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Rohstoffbörse Spimex : Russland will sein Erdöl in Rubel handeln

  • -Aktualisiert am

Erdöl ist einer der wichtigsten Rohstoffe für Russland Bild: dpa

Mit dem Ausbau der russischen Rohstoffbörse will die Regierung den Erdölhandel in Rubel sowie die eigene Währung als internationales Zahlungsmittel fördern. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

          So manch großes Vermögen in Russland baut auf Rohstoffen auf. Deshalb ist es wohl auch kein Wunder, dass die Eingangstür zur Rohwarenbörse in St. Petersburg golden glänzt. In den im Zentrum der Stadt gelegenen Handelsräumen sind die Ambitionen derzeit aber noch größer als die tatsächlichen Volumen. Der Erfolg der Spimex (St. Petersburg International Mercantile Exchange) ist jedoch für Russland nicht nur von kommerzieller, sondern auch von politischer Bedeutung.

          Die Rohwarenbörse stellt einen Mosaikstein in der russischen Strategie dar, den Rubel als internationales Zahlungsmittel zu fördern und Russland als Finanzzentrum zu etablieren. Die Gründung der Spimex wurde im Jahr 2006 durch Wladimir Putin, den damaligen russischen Präsidenten und jetzigen Ministerpräsidenten, angeregt. Auf dem letztjährigen Wirtschaftsforum in der Newa-Metropole war die Lizenzvergabe an die Börse hochtrabend von ranghohen Regierungsvertretern verkündet worden.

          Gesamte Palette russischer Rohstoffe könnte gehandelt werden

          Beim Wirtschaftsforum in diesem Jahr Anfang Juni bezog sich der mächtige, stellvertretende Ministerpräsident Igor Setschin noch einmal kurz auf die Rohstoffbörse, deren größtes Kapital immer noch die Zukunftspläne sind. Das Hauptziel ist aber auf alle Fälle geblieben: Mit Hilfe der Spimex soll der Handel russischen Exporterdöls in Rubel erfolgen. Die russische Erdölmarke Urals wird derzeit nicht an einer Börse gehandelt, die Preissetzung wird durch Agenturen wie Platts und Argus nachgezeichnet. Zumeist wird Urals mit einem Preisabschlag zu dem für Europa bestimmenden Erdöl-Benchmark Brent aus der Nordsee versehen, was der russischen Politik ein Dorn im Auge ist.

          Erdölförderung in Russland
          Erdölförderung in Russland :

          Bis sich aber in St. Petersburg ein in Rubel gehandelter Benchmark für russisches Erdöl bilden wird, ist es noch ein weiter Weg. Sergei Drapkin, stellvertretender Präsident der Spimex, sagt, dass die Börse etabliert worden sei, um die Wettbewerbsfähigkeit des Rubels zu erhöhen. Es gebe aber noch keine Aussicht darauf, dass der Erdölhandel in nächster Zeit vom Dollar auf den Rubel übergehe. Drapkin lenkt vielmehr den Blick auf ein weiteres Ziel des Handelsplatzes - auf die transparente Preisbildung russischer Rohstoffe für den heimischen Markt. Als Vorteile preist er die Ausschaltung von Zwischenhändlern und die Schaffung eines liquiden Marktes. Der Spimex-Manager berichtet, dass die Börse auch für kleinere und mittlere Unternehmen Vorteile habe. So müsse beispielsweise ein Tankstellenbesitzer, um an den Treibstoff zu kommen, entweder Schmiergelder zahlen oder sich an Zwischenhändler wenden, die den Preis in die Höhe treiben würden. Der Handel an der Börse befreie von diesen Problemen. Im September hatte zunächst der Handel mit einigen Erdölprodukten wie Diesel, Benzin, Kerosin und Heizöl begonnen. Zurzeit gibt es nur Spot-Märkte; Terminkontrakte auf die Produkte sollen erst später eingeführt werden. Als nächste Handelswaren werden Rohöl und Mineraldünger ins Auge gefasst. Zukünftig könnte die gesamte Palette russischer Rohstoffe gehandelt werden.

          Staat möchte Rohstoffhandel nicht aus der Hand geben

          Drapkin bezeichnet den Clearing-Prozess, um den sich eine Tochtergesellschaft der staatlichen Gazprom-Bank kümmert, als großes Plus der Börse. Die Clearing-Stelle ist für die finanzielle Transparenz und die Kontrolle der physischen Lieferungen zuständig. Ein potentieller Käufer muss eine Einlage bei der Gesellschaft haben, die Auslieferung des Erdöls und der Erdölprodukte erfolgt nach Bezahlung der Ware über die staatlichen Pipeline- und Infrastruktur-Betreiber Transneft und Transnefteprodukt. Lieferungen sollen aber nicht nur über Pipelines möglich sein, sondern auch über die Russische Eisenbahn, die wie die anderen Gesellschaften Aktionärin der Börse ist. Auch sonst liest sich die Liste der Gründerunternehmen wie das „Who's who“ des russischen Staatskapitalismus: Rosneft, Gazpromneft, Sarubeschneft, Sowkomflot, WTB und einige andere. Das ebenfalls beteiligte Privatunternehmen Surgutneftegas fällt nicht aus dem Rahmen, ihm wird Kreml-Nähe attestiert. Andere private Erdölkonzerne wie Lukoil und TNK-BP handeln bereits an der Börse. TNK-BP will damit laut eigenen Angaben den Handelsplatz unterstützen, um die Liquidität zu erhöhen. Die angebotenen Volumen und die Umsätze sind jedoch noch sehr gering. Es gilt wohl, abzuwarten und Bereitschaft an der Teilnahme zu zeigen.

          Für die russische Regierung ist die Spimex ein Prestigeprodukt, was die große Zahl der involvierten Staatsunternehmen belegt. Eine ausländische Beteiligung am Handelsplatz ist derzeit nicht vorgesehen, obwohl die amerikanische Rohstoffbörse Nymex (New York Mercantile Exchange) mit dem russischen Wirtschaftsministerium bereits früher ein „Memorandum of Understanding“ unterschrieben haben soll, um eine Börse zu etablieren.

          Drapkin sagte, dass die Verhandlungen mit der Nymex unterbrochen, aber nicht gestoppt worden seien. Der Staat möchte aber offenbar den Griff auf den Rohstoffhandel, besonders bei den Energiegütern, nicht aus der Hand geben. Bis die Spimex aber der Nymex oder der ICE (International Exchange), den Hauptumschlagplätzen für Erdöl und Erdölprodukte, international Konkurrenz macht, wird noch viel Erdöl durch russische Pipelines fließen.

          Quelle: F.A.Z.

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