klein halten.“ Der andere, einst prominent und immer noch an seinem Schnauzbart gut zu erkennen, beschreibt kurz darauf die ersten Transaktionen seiner neuen Unternehmung: „Wir sind jetzt Preisnehmer, keine Preisgeber mehr.“ Es dauert nicht einmal zehn Minuten, und die Rollenverteilung ist klar. „Er ist der Innenminister, ich bin der Außenminister“, bestätigt der Herr mit dem Schnauzbart.
Sein Name ist Kurt Ochner. „Mister Neuer Markt“ wurde der einstige Fondsmanager zu seinen besten Zeiten genannt. Daß er an diesem Abend in dem versteckt gelegenen französischen Restaurant im Frankfurter Ortsteil Bockenheim über seine rosigen Aussichten berichten kann, grenzt fast schon an ein Wunder. Denn eigentlich schien er seine Zukunft genauso hinter sich zu haben wie der schwäbische Mit-Vorstand Wolfgang Rück und die gemeinsame Firma KST Beteiligungs-AG. Die beiden Herren und ihr Vehikel haben nämlich vor allem eine Vergangenheit.
Ausstieg eigentlich schon terminiert
Die KST war einst eine Maklergesellschaft, die an der Stuttgarter Börse den Handel mit inländischen Aktien betrieb. Im Zuge der Aktienbaisse brach das Unternehmen mit den schwindenden Umsätzen zusammen. Für den März 2004 war eigentlich die Liquidierung vorgesehen. Die Geschäfte führte während dieser Zeit des Niedergangs Wolfgang Rück. Und eigentlich war auch sein Ausstieg schon terminiert - wenn er nicht auf einer Hauptversammlung Ochner kennengelernt hätte.
Der bekennende Odenwälder stieg mit dem Neuen Markt auf - und stürzte mit dem Neuen Markt ab. Kein anderer Name ist so mit diesem inzwischen abgewickelten Börsensegment verbunden. Von der Überschrift „Der Reichmacher“ bis zur „Rausschmiß“-Meldung dauerte es damals nur ein Jahr.
Die Schweizer Privatbank Julius Bär trennte sich von ihm im April 2001. Nachgesagt wird ihm fragwürdiges Geschäftsgebaren. So soll er etwa mit großen Aktienpaketen die Kurse kleiner Werte künstlich in die Höhe getrieben haben. Allerdings funktioniert die Strategie nur in einem freundlichen Umfeld. In fallenden Märkten werden große Pakete schnell zur Bürde - mit katastrophalen Folgen für die Wertentwicklung.
Ruf wie Donnerhall
Die Schadenersatzforderungen von Anlegern gegen Julius Bär wurden jedoch zuletzt vom Bundesgerichtshof abgewiesen. Die sehr riskante Anlagepolitik von Ochner sei erkennbar gewesen, hieß es zur Begründung. Und so macht der umstrittene Fondsmanager inzwischen wieder das, was er schon immer gemacht hat: weitgehend unbekannte, börsennotierte Klein- und Kleinstunternehmen suchen und finden.
Den Ruf wie Donnerhall hat er sich dabei in interessierten Kreisen offensichtlich erhalten. Als vor einem Jahr bekannt wurde, daß die KST das neue Pferd sein wird, auf dem er reitet, verdoppelte sich der Aktienkurs innerhalb kürzester Zeit. Das Geschäftsmodell der KST von heute erscheint logisch.
„Die KST ist mein letzter Schuß im Gewehr“
Mit den Gewinnen aus den Aktienengagements steigt der innere Wert des Unternehmens, damit der Aktienkurs und damit schließlich das Vermögen der Anteilseigner. Ausschüttungen sind derzeit dagegen nicht vorgesehen. Die Millionärsdichte unter den KST-Aktionären sei relativ hoch, merkt Ochner an. Da seien Ausschüttungen „nicht so gewollt“. Belohnt werden sollen die Aktionäre statt dessen durch die bevorzugte Zeichnung einer geplanten Wandelanleihe mit 5 Prozent Nominalverzinsung und 5 Jahren Laufzeit. Lohnen soll sich das Ganze ab einem Aktienkurs von 8 Euro. Derzeit notiert die KST-Aktie knapp über 5 Euro.
Die Rechtsform der Aktiengesellschaft hat für den Herrn der illiquiden Werte zwei große Vorteile: keine Kontrolle durch die Finanzaufsicht und keine Zu- und Abflüsse wie in einem Fonds. Das Unternehmen sei sozusagen ein geschlossener Aktienfonds. „Das ist die Zukunft, wenn man in nicht liquide Kapitalien investiert“, ruft Ochner gleich noch den Beginn eines Trends aus. Knapp 30 Prozent Gewinn hätten die Engagements allein im Rumpfgeschäftsjahr 2004 eingebracht. Den Gedanken an ein erneutes Scheitern läßt Ochner dabei gar nicht erst aufkommen: „Die KST ist mein letzter Schuß im Gewehr.“
