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Internettelefonie : Verzweifeln an der Telekom

Der Telekom-Internetrouter „Speedport 724V“ im Einsatz. Wenn er denn mal funktioniert. Bild: Lukas Kreibig

Die Telekom stellt ihr Netz auf Internettelefonie um. In der Theorie ist das eine tolle Sache, in der Praxis treibt es die Kunden in den Wahnsinn. Ein Leidensbericht von Dennis Kremer

          Zugegeben, ich werde zum Wiederholungstäter. Es ist jetzt gut zwei Jahre her, dass ich in dieser Zeitung über meine Probleme mit der Deutschen Telekom berichtet habe (F.A.S. vom 9. November 2014). Mein Anschluss war wochenlang tot, der Techniker kam nicht, die Hotline fühlte sich nicht zuständig – mit einem Satz: Es war ein riesengroßer Ärger.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Niemals aber hätte ich damals gedacht, dass ich zwei Jahre später nochmals in die Tasten greifen muss. Schließlich, so viel sei hier verraten, ließ mir die Telekom nach der Veröffentlichung meines Artikels eine Luxusbehandlung zuteilwerden. Oder besser gesagt: das, was ein Konzern wie die Telekom unter Luxusbehandlung versteht. Also: Techniker, die tatsächlich zum vereinbarten Termin auftauchten und die tatsächlich auch mein Problem lösten. Das Telefon funktionierte wieder, das Surfen im Internet war die reinste Freude – ich war versöhnt. Auch die kleine weiße Kiste, meinen neuen W-Lan-Router mit dem schönen Namen „Speedport 724 V“, hatte ich gleich vom ersten Tag an ins Herz geschlossen. Ich versteckte ihn nicht lieblos in irgendeiner Ecke, sondern präsentierte ihn auf meinem Schreibtisch. Kamen Freunde zu Besuch, hieß es oft, das Ding sehe ganz schön „stylish“ aus. Ich war stolz.

          Frust und Gewalt

          Mittlerweile allerdings, ich sage dies im Vertrauen, kann der Speedport froh darüber sein, dass ich ihn nicht schon längst in alle seine Einzelteile zerlegt habe. Ich neige eigentlich nicht zu Gewaltausbrüchen, aber das kommt wohl davon, wenn eine Geschichte so wunderbar begann wie die unsrige. Da kann man hinterher nur enttäuscht werden.

          Es muss vor gut sechs Wochen gewesen sein, als die Entfremdung einsetzte. Anfangs merkte ich es kaum, aber auf einmal wollte der Speedport nicht mehr so wie ich. Seine kleinen Lichter leuchteten nicht mehr auf, was bedeutet: Die Internetverbindung ist gestört. Ich tat dies zunächst als Launenhaftigkeit ab, wie sie selbst bei den besten technischen Geräten bisweilen vorkommen kann. Ein kleiner Aussetzer, nicht weiter schlimm.

          Da ahnte ich noch nicht, was mich in den folgenden Tagen und Wochen erwarten würde. Der Speedport schien nämlich allmählich in Stimmung zu kommen. Die Internetverbindung brach nun nicht nur einmal ab, sondern zwei, drei Mal hintereinander. Nervig zwar, aber irgendwie noch durchstehbar. An einem Montagnachmittag aber lief das Gerät endgültig zur Hochform auf: Innerhalb einer einzigen Stunde zählte ich 27Verbindungsabbrüche – ein Spitzenwert und wahrlich nicht die idealen Bedingungen, um die nächste Urlaubsreise zu buchen, was ich dennoch mit zunehmender Verzweiflung versuchte. Als ich nach 60 Minuten entnervt zum Telefon griff, um meinen Frust bei der Telekom-Kundenhotline loszuwerden, hatte ich ein unangenehmes Déjà-vu: Die Leitung war tot.

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