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Kommentar Zeit zum Handeln?

11.05.2009 ·  Dem Handelnden gehört die Welt, so der landläufige Glaube. Zumindest an den Aktienmärkten muss man das hinterfragen: Jedes Ding hat seine Zeit, Handeln wie Passivität.

Von Hanno Beck
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Was leben wir doch in einer dynamischen Zeit: Dem Handelnden gehört die Welt, wer aktiv ist, ist ein Macher, ein Gewinner, und der ganz erfolgreiche Macher handelt sogar nicht aktiv, sondern proaktiv - was immer das heißen mag. Wer mag angesichts einer so dynamischen Zeit zugeben, dass er sich lieber treiben lassen mag, auf Bewegung verzichtet und sich der gepflegten Muße - sprich: der Passivität - hingibt?

Zumindest an den Aktienmärkten muss man das Wörtchen „aktiv“ hinterfragen: Soll, kann oder muss ein Anleger hektisch wuselnd Aktien kaufen und verkaufen? Oder sollte er sich entspannt zurücklehnen und in einen Index investieren? Das ist eine der vielen Gretchenfragen der Kapitalmärkte: Wie hältst du es mit dem Investieren - aktiv oder passiv?

Das Schisma an den Kapitalmärkten

Und wie so oft bei einer Glaubensfrage zeigt sich auch an den Kapitalmärkten ein veritables Schisma: Die Verfechter des Aktivismus glauben, dass sie mit Geschick den Aktienmärkten ein Schnippchen schlagen können, weil diese irrational und ineffizient sind und deshalb viel Raum lassen für jene, die cleverer sind als der Markt - eine Meinung, die den Vertretern des passiven Investierens widerstrebt, da sie nicht glauben, dass jemand schlauer sein kann als die Gesamtheit aller Marktteilnehmer.

Die finanztheoretische Ökumene bei der Lösung dieser Glaubensfrage sieht wohl in etwa wie folgt aus: Märkte sind oft rational, aber nicht immer, und dort, wo sie es nicht sind, ist Raum für kluge, aktive Investoren. Wer also in illiquide zentralafrikanische Internetaktien investiert, kann getrost davon ausgehen, dass er hier dem Marktindex das ein oder andere Renditeschnippchen schlagen kann. Wer jedoch glaubt, auf Dauer große, liquide Eurostoxx-Werte besser zu handeln als der Gesamtmarkt, braucht viel Verwegenheit und kann rasch von diesen Märkten eines Besseren belehrt werden. Letztlich ist die Antwort auf diese Glaubensfrage also eine biblische: Jedes Ding hat seine Zeit, das aktive Handeln ebenso wie die Zeit der Passivität.

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