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Baufinanzierung

Kursgewinne Die Wall Street meldet sich zurück

Trotz verschiedener Skandale konnte die Wall Street ihr erstes positives Jahr seit 1999 vorweisen. Allen wichtigen Marktbarometer erzielten zweistellige Kursgewinne.

Nach drei Baissejahren hat die Wall Street vor dem Hintergrund steigender Unternehmensgewinne und niedriger Zinsen die Wende geschafft. Trotz der Skandale in der Fondsbranche und bei der New Yorker Börse Nyse haben die amerikanischen Aktienmärkte 2003 kräftige Kursgewinne verbucht. Der Dow Jones, Index der 30 größten Industriewerte, beendete das Jahr mit einem Plus von 25 Prozent. Der breiter gefaßte Index S&P 500 stieg um 26 Prozent.

Getrieben wurden die Märkte von den in den Jahren zuvor überaus stark unter Druck geratenen Technologiewerten. Der Composite-Index der Computerbörse Nasdaq schnellte um 50 Prozent nach oben. Der starke Anstieg der Technologiewerte ließ Erinnerungen wach werden an die spekulativen Exzesse der Hausse in den späten neunziger Jahren, die ebenfalls von dieser Branche getrieben worden war. Der beste Wert im Dow Jones war denn auch der Chiphersteller Intel, dessen Aktienkurs sich verdoppelte. Unter den besten zehn Aktien im S&P 500 finden sich ebenfalls einige Technologiewerte wie der Kommunikationsausrüster Avaya, der Halbleiterproduzent PMC-Sierra oder der Computernetzwerk-Konzern Novell. Auch Internettitel wurden wieder gesucht. So gehörte das Internetportal Yahoo zu den zehn besten Aktien im S&P 500.

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Kein allgemeiner Exodus

Nachdem 2002 Bilanzbetrügereien beim Energiekonzern Enron und der Telefongesellschaft Worldcom die Anleger verunsichert hatten, ließen sich Investoren im vergangenen Jahr nicht mehr nachhaltig von neuen Skandalen schrecken. Aber zwei Entwicklungen ließen viele Anleger dennoch an der Fairneß der Märkte zweifeln. Zunächst war die Nyse selbst, also das Herz der Wall Street, wegen unlauterer Methoden der Börsenmakler in die Kritik geraten. Dann mußte der langjährige Börsenchef Richard Grasso wegen seines Gehalts- und Pensionspakets in Höhe von 188 Millionen Dollar die Börse verlassen.

Danach sorgten unsaubere und teilweise illegale Handelspraktiken bei zahlreichen Fondsgesellschaften für Schlagzeilen. Aber das führte nicht zu einem allgemeinen Exodus der amerikanischen Fondsanleger. Allerdings wurden Gesellschaften, deren Geschäftsmethoden von den Aufsichtsbehörden angeprangert wurden, von Investoren mit Abzug von Geldern bestraft. Insgesamt floß aber wieder mehr Geld in Aktienfonds. Offensichtlich vertrauen die Investoren darauf, daß Aufseher wie der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer Missetäter zur Rechenschaft zieht. Spitzer sorgt mit wiederholten Seitenhieben auf die Börsenaufsicht SEC auch dafür, daß diese Behörde nicht lockerläßt.

Die Zugpferde der Börse

Die Trendwende an der Börse setzte Mitte März ein. Anleger wetteten wie schon in den Jahren zuvor auf kräftig steigendes Wachstum der Wirtschaft und der Unternehmensgewinne. Im Gegensatz zu den Vorjahren wurden die Erwartungen diesmal nicht enttäuscht. Neben der Informationstechnologie gehörten Aktien aus Branchen zu den Favoriten, die ebenfalls von einer Erholung der Konjunktur profitieren. Dazu gehörten konjunktursensible Konsumwerte wie der Autohersteller General Motors oder Einzelhändler wie die Baumarktkette Home Depot.

Finanzwerte wie die Bank J.P. Morgan Chase waren ebenso über lange Strecken Zugpferde der Börse. Gestützt wurden sie von niedrigen Zinsen, der Refinanzierung von Hypotheken sowie der Erholung im Wertpapiergeschäft. Im Vergleich zum Gesamtmarkt schwächer entwickelten sich Unternehmen aus konjunkturunabhängigen Branchen. Dazu gehörten Pharmawerte wie Johnson & Johnson oder Merck sowie nicht zyklische Konsumwerte wie der Windel- und Waschmittelhersteller Procter & Gamble. Das Schlußlicht bildete die Telekombranche. Während Energieversorger und ehemalige Enron-Konkurrenten wie Dynegy ihren Börsenwert fast vervierfachten, litten Telefongesellschaften unter dem Preiskampf.

Für das kommende Jahr rechnen die Auguren mit bescheideneren Gewinnzuwächsen. Hintergrund ist die Furcht vor Zinserhöhungen, wenn die amerikanische Wirtschaft ihr hohes Wachstumstempo beibehalten sollte. Zudem dürfte nach Ansicht von Analysten das Wachstum der Unternehmensgewinne abflachen. Im Durchschnitt erwarten Analysten für 2004 ein Wachstum des operativen Nettogewinns für die im S&P 500 abgebildeten Unternehmen von 12 Prozent. Für 2003 liegen die Schätzungen nach Angaben des Informationsdienstes Thomson First Call bei einem Plus von 17 Prozent.

Quelle: nks., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.01.2004, Nr. 1 / Seite 19

 
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