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Veröffentlicht: 17.01.2016, 15:00 Uhr

Krankenkassen Ein Fitnessband als Bonus

Immer mehr Krankenkassen zahlen vorbildlichen Versicherten einen Zuschuss für Fitnessarmbänder oder Apps. Datenschutz und Wirkung sind zweifelhaft.

von
© Jan Roeder Fitnessarmbänder gibt es nun auch über das Bonusprogramm der Krankenkassen.

Bonusprogramme sind im Prinzip eine prima Idee. Auf der einen Seite animieren die Krankenkassen ihre Versicherten dazu, sich regelmäßig um die eigene Gesundheit zu kümmern. Auf diese Weise können sie im besten Fall die steigenden Gesundheitskosten etwas bremsen. Im Gegenzug erhalten die Versicherten, die sich vorbildlich verhalten und regelmäßig Vorsorge betreiben, von ihren Krankenkassen einen geldwerten Vorteil. Es ist also gewissermaßen ein Geben und Nehmen.

Thomas Klemm Folgen:

Allerdings kommt es durchaus vor, dass die Interessen sich nicht überschneiden, dass also der eine etwas nehmen will, was der andere nicht mit offenen Händen herausgibt. So sind sich beispielsweise Krankenkassen und Versicherte mitunter uneins im Umgang mit Fitnessarmbändern, Smartwatches und ähnlichen Kleingeräten, die der Überwachung der Gesundheit dienen.

Als die AOK Nordost im vergangenen Sommer auf die Wünsche ihrer „technikaffinen Versicherten“ einging und allen Teilnehmern des AOK-Gesundheitskontos einen Zuschuss von 50 Euro für die sogenannten Fitnesstracker gewährte, reagierten viele andere gesetzliche Krankenkassen eher kühl. Ohne uns, so heißt es bis heute von der einen und der anderen Versicherung. Ihr Argument: Der bloße Kauf eines Fitnessarmbandes oder eines Schrittzählers stellt ja noch keine gesundheitsfördernde Maßnahme dar. Ähnlich wie bei Joggingschuhen, die zwar oft mit guten Vorsätzen erworben werden, aber letztlich im Abstellraum weit hinten lagern und nur selten hervorgekramt werden. Als Gesundheitsförderung mit entsprechender Belohnung kann das nicht durchgehen.

Krankenkassen haben lange gezögert

Nach dem Vorstoß der AOK Nordost erhören mittlerweile jedoch auch andere Krankenkassen die Wünsche von trendbewussten Versicherten. Für alle Selbstoptimierer, die ihr Leistungsvermögen auf Schritt und Tritt steigern wollen, und alle anderen Bewegungsfreudigen bieten sie nun im Rahmen ihrer jeweiligen Bonusprogramme Fitnesstracker als Prämien. Von der Techniker Krankenkasse (TK) bekommt ein vorbildlicher Versicherter, der ein Höchstmaß an Vorsorge betreibt, mittlerweile eine Gesundheitsdividende in Höhe von 250 Euro, für die er sich beispielsweise eine Apple Watch kaufen kann. Bei einem Ladenpreis des Minicomputers von 399 Euro muss der Versicherte selbst also nur noch 149 Euro drauflegen. Andere Krankenkassen wie die Barmer GEK oder die DAK bieten etwas schlichtere Fitnessmessgeräte als Premiumprämien an. Die DAK gehörte zwar lange zu jenen Krankenkassen, die diesen Kleincomputern für unterwegs wenig zugeneigt waren. Mit Beginn dieses Jahres aber hat die Krankenkasse ihr Bonusprogramm überarbeitet. Inzwischen können Versicherte ihre angesammelten Bonuspunkte „in einen Tracker-Zuschuss eintauschen“.

Man kann allerdings nicht behaupten, dass die Krankenkassen solche Sachprämien anpreisen. Sie bieten Fitnesstracker weniger aus Überzeugung an, sondern vielmehr, weil es dem Zeitgeist entspricht. Wie schwer sie sich damit tun, zeigen auch die sehr korrekten, aber äußerst sperrigen Bezeichnungen. Fitnessarmbänder heißen bei der DAK „Körpermessgeräte zur kontinuierlichen Dokumentation von Distanzen und Gesundheitswerten“, die TK nennt sie „Geräte zur Messung und Erfassung des Fitness- und Gesundheitsstatus“. Klingt fast ein wenig abschreckend.

Marktforscher: Jeder Dritte ist zur Preisgabe von Gesundheitsdaten bereit, wenn er dafür Vorzüge erhält

Allemal lieber sehen es die Krankenkassen, wenn ein Versicherter weitere Gesundheitsmaßnahmen ergreift - zum Beispiel, dass er sich professionell die Zähne reinigen lässt, zu der einen oder anderen zusätzlichen Untersuchung geht oder eine Zusatzversicherung abschließt. Deshalb fallen in den Bonusprogrammen auch Geldprämien, sofern sie angeboten werden, deutlich geringer aus als Gutschriften für weitere Maßnahmen. „Wir möchten eher, dass die Menschen etwas für die Gesundheit tun und nicht die 90 Euro Bonifikation an der Trinkhalle ausgeben“, sagt Vorstandsmitglied Frank Storsberg, der in der TK für das Gesundheitsmanagement zuständig ist.

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