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Kraftstoffe Rohöl vor weiterem Schaukeljahr

02.01.2007 ·  Die Benzinpreise sind durch die höhere Mehrwertsteuer und die Beimischungspflicht gestiegen. Der Ölpreis hat mit dem Preisschub jedoch nichts zu tun: das Öl kostet so viel wie vor einem Jahr.

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Zum Jahresbeginn haben sich die Kraftstoffpreise in Deutschland spürbar verteuert. Die Mineralölgesellschaften begründen die Preiserhöhung mit der um 3 Prozentpunkte gestiegenen Mehrwertsteuer und der nun staatlich verordneten Beimischung von Biokraftstoffen. Der aktuelle Ölpreis selbst hat dagegen nichts mit dem jüngsten Preisschub zu tun. Im Gegenteil: Seit Mitte Dezember 2006 sind die Notierungen für Rohöl gefallen und haben das Jahr zudem auf einem ähnlichen Niveau beendet, wie sie es begonnen hatten.

„Im Durchschnitt dürften die Preise für Benzin- und Dieselkraftstoffe zum Jahresanfang um 5 Cent je Liter gestiegen sein“, sagt Barbara Meyer-Bukow vom Mineralölwirtschaftsverband (MWV). Alleine die Mehrwertsteuererhöhung verteuere die Literpreise für die Kraftstoffe rein rechnerisch um etwa 3 Cent. Durch die Beimischung der teuren Biokomponenten - für Ethanol müsse unter Berücksichtigung des Energiegehalts das Dreifache der Einkaufskosten für unversteuertes Superbenzin (derzeit 31 Cent) bezahlt werden - erhöhten sich die Kraftstoffpreise zudem. Hinzu kämen noch Kosten für zusätzliche Investitionen in Raffinerien und Tankstellen. Kraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie Biodiesel oder -ethanol müssen Meyer-Bukow zufolge gemessen am Volumen bei Benzin nun zu 2 Prozent und bei Diesel zu 5 Prozent enthalten sein.

Unter dem Strich: höhere Kosten

Der jüngste Preissprung bei Kraftstoffen folgt auf eine Phase der Entspannung. Im Dezember musste für Benzin weniger bezahlt werden als zwölf Monate zuvor: Nach vorläufigen Angaben des MWV kostete der Liter Superbenzin im letzten Monat des Jahres 2006 im Bundesdurchschnitt 122,2 Cent, im Vorjahr waren es noch 123,7 Cent. Für die übrigen Kraftstoffe ergibt sich ein ähnliches Preisbild. Das Gesamtjahr 2006 hingegen hat für die Autofahrer - entsprechend der allgemeinen Wahrnehmung - unter dem Strich höhere Kosten mit sich gebracht. Im Jahresdurchschnitt mussten für Superbenzin 129,2 Cent je Liter bezahlt werden - fast 6 Prozent mehr als noch im Jahr 2005.

Der Blick auf den Ölpreis ergibt eine ähnliche Jahresbilanz. Die amerikanische Ölsorte West Texas Intermediate WTI beendete das Jahr mit einem Preis von etwa 61 Dollar je Barrel (rund 159 Liter). Der Schlusskurs 2005 lag auf ebendiesem Niveau. Gleichwohl schwankten die Preise zwischen beiden Terminen heftig: Inmitten gewachsener geopolitischer Risiken, unter anderem wegen des Atomstreits mit Iran, war der Ölpreis bis auf ein Rekordhoch von 78,40 Dollar je Barrel geklettert und in der folgenden Korrekturphase um bis zu einem Drittel auf etwa 55 Dollar gefallen.

„Der Markt neigt zu Überreaktionen“

„Auch in diesem Jahr könnte ein ähnlich sprunghafter Preisverlauf zu beobachten sein“, sagt Sandra Ebner, Fondsmanagerin bei Deka Investment. An der angespannten Situation zwischen Angebot und Nachfrage habe sich kaum etwas verändert. Die Rohstoffexpertin rechnet langfristig mit weiter steigenden Ölnotierungen, da sich das Umfeld eher zuspitzen, denn verbessern sollte, und auf kurze Sicht mit abermals kräftigen Preisausschlägen: „Denn der Markt neigt seit zwei bis drei Jahren zu Überreaktionen, also dazu, eine Zeitlang nur die negativen Aspekte zu sehen und in den Preisen nach oben zu übertreiben, wie im Sommer, und umgekehrt, wie seither.“ Das Schmelzen der freien Kapazitäten mache den Markt zudem anfälliger gegenüber Ereignisrisiken wie plötzlichen Produktionsausfällen.

Im Ölhandel geht man von steigenden Notierungen aus. An der New Yorker Terminbörse Nymex ist derzeit Öl zur Lieferung im Sommer 2008 mit rund 67,60 Dollar je Barrel am teuersten. Der Terminpreis zur Jahresmitte 2007 liegt bei rund 65 und zum Jahresende bei etwa 67 Dollar. Für Jochen Hitzfeld von der Hypo-Vereinsbank spiegelt die überdurchschnittliche Zunahme der langfristigen Ölpreise die knappe Angebotslage am Erdölmarkt wider. Dank hoher Lagerbestände seien die kurzfristigen Ölpreise noch niedrig. Eine Umfrage dieser Zeitung hat ergeben, dass die befragten Finanzinstitute für 2007 im Durchschnitt mit einem leicht höheren Ölpreis rechnen.

Glaubt man den Bankprognosen, dann könnte für Verbraucher im Euro-Raum das Umfeld künftig weniger günstig ausfallen als im Jahr 2006. Die Stärke des Euro zum Dollar hat Rohöl aus europäischer Sicht im vergangenen Jahr sogar um rund 10 Prozent günstiger gemacht. Für 2007 sagen die Experten nun einen eher seitwärts tendierenden Euro-Dollar-Kurs vorher.

Quelle: kpa. / F.A.Z. vom 3. Januar 2007
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