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BRIC-Staaten Aktien sind keine Schnäppchen mehr

Nach dem Katastrophenjahr 2008 weisen die Börsen in Brasilien, Russland, Indien und China in diesem Jahr eine tolle Bilanz auf. Doch historisch betrachtet sind die BRIC-Staaten nicht mehr günstig.

© dpa Vergrößern Die Inder feiern den Wahlsieger - auch an der Börse

In der Hoffnung auf eine mittelfristige Belebung der Weltkonjunktur haben die Weltbörsen in den vergangenen Wochen mitten in der schwersten Rezession seit den 30er Jahren eine beeindruckende Rally hingelegt. Angeführt wurde der Aufschwung dabei von den Aktienmärkten der Schwellenländer.

Das wiederum lässt sich damit erklären, dass den aufstrebenden Staaten langfristig das größte Wachstumspotential zugebilligt wird. Auch deswegen hat sich erst unlängst die Fondsmanager-Legende Mark Mobius, bei Templeton für die Schwellenländer zuständig, zuversichtlich hinsichtlich der Entwicklung der Börsen dieser Länder ausgesprochen. Auch JP Morgan Chase gehen davon aus, dass die Aktienmärkte der Schwellenländer besser abschneiden werden als die der entwickelten Länder.

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BRIC-Staaten gelten allgemein langfristig als aussichtsreich

Sehr viel Potential wird auch Brasilien, Russland, Indien und China schon seit einigen Jahren zugebilligt. Auch jetzt liegen diese vier Länder, die so genannten „BRIC-Staaten“, wieder weit vorne in der Anlegergunst, weil sie nach deren Einschätzung besonders stark von den weltweiten Leitzinssenkungen und Infrastrukturprogrammen profitieren würden.

Infografik / Chart BRIC 180509 © F.A.Z. Vergrößern

Konjunkturell haben sich diese vier großen Schwellenländer in den vergangenen Monaten aber sehr unterschiedlich geschlagen. So hat sich die wirtschaftliche Dynamik in China abgeschwächt, doch die Wachstumsrate blieb mit 6,1 Prozent im ersten Quartal bislang vergleichsweise robust. Auch wenn die Erholung der chinesischen Wirtschaft noch nicht vollends gesichert erscheint, dürfte es nach den Analysten von M.M. Warburg dank der immensen staatlichen Konjunkturhilfe in den kommenden Quartalen wieder bergauf gehen.

Brasilien gerät in den Sog

Auch für Indien erwarten die Ökonomen des IWF eine Abschwächung der Konjunkturdynamik, aber mit Prognosen von plus 4,5 Prozent für 2009 und plus 5,6 Prozent für 2010 immerhin eine Fortsetzung des Wirtschaftswachstums und keine Rezession. Dennoch sehen die derzeitigen Wirtschaftsdaten laut M.M. Warburg im Vergleich zu China weniger positiv aus.

Brasilien schien lange Zeit gegenüber der Krise immun zu sein. Doch letztlich ist es doch noch zu einem signifikanten Konjunktureinbruch gekommen. In diesem Jahr dürfte das reale Bruttoinlandsprodukt erstmals seit 1992 zurückgehen.

Von den vier großen Schwellenländern verzeichnet Russland den schärfsten Konjunktureinbruch. Im ersten Quartal ist die Volkswirtschaft um 9,5 Prozent geschrumpft, nachdem sie im ersten Quartal 2008 noch um 8,5 Prozent gewachsen war. Im Gesamtjahr zeichnet sich laut M.M. Warburg für 2009 ein Rückgang des realen Bruttoinlandsproduktes um 6 Prozent ab.

Schein und Sein

Dennoch wies ausgerechnet die russische Börse seit Jahresbeginn mit einem Plus von 48 Prozent bislang die beste Wertentwicklung auf, gefolgt von China, wo der Schanghai-Composite-Index um 45 Prozentstieg. Der brasilianische Bovespa legte um 32 Prozent und Indiens BSE um 23 Prozent zu. Allerdings stellte Indien mit einem Kurssprung von 17 Prozent, der zu einer Handelsaussetzung führte, die Reihenfolge am Montag auf den Kopf. Dies war eine euphorische Reaktion auf den überwältigenden Wahlerfolg der Kongress-Partei, der den Börsianern die Unsicherheit nahm.

Erklären lässt sich Russlands Führungsrolle auf den ersten Blick mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für den dortigen Markt von 8,7. Das ist die günstigste Kennziffer unter den vier Staaten und liegt deutlich unter dem Wert von 14,1, auf den mit China die teuerste BRIC-Börse kommt.

Allerdings weisen die russischen Unternehmen in diesem Jahr auch die schwächsten Gewinnaussichten auf, so dass sich dieser optische Bewertungsvorteil wieder relativiert. Die Analysten von M.M. Warburg sehen aus konjunktureller Sicht China derzeit in der besten Ausgangsposition, gefolgt von Indien, Brasilien und Russland.

Bewertung schon höher als im Schnitt der Vorjahre

Der erste Platz im Konjunkturranking für China reicht in Kombination mit dem dritten Platz im Bewertungsranking zum ersten Platz im Gesamtranking, wobei die anderen Länder mit geringem Abstand folgen.

Der isolierte Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis zeigt aber, dass alle vier BRIC-Aktienmärkte derzeit höher als im Durchschnitt der vergangenen Jahre bewertet sind. Zudem erscheinen die Prognosen für das Wachstum der Unternehmensgewinne im Jahr 2010 ambitioniert.

Die Analysten von M.M. Warburg kommen deshalb zu dem Schluss, dass die BRIC-Länder verglichen mit den anderen großen Märkten nicht mehr preiswert sind. Ein Engagement zum jetzigen Zeitpunkt biete sich deshalb nur bedingt an.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB

 
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