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Kündigung der Altverträge Bausparkassen unter Zinsdruck

Immer mehr Altverträge mit hohen Einlagenzinsen werden von den Bausparkassen gekündigt. Die Finanzaufsicht Bafin führt eine Zinsrisikoprüfung durch.

© Rüchel, Dieter Vergrößern Neubauten werden immer seltener durch Bausparkredit finanziert wie hier in der Wetterau

Die niedrigen Zinsen belasten die Ertragslage der Bausparkassen. „Für alle Bausparkassen erhöht sich in der gegenwärtigen Niedrigzinsphase der Druck“, sagt Jürgen Steffan, Vorstandsmitglied der Wüstenrot Bausparkasse, einer Tochtergesellschaft der Finanzgruppe W&W. Den Worten von Steffan zufolge werden die niedrigen Zinsen gerade für die Anbieter langfristiger Geldanlagen zu einer wachsenden Belastung des Zinsergebnisses. Wie widerstandsfähig die 23 deutschen Bausparkassen, darunter die 10 öffentlich-rechtlichen Landesbausparkassen der Sparkassengruppe, sind, diese Frage beschäftigt auch die Finanzaufsicht Bafin.

Bis Freitag müssen die Bausparkassen, die einen Vertragsbestand von insgesamt 786 Milliarden Euro verwalten, ihre Unterlagen für die Zinsrisikoumfrage bei der Bafin einreichen, wie mehrere Branchenvertreter mitteilten. Nach früheren Angaben der Finanzaufsicht handelt es sich nicht um den regelmäßig vierteljährlich erhobenen Zinsänderungstest, sondern um eine Prüfung, wie lange die Bausparkassen die Niedrigzinsphase oder sogar noch weiter sinkende Zinsen tragen können. Dabei geht es auch um die Verhaltensänderungen der Bausparer aufgrund der niedrigen Zinsen.

Kündigung übersparter Verträge ist eine Lösung

Diese bringen die noch höher verzinsten Altverträge der Bausparkassen von zwei Seiten unter Druck. Zum einen rufen die Kunden weniger Kredite ab, weil diese vor Jahren zu einem hohen Zins festgelegt wurden und gegenwärtig gewöhnliche Immobilienkredite günstiger zu erhalten sind. Zum anderen sind die Sparzinsen noch hoch, einige Altverträge laufen noch zu Guthabenzinsen von bis zu 5 Prozent. Die Bausparer sparen oftmals die volle Summe an und rufen keine Kredite ab. Die Bausparkassen müssen diese Einlagen vom Gesetz her in sichere Schuldtitel wie Bundesanleihen oder Pfandbriefe anlegen. Doch zehnjährige Bundesanleihen werfen derzeit nur 1,3 Prozent ab. Abzüglich der Inflationsrate von 2 Prozent ergibt sich ein negativer Realzins.

Infografik / Die großen Bausparkassen © F.A.Z. Vergrößern

Laut Steffan machen die Altverträge bei Wüstenrot noch rund ein Viertel des Vertragsbestandes aus. Die Zinsen der Altverträge liegen seinen Angaben zufolge zwischen 3 und 5 Prozent. Ende 2011 belief sich der Vertragsbestand von Wüstenrot auf 3,75 Millionen und die Bauspareinlagen auf 17,6 Milliarden Euro. Ein Instrument, die hoch verzinsten Altbestände zu reduzieren, ist laut Steffan die Kündigung übersparter Bausparverträge. „Als überspart gelten Bausparverträge, deren Guthaben die Bausparsumme übersteigt“, so Steffan.

Wirksamkeit gerichtlich bestätigt

Dann kann die Bausparkasse den Vertrag kündigen, weil der eigentliche Zweck des Bausparvertrags - die Vergabe des Bauspardarlehens - nicht mehr erfüllt werden kann. Wie aus einem Schreiben der Ombudsleute des Verbandes der Privaten Bausparkassen hervorgeht, ist dies auch dann schon der Fall, wenn die Bausparsumme zu 100 Prozent erreicht wird. Denn das Bauspardarlehen entspricht der Differenz zwischen Bausparsumme und -guthaben. Deshalb hat Wüstenrot den betroffenen Kunden am 27. August Kündigungen zugestellt, die nach Ablauf der dreimonatigen Frist am 30. November wirksam werden. Die Wirksamkeit dieser Kündigungen wurde von mehreren Landgerichten und dem Oberlandesgericht Koblenz bestätigt.

Der Marktführer, die Bausparkasse Schwäbisch Hall aus dem Verbund der Volks- und Raiffeisenbanken, hat nach Angaben eines Sprechers in diesem Jahr erstmalig Bausparverträge gekündigt, die mehr als 100 Prozent der Bausparsumme erreicht haben. „Eine weitere Ansparung ginge zu Lasten der Bauspargemeinschaft und widerspricht dem Zweck des Bausparens, ein zinsgünstiges Darlehen zu erhalten“, fügt er hinzu. Auch die zum Konzern der Deutschen Bank gehörende Bausparkasse BHW kündigt nach den gesetzlichen Vorgaben Bausparverträge, bei denen kein Darlehensanspruch mehr besteht.

Kassen verfügen über Reserven

Eine weitere Möglichkeit die Altbestände zu reduzieren, ist nach Angaben von Wüstenrot-Vorstand Steffan die Auflösung solcher Verträge auf freiwilliger Basis. Die frei werdenden Mittel könnten derzeit dann beispielsweise in ein Tagesgeldkonto für sechs Monate zu 3,5 Prozent angelegt werden. Darüber hinaus könnten die Kunden, die einen Immobilienkauf oder eine Modernisierungsmaßnahme planten, kostenlos in einen günstigeren Tarif mit deutlich günstigeren Darlehenszinsen wechseln.

Für Bafin-Präsidentin Elke König stellt die Zinsrisikoumfrage keinen Stresstest dar. Die Bausparkassen verfügen noch über hohe Reserven langfristiger Wertpapieranlagen aus Hochzinsphasen. Zudem haben sie in der Tarifpolitik schon vor Jahren einen Kurswechsel eingeschlagen: wenig attraktiver Einlagenzins, dafür günstiger Darlehenszins. Trotzdem fließen ihnen weiter Einlagen zu. Im ersten Halbjahr waren es knapp 14 Milliarden Euro und damit genau so viel wie im Vorjahreszeitraum.

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Quelle: F.A.Z.

 
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