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Kommentar : Zinswende

Für die gebeutelten Anleger hat der Anleihecrash eine wichtige Warnung gebracht: Sichere Wetten auf sinkende Renditen durch die EZB-Käufe gibt es auch am Anleihemarkt nicht.

          Von 0,05 Prozent auf 0,8 Prozent in vier Wochen – solch ein Renditeanstieg ist bei Bundesanleihen ein riesiger Sprung. Wir sind ja schließlich nicht am Aktienmarkt. In den Portfolios von Versicherungen und große Anleiheinvestoren bedeutet das schmerzhafte Kursverluste, die den Gewinn eines Durchschnittsjahres auffressen.

          Solche Sprünge ist der Anleihemarkt nicht gewohnt, viele Anleger wurden auf dem falschen Fuß erwischt, denn fast alle setzten auf Kursgewinne und damit fallende Renditen, weil die Europäische Zentralbank jeden Monat Papiere im Volumen von 60 Milliarden Euro erwirbt. Privatanlegern kann das erst einmal egal sein, wenn sie sich eine Anleihe gekauft haben.

          In diesem Tempo werden Renditen nicht weiter steigen

          Ihre Rendite stand bei Kauf fest und ändert sich durch die jüngsten Ereignisse nicht. Doch viele haben Rentenfonds im Depot. Die leben davon, Anleihen nicht nur bis zum Ende der Laufzeit zu halten, sondern auch einmal in der Zwischenzeit mit Gewinn zu verkaufen. Solche Fonds wurden durch den Renditeanstieg negativ getroffen.

          Dramatisch ist all das noch nicht. In diesem Tempo werden die Renditen nicht weiter steigen, vermutlich werden sie auch wieder etwas sinken, solange die EZB Anleihen kauft. Für den Finanzmarkt im Ganzen ist es gesund, dass die Renditen nicht alle in den negativen Bereich rutschen. Und für Europas Wirtschaft ist das jetzt erreichte Zinsniveau keine Gefahr. Die Zinsen sind immer noch so niedrig, dass am Zinssatz Investitionen der Unternehmen nicht scheitern dürften und die Menschen ihren Konsum einstellen. Die Konjunktur kann also trotzdem anspringen.

          Für die gebeutelten Anleger hat der Anleihecrash eine wichtige Warnung gebracht: Sichere Wetten auf sinkende Renditen durch die EZB-Käufe gibt es auch am Anleihemarkt nicht.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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          Quelle: F.A.S.

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