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Amerikanische Aktien : Strategen an der Wall Street versprühen Optimismus

Besinnlicher Optimismus: Weihnachten an der Wall Street Bild: AFP

Die Auguren der New Yorker Finanzbranche erwarten in der Tendenz weitere Gewinne für amerikanische Aktien. Grund zur Freude kommt aber nur zaghaft auf. Einige Papiere dürften dennoch an Boden verlieren.

          Die Marktstrategen in den großen Banken an der Wall Street erwarten für das kommende Jahr beinahe unisono moderat steigende Kurse am amerikanischen Aktienmarkt. Nach einer Umfrage der Fachpublikation „Barron’s“ rechnen Strategen für den breit gefassten Aktienindex S&P 500 im Durchschnitt mit einem Kursplus von 5 Prozent auf 2380 Punkte bis Ende des Jahres 2017.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          In diesem Jahr ist der S&P 500 bisher um 11 Prozent geklettert. Der Dow-Jones-Index, der 30 amerikanische Standardwerte abbildet, hat im gleichen Zeitraum fast 15 Prozent zugelegt und steht kurz davor, erstmals die Marke von 20.000 Punkten zu durchbrechen. Für deutsche Anleger kommen beim Erwerb amerikanischer Aktien in diesem Jahr noch Wechselkursgewinne hinzu, weil der amerikanische Dollar gegenüber dem Euro um fast 4 Prozent aufgewertet hat.

          Wechsel in der Trump-Einschätzung

          Nach einem wechselhaften Jahr hatten die Aktienkurse an der Wall Street nach dem Sieg Donald Trumps bei den amerikanischen Präsidentenwahlen deutlich ins Plus gedreht. Viele Strategen hatten dagegen für diesen Fall mit einem Rückschlag der Kurse gerechnet. Im Zuge der positiven Marktreaktionen hoben sie ihre Prognosen an. Mit ihren ursprünglichen, Ende 2015 gemachten Vorhersagen lagen sie allerdings nahezu richtig. Die Auguren hatten damals für Ende 2016 einen Stand des S&P-500 von rund 2220 Zählern avisiert – nur rund 2 Prozent unter dem aktuellen Niveau.

          Die traditionell immer etwas zu optimistischen Auguren glauben jetzt, dass die von Trump angekündigten Steuersenkungen für Unternehmen, staatliche Investitionen in Infrastruktur und eine Lockerung der Regularien für Finanzdienstleister und Banken zu wachsenden Unternehmensgewinnen und weiter steigenden Aktienkursen führen werden.

          Zu den Gewinnern des Jahres gehören daher Marktsegmente, die sensibel auf die Konjunktur reagieren: Energiewerte, Finanztitel sowie Industrieunternehmen und Grundstoffhersteller. Zu den Nachzüglern gehören Segmente, die traditionell weniger stark auf konjunkturelle Trends reagieren: nichtzyklische Konsumwerte, also etwa Hersteller von Babywindeln, oder Gesundheitstitel.

          Banken könnten von steigenden Zinsen profitieren

          Für die Gewinne der im S&P 500 abgebildeten Unternehmen unterstellen Marktstrategen für 2017 ein Wachstum von 7 Prozent. Das spiegelt sowohl die verbesserten Gewinnaussichten für Energieunternehmen als auch die erwarteten Steuersenkungen wider. Der Ölpreis hat sich seit dem Tiefstand im Februar nahezu verdoppelt. Unternehmensgewinne spielen eine wichtige Rolle, weil sie die langfristig wichtigste Triebfeder für Aktienkurse sind. In den vergangenen Jahren hatte das Gewinnwachstum stagniert.

          Zu den favorisierten Marktsegmenten gehören Finanzwerte, die schon in den Wochen nach der Wahl zu den Spitzentiteln gehört hatten. Einerseits basiert das Kaufinteresse auf der Hoffnung auf eine Lockerung des 2010 verabschiedeten Dodd-Frank-Gesetzes, das nach der Finanzkrise des Jahres 2008 die Auflagen für Banken verschärfte. Unter anderem wurde Banken der Eigenhandel mit Wertpapieren untersagt. Dazu wurde eine Verbraucherschutzbehörde speziell für die Finanzbranche eingerichtet. Banken könnten aber auch von den allgemein steigenden Zinsen profitieren, weil das ihre Zinserträge erhöht. Die Notenbank Fed hob die Leitzinsen kürzlich um 0,25 Prozentpunkte an. Für das kommende Jahr werden drei weitere Zinsschritte erwartet.

          Bild: F.A.Z.

          Steigende Zinsen bieten generell Rückschlagspotential für Aktienkurse, weil Anleihen für Anleger damit attraktiver werden. John Praveen, Chefanlagestratege beim Vermögensverwalter Prudential, weist allerdings darauf hin, dass sich die Zinsen trotz ihres Aufwärtstrends weiterhin auf einem im historischen Vergleich niedrigen Niveau befinden. Praveen, der zu den größten Optimisten an der Wall Street gehört, rechnet für den S&P 500 mit 2575 Punkten zum Ende 2017. Das entspräche fast 14 Prozent Gewinn.

          Sollten die langfristigen Zinsen aber über 3 Prozent steigen, würde das nach Ansicht des Anleiheinvestors Jeffrey Gundlach nicht nur den Aufschwung am Aktienmarkt, sondern auch die jüngste Erholung der Häuserpreise abwürgen. Der Grund: Die Hypothekenzinsen sind an langfristige Zinsen gekoppelt, und höhere Zinsen könnten die Nachfrage nach Häusern drosseln.

          Amerikanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren rentieren derzeit mit 2,48 Prozent. Nachgebende Häuserpreise könnten sich negativ auf die Konsumausgaben auswirken. Konsumausgaben sind für rund zwei Drittel der amerikanischen Wirtschaftsleistung verantwortlich. Die meisten der von „Barron’s“ befragten Fachleute glauben indes nicht, dass die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen im kommenden Jahr auf 3 Prozent steigen wird.

          Einige Strategen gaben aber an, der starke Kursaufschwung von Industrie- und Grundstoffherstellern biete möglicherweise Rückschlagspotential. Trump hat zwar staatliche Ausgaben in Infrastruktur angekündigt, aber im Kongress sitzen Abgeordnete, die Widerstand gegen eine drastische Erhöhung des Haushaltsdefizits leisten dürften. „Die Kursgewinne der Infrastrukturaktien sind im Vergleich zu deren Gewinnerwartungen übertrieben“, sagt Savita Subramanian, die bei Bank of America die Aktienstrategie verantwortet. Bisher hat sich die Euphorie für diese Aktien aber nicht abgekühlt. Der Spitzenwert im Dow ist in diesem Jahr der Baumaschinenhersteller Caterpillar – mit einem Kursplus von knapp 40 Prozent.

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