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Krankenversicherung Privatpatienten zahlen drauf

20.03.2006 ·  Egal, wie die Gesundheitsreform ausgeht, eines ist schon sicher: Private Krankenversicherer werden teurer. Denn höhere Hürden für einen Wechsel haben schon in den vergangenen Jahren das Neugeschäft bedroht.

Von Dyrk Scherff
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Es kommen unruhige Zeiten auf die privat Krankenversicherten zu. Denn die geplante Reform der gesetzlichen Krankenkassen dürfte auch sie treffen. Nach den Landtagswahlen Ende März sollen die Vorschläge präsentiert werden. Sie könnten im schlimmsten Fall zu noch kräftigeren Beitragserhöhungen bei den Privaten führen.

„Noch nie war unsere Branche so bedroht wie jetzt", klagt Herbert Grohe, Vorstandsmitglied der Debeka, Deutschlands größter Privatkrankenversicherung. Spekuliert wird, die Regierung werde den Wechsel von den Gesetzlichen zu den Privaten weiter erschweren, um Gutverdiener bei den Kassen zu halten. Es droht auch, daß die milliardenschweren Altersrückstellungen der Privatversicherten angezapft werden und die privaten Versicherungen in den teuren Risiko-Struktur-Ausgleich der gesetzlichen Kassen einzahlen müssen. Kommt das alles so, sind die Privaten nicht mehr attraktiv.

Höhere Hürden für einen Wechsel haben schon in den vergangenen Jahren die Zahl der Neuzugänge reduziert. Eine weitere Verschärfung hätte negative Auswirkungen auf die Beiträge der Privatversicherten. Zwar hängt die Höhe der Prämien zum überwiegenden Teil vom Gesundheitsrisiko des Kunden und nicht vom Neugeschäft ab. Aber eben nicht vollständig. Kommen keine Jungen mehr nach, müßten die fixen Verwaltungskosten für Personal, EDV und Gebäude von weniger Versicherten getragen werden. Es würde für jeden einzelnen teurer. Erst allmählich könnten die Kosten an die geringere Kundenzahl angepaßt werden.

Finanzielle Folgen überschaubar

Hinzu kommt, daß die Politik in den vergangenen Jahren einige Umlageelemente in die private Krankenversicherung eingeführt hat, die nur funktionieren, wenn die Assekuranz weiterhin Zuwachs bekommt. So erhalten etwa die über 65jährigen zur Verstetigung ihrer Beiträge noch bis 2024 einen überproportionalen Anteil der Zinsüberschüsse, die die Versicherer erwirtschaften. Das setzt voraus, daß es genügend junge Versicherte gibt, die einen unterproportionalen Anteil erhalten.

Die finanziellen Folgen eines schrumpfenden oder ausfallenden Neugeschäfts sind aber nach Meinung der Versicherer überschaubar. Die Debeka geht in einer groben Schätzung davon aus, daß die Beiträge, über zehn Jahre verteilt, um insgesamt maximal vier Prozent steigen würden, wenn das Neugeschäft komplett wegfällt. Wahrscheinlicher ist, daß die Hürden nur für Angestellte erhöht werden. Für Beamte und Selbständige würde sich nichts ändern. Sie machen nach Angaben des Verbandes der privaten Krankenversicherer rund 75 Prozent der Bestandskunden und mehr als die Hälfte der Neuzugänge aus. In diesem Fall würden die Beiträge der Debeka zufolge nur um weniger als zwei Prozent steigen.

Was deutlich dramatischer wäre

Deutlich dramatischer für die Beiträge wäre, wenn die Privatversicherten einen Teil ihrer milliardenschweren Altersrückstellungen mit den Kassen teilen müßten, wie es der AOK-Bundesverband gefordert hat. Die Versicherer hoffen, daß das verhindert werden kann. "Da die Rückstellungen aus Beiträgen der Versicherten aufgebaut wurden, würden solche Pläne einer Enteignung gleichkommen, die verfassungsrechtlich nicht haltbar sein dürfte", erwartet Wilfried Johannßen, Vorstand der Allianz Privaten Krankenversicherung.

Große Prämienerhöhungen zur Folge hätte auch die von einigen geforderte Einbeziehung der Privatversicherten in den Risiko-Struktur-Ausgleich der Gesetzlichen. Er hilft den Kassen, die überdurchschnittlich viele Kranke unter ihren Kunden haben. Der Gesundheitsökonom und SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach, dessen Kalkulationen allerdings umstritten sind, hat errechnet, daß durch eine Einbeziehung jeder Privatversicherte 100 Euro im Monat mehr bezahlen müßte.

Angesichts dieser Gefahren fragen sich viele Gutverdiener jetzt, ob sie lieber in der Gesetzlichen bleiben sollten. Doch das ist auch nicht verlockend. Bei den Kassen drohen den Vermögenden steigende Beiträge über eine höhere Bemessungsgrenze. Die Mitversicherung der Eheleute steht immer wieder zur Disposition. Eine höhere Selbstbeteiligung und eingeschränkte Leistungen sind absehbar. Aber: "Die Vorzüge der Krankenkassen sind die kostenlose Versicherung der Kinder, Wettbewerb zwischen den Anbietern und der Verzicht auf eine Gesundheitsprüfung", wirbt Barbara Marnach vom AOK-Bundesverband. Und so gilt für die Wahl zwischen Privater und Gesetzlicher weiter: Für junge Kinderlose ohne große gesundheitliche Belastungen ist die Private finanziell attraktiv, für Familien die Gesetzliche. Bei den Leistungen bietet die Private aber immer noch am meisten.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 19.03.2006, Nr. 11 / Seite 47
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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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