Auf Basis der Verbraucherpreise analysiert Heino Ruland von Ruland Research die aktuelle Lage an der Preisfront und versucht einen Blick in die Zukunft zu werfen.
Nach dem im Mai für das Bundesland Brandenburg veröffentlichten Verbraucherpreisindex haben sich die Preise gegenüber April um 0,7 Prozent und auf Jahresbasis um 4,1 Prozent verteuert. Brandenburg gehört zu den sechs Bundesländern, deren Verbraucherpreise als Vorausschätzungen für die Preisentwicklung in ganz Deutschland ermittelt werden. Im vergangenen Monat wies der Preisindex für Brandenburg dieselbe monatliche Zuwachsrate aus, wie sie letztendlich auch für die Bundesrepublik Deutschland ausgewiesen wurde. Im Mai verteuerten sich vor allem die Preise für Benzin (+ 6,2 Prozent gegenüber dem Vormonat) und Nahrungsmittel (+ 9,9 Prozent im Jahresvergleich). Um Saisonwaren bereinigt, erhöhten sich die Preise um 0,5 Prozent gegenüber dem Vormonat und um 3,8 Prozent im Jahresvergleich. Um Mineralölprodukte bereinigt, belief sich die Zuwachsrate auf 0,6 Prozent auf Monatsbasis beziehungsweise 3,5 Prozent auf Jahresbasis.
Jahresteuerung von 3,6 Prozent möglich
Unter der Annahme, dass sich die Preise auf Bundesebene um den gleichen Prozentsatz erhöhen wie in Brandenburg, müsste für Gesamtdeutschland mit einer Jahresteuerungsrate in Höhe von 3,6 Prozent, möglicherweise sogar 3,7 Prozent, gerechnet werden. Geht man für den Rest des Jahres hingegen von einer monatlichen Preisteuerung um den vor langer Zeit festgeschriebenen Monatsdurchschnitt (= 0,17 Prozent) aus, so würden sich die deutschen Verbraucherpreise in diesem Jahr um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr erhöhen und bis zum Jahresende 3,2 Prozent erreichen.
Dies sind alles andere als ermutigende Zahlen, und die Gefahr ist groß, dass wir mit unseren Schätzungen noch zu niedrig liegen. Da für die gesamte Eurozone dieselben Preisdeterminanten gelten, sollte die Teuerungsrate dort auch weiterhin weit über dem von der Europäischen Zentralbank festgelegten Ziel liegen; aus diesem Grund wird die Europäische Zentralbank von weiteren Zinssenkungsmaßnahmen erst einmal Abstand nehmen.
Dies erhöht den Druck auf das deutsche Wirtschaftswachstum und bedeutet damit gleichzeitig die Gefahr einer ausgewachsenen Rezession. Unter den gegebenen Umständen wird die jüngste Kursrally an den Aktienmärkten daher wohl nicht von Dauer sein.
